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24.12.2015

11:20 Uhr

Anlegen 2016: Teil 3 – Staatsanleihen

Trübe Aussichten für Renteninvestoren

VonAndrea Cünnen

Analysten meinen unisono: Staatsanleiherenditen werden steigen. Das haben sie schon oft gedacht – doch diesmal dürfte es stimmen. Grund dafür ist die Zinspolitik in den USA. Der Einstieg lohnt aber auch 2016 noch nicht.

Volkswirte erwarten für die Zinspapiere von Staaten nichts Gutes. IMAGO

Regenwolken über der Bankenmetropole Frankfurt

Volkswirte erwarten für die Zinspapiere von Staaten nichts Gutes.

FrankfurtDie meisten Analysten haben sich wieder einmal geirrt. Denn ihre Prognose für 2015, wonach die Kurse der Staatsanleihen im Euro-Raum in diesem Jahr fallen und im Gegenzug die Anleiherenditen steigen, hat sich nicht bewahrheitet.

Denn unter dem Strich haben sich die langlaufenden Anleihen, die bei Investoren besonders im Fokus stehen, nicht bewegt - trotz zwischenzeitlicher starker Schwankungen. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert mit gut einem halben Prozent, die der zehnjährigen US-Anleihe mit gut zwei Prozent. Für das kommende Jahr rechnen die Zins-Auguren jetzt mit weiter steigenden Renditen. Der Anstieg sollte allerdings moderat vor sich gehen.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Bei im Schnitt einem Prozent sehen vom Informationsdienst Bloomberg befragte Analysten die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in einem Jahr. Die ihrer US-Pendants sollte dann bei 2,8 Prozent liegen. Das entspräche in Deutschland einem Anstieg von knapp einem halben, in den USA von gut einem halben Prozentpunkt. Für Anleger heißt das nichts Gutes. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe würde in diesem Fall um mehr als viereinhalb Prozent fallen. In den USA läge der Kursverlust bei über fünf Prozent. Das heißt: Wer Anleihen zwischendurch verkaufen will, macht einen Verlust, denn die niedrigen Zinskupons von aktuell einem Prozent bei der zehnjährigen Bundes- und von 2,25 Prozent bei der zehnjährigen US-Staatsanleihen fangen die Kursverluste nicht auf. Auf der anderen Seite ist der Renditeanstieg nur moderat, so dass sich der Einstieg auch später im Jahr kaum lohnt.

Das gilt auch für die Anleihen der Euro-Randländer. Zehnjährige Anleihen von zum Beispiel Spanien oder Italien bringen Neueinsteigern auch nur noch gut anderthalb Prozent Rendite. Experten rechnen zwar damit, dass sich die Zinspapiere aus Madrid und Rom besser schlagen werden als Bundesanleihen. Das heißt aber übersetzt nur, dass hier geringere Kursverluste als bei deutschen Staatsanleihen erwartet werden.

Etwas anders ist es in Griechenland, dem Land der Euro-Zone, das immer noch tief in der Krise steckt. Die zehnjährige griechische Staatsanleihe rentiert mit mehr als acht Prozent. Dabei sind die Kurse seit Januar schon enorm gestiegen, die Rendite der zehnjährigen griechischen Anleihe lag Anfang des Jahres noch bei 9,6 Prozent. Griechische Staatsanleihen sind – quer über alle Laufzeiten – deshalb auch überraschende Top-Performer unter den weltweiten Rentenmärkten. Sie brachten den Anlegern einen Ertrag aus Kurssteigerungen und Zinseinnahmen von mehr als 20 Prozent.

Doch das heißt nicht viel: „Die Kurse schwanken stark, und die Umsätze im Handel sind sehr gering“, meint Jack Kelly, Investmentstratege beim Fondshaus Standard Life Investments. Man müsse griechische Anleihen zwar beobachten, um mögliche neue Ansteckungsgefahren für die Euro-Zone zu erkennen. Als Anlage seien die Papiere aber nicht geeignet, dafür seien die Risiken viel zu hoch.

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