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26.12.2015

12:00 Uhr

Anlegen 2016: Teil 5 – Unternehmensanleihen

Mit Risiken und Nebenwirkungen

VonAndrea Cünnen

Das Niedrigzinsumfeld hat auch die Anleihen von Unternehmen voll im Griff. Wer noch etwas verdienen will, muss nach Ansicht von Experten auf riskantere Zinspapiere ausweichen. Doch die sind gefährlich.

In der bunten Welt der Bonds steigen die Ausfallgefahren. dpa

Tabletten

In der bunten Welt der Bonds steigen die Ausfallgefahren.

FrankfurtAnleihen von Unternehmen haben Anlegern in diesem Jahr nicht viel Freude gemacht. Mit Bonds von Firmen mit guter Bonität ließ sich unter dem Strich weder in Europa noch in den USA etwas verdienen. Im Gegenteil: Die leicht gefallenen Kurse zehrten die Zinseinnahmen komplett auf, Anleger machten – gemessen an Indizes der Bank of America Merrill Lynch – leichte Verluste. Und wer jetzt einsteigt und die Papiere bis zur Fälligkeit hält, bekommt dafür im Euro-Raum im Schnitt eine Rendite von nur 1,5 Prozent.

Wer mehr Rendite will, muss auf höher verzinste Anleihen ausweichen. Gemeint sind damit Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen. Die großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch drücken das in Noten von „BB+“ bis „CCC“ oder „D“ aus, wobei Schuldner mit einem C- oder D-Rating schon in Zahlungsverzug sind. Wegen des höheren Risikos werden diese Zinspapiere auch Junk-Bonds (Schrottanleihen) genannt.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Für diese Risiken bieten die Unternehmen höhere Renditen. Immerhin 5,3 Prozent gibt es derzeit im Schnitt für in Euro notierte Junk-Bonds. Das ist gut ein Prozentpunkt mehr als am Jahresanfang. Bei den Hochzinsanleihen sind die Kurse zwar deutlicher gefallen als bei den Anleihen von den kreditwürdigeren Unternehmen. Doch die höheren Zinsscheine fingen die Kursverluste locker auf – und die Papiere brachten es so im Schnitt in diesem Jahr auf einen Gesamtertrag von zumindest 1,3 Prozent.

In den USA war das allerdings anders. Hier machten Investoren mit Junk-Bonds einen Verlust von fast fünf Prozent. Das lag vor allem am gebeutelten Energiesektor. Der Verfall des Ölpreises ließ die Ausfälle von Unternehmen aus der Energiebranche nach oben schnellen. Mit Hochzinsanleihen aus dieser Branche verloren Anleger im Schnitt mehr als 20 Prozent.

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