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27.12.2015

08:37 Uhr

Anlegen 2016 – Teil 6 – Aktien Europa

Der alte Kontinent ist erste Wahl

VonJessica Schwarzer

US-Aktien sind schon recht teuer, Schwellenländer-Titel ziemlich riskant. Kein Wunder, dass Experten zu europäischen Aktien raten. Doch wie groß sind die Chancen wirklich? Wie hoch ist das Risiko?

Vor allem Aktien aus den Südländern könnten 2016 punkten. dpa

Europa

Vor allem Aktien aus den Südländern könnten 2016 punkten.

DüsseldorfDie Bäume wachsen an der Börse auch 2016 nicht in den Himmel: Experten bevorzugen zwar ganz klar europäische Aktien, aber mit großen Gewinnen sollten Anleger nicht rechnen. Wohl aber mit großen Schwankungen. Das große Thema an den Märkten ist und bleibt die Politik des billigen Geldes.

Die amerikanische Notenbank Fed hat die Zinswende bereits eingeleitet – wenn auch mit Trippelschritten. Weitere Zinserhöhungen sollen folgen, was auch die europäischen Märkte belasten könnte. Schließlich ist die amerikanische Wall Street die Leitbörse der Welt. In der Euro-Zone herrscht auf absehbare Zeit noch geldpolitischer Stillstand. Doch auch das hat Folgen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Nullzinspolitik hat in allen Anlageklassen zu höheren Preisen geführt – egal ob Aktien, Anleihen oder Immobilien. „Die steilen Aufwärtstrends an den Aktien- und Spread-Märkten flachen ab“, sagt Deka-Chefanlagestratege Frank Hagenstein. „Künftige Kurszuwächse werden geringer ausfallen, daher bevorzugen wir für 2016 Income-Märkte und setzen verstärkt auf eine ausgewogene Mischung aus Dividenden oder Hochzinsanleihen.“ Regelmäßige Erträge in Form von Dividenden oder Zinskupons, also „Income“, scheinen das Gebot der Stunde zu sein.

Große Kurszuwächse erwarten die wenigsten. Zu den optimistischsten Häusern gehört die Deutsche Bank, die dem breiten europäischen Index Stoxx 600 im neuen Jahr immerhin ein Plus von zehn Prozent zutraut. Der größte Vermögensverwalter der Welt Blackrock erwartet lediglich gedämpfte Zuwächse an den meisten Aktienmärkten. Die weltweite Flut „billigen Geldes“, die in den vergangenen Jahren zu höheren Bewertungen geführt hat, habe ihren Gipfel erreicht, schreibt das Blackrock Investment Institut in seinem Kapitalmarktausblick.

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Die Geldpolitik der EZB sorgt für Anlagenotstand: Welche Investments in der Welt der anhaltenden Niedrigzinsen noch hohe Erträge versprechen. Und von welchen Geldanlagen die Deutschen derzeit lieber die Finger lassen sollten.

Für viele Märkte gilt, dass die Aktien nicht mehr günstig sind und die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck geraten. Daher ist Wirtschaftswachstum notwendig, um die Erträge zu steigern. „Für ein Jahr mit beschleunigtem Wachstum der Weltwirtschaft kam das Jahr 2015 nur schwer aus den Startlöchern. Auch 2016 wird sich daran wohl nicht viel ändern”, sagte Christopher Probyn, Chief Economist von State Street Global Advisors. „Die Anleger sollten daher ihre Werte in diesem wachstumsschwachen Umfeld besonders effektiv verwalten.”

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