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30.12.2015

14:35 Uhr

Anlegen 2016 - Teil 13 - Baugeld

Wie lange die Mini-Zinsen bleiben

VonJens Hagen

Die Zinsen sind niedrig und treiben die Immobilienpreise in Deutschland. Eine Umfrage zeigt, wann die Zinsen wieder steigen könnten. Müssen Immobilienbesitzer und Häuslebauer bald handeln?

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen. Getty Images

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen.

FrankfurtDie gute Nachricht für Immobilienbesitzer und Häuslebauer: Aktuell ist Baugeld mit einer Zinsbindung von zehn Jahren nach dem historischen Tiefstand im Mai (1,23 Prozent) mit 1,57 Prozent wieder sehr günstig, wie eine Auswertung der FMH Finanzberatung ergab. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag das Niveau noch bei 1,71 Prozent, vor drei Jahren bei 2,54 Prozent und vor fünf Jahren bei 3,72 Prozent.

Die noch bessere Nachricht: Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. „Alles deutet darauf hin, dass sich auch das allgemeine Zinsumfeld im nächsten Jahr nicht grundlegend ändern wird“, sagt Wolfgang Kubatzki, Mitglied der Geschäftsleitung der Feri Eurorating.

In einer Umfrage seines Analysehauses unter 128 institutionellen Investoren gaben mehr als 75 Prozent der Befragten an, dass eine Zinswende nicht vor 2017 zu erwarten sei. 31,5 Prozent gehen sogar von einer Niedrigzinsphase bis 2019 oder länger aus. „Wer also den Sprung ins Eigenheim wagen möchte, dürfte auch 2016 an günstige Kredite herankommen können“, sagt Kubatzki.

Banker sehen im nächsten Jahr nur wenig Spielraum nach oben. „Angesichts der weiterhin lockeren Geldpolitik der europäischen Zentralbank dürfte Baugeld daher auch in den kommenden Monaten relativ günstig bleiben“, sagt Christoph Zschaetzsch, Leiter Baufinanzierung bei der Deutschen Bank. Die geldpolitischen Rahmenbedingungen in der Eurozone dürften nach seinen Schilderungen im kommenden Jahr weitgehend unverändert bleiben. „Bei einer weiteren makroökonomischen Stabilisierung könnte mit einem leichten Anstieg der langfristigen Zinsen im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen sein“, sagt Zschaetzsch.

Ein möglicher Anstieg dürfte nach der Mehrheitsmeinung am Markt eher moderat ausfallen, wenn sie überhaupt kommt. „Wir erwarten einen eher moderaten Anstieg in 2016“, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender des Baugeld-Vermittlers Interhyp. „Die Finanzierung der eigenen Immobilie wird voraussichtlich teurer, aber nicht teuer“.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Die Prognosen zeigen: Immobilienbesitzer müssen sich nicht sputen. Wer langfristige Sicherheit möchte, kann eine lange Zinsbindung vereinbaren. Laut FMH beträgt der Aufpreis zwischen Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im Vergleich zu Krediten mit 20-jähriger Zinsbindung bei einer Beleihung von 90 Prozent rund 0,8 Prozentpunkte.

„Häuslebauer, die nicht mit einem deutlichen Zinsanstieg von über vier Prozent in zehn Jahren rechnen, sollten die kurze Variante nehmen“, sagt FMH-Inhaber-Max Herbst. „Wer nach zehn Jahren mit Zinsen deutlich höherem Niveau rechnet oder auf kalkulierbare Raten angewiesen ist, sollte langfristig festschreiben.“

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