Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2015

17:49 Uhr

Anlegen 2016 - Teil 9 - Devisenmarkt

Kostet ein Euro bald nur noch 1,00 US-Dollar?

VonGeorgios Kokologiannis

Mit Wetten gegen die europäische Gemeinschaftswährung haben Anleger 2015 viel Geld verdient. Doch im kommenden Jahr halten Experten eine fortgesetzte Abwertung für keine ausgemachte Sache.

Die Analystenschätzungen über die Kursentwicklung des Euros im Jahr 2016 gehen weit auseinander. Reuters

Dollar- und Euronoten

Die Analystenschätzungen über die Kursentwicklung des Euros im Jahr 2016 gehen weit auseinander.

FrankfurtWer sich durch die Weichwährungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dazu veranlasst sah, frühzeitig auf eine Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar zu setzen, darf sich in diesem Jahr über üppige Erträge freuen. Fraglich ist allerdings, ob diese Strategie auch 2016 lohnenswert ist.

Mehr als ein Fünftel Wertzuwachs erzielten hiesige Anleger bisher, die ab dem Frühjahr vergangenen Jahres Greenback-Noten im Tresor gebunkert haben oder Bares auf entsprechende Dollar-Fremdwährungskonten umschichteten.

Standard Chartered: „Euro-Reserven schwinden wegen Draghi”

Standard Chartered

„Euro-Reserven schwinden wegen Draghi”

Mario Draghi ist im Begriff, den Geldhahn für Europa weiter aufzudrehen. Das schwächt den Euro. Die Notenbanken weltweit rechnen deshalb mit Verlusten – und verkaufen massenweise ihre Euro-Reserven.

Hintergrund: Damals begannen die Notenbanker der EZB, die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, dass sie mit einer erneuten Lockerung der Geldpolitik drohende Deflationsgefahren in der Euro-Zone bekämpfen würden. Auf die Worte folgten Taten: Seit März 2015 kauft die EZB monatlich Wertpapiere im Volumen von rund 60 Milliarden Euro - und bläht damit die vorhandene Geldmenge auf ("QE"-Programm).

Und während EZB-Chef Mario Draghi das umstrittene Anleihekaufprogramm vor kurzem sogar verlängerte, forciert die US-Zentralbank Fed die Straffung ihrer Geldpolitik: Sie ließ vergangenen Herbst das letzte von insgesamt drei QE-Programmen auslaufen und steuerte danach immer offensichtlicher auf ihre erste Leitzinserhöhung seit 2006 zu - die dann wie von der Finanzmärkten erwartet im Dezember tatsächlich beschlossen worden ist.

Währungskorb als Referenz: China erwägt Dollar-Bindung zu lockern

Währungskorb als Referenz

China erwägt Dollar-Bindung zu lockern

Der Stärke des chinesischen Yuan misst sich am Dollarkurs. Die chinesische Zentralbank überlegt nun, dies zu ändern. Sie will einen Referenzwert errechnen, der auf einem Währungskorb basiert.

Die Folge: Vor allem wegen dieses Auseinanderlaufens der Notenbankpolitik in den USA und in der Euro-Zone ist die Gemeinschaftswährung mittlerweile von fast 1,40 Dollar im Mai 2014 auf mittlerweile rund 1,09 Dollar abgerutscht. Seit Jahresbeginn hat der Euro in der Spitze zweitweise satte 16-US-Cent eingebüßt. Denn höhere US-Zinsen machen Anlagen im Dollar-Raum attraktiver.

„Die mittlerweile in die Tat umgesetzte US-Zinserhöhung hatte dem Greenback bei global tiefen Zinsen deutliche Unterstützung verliehen und den 'US-Dollar long'-Trade zum Anlagetipp des Jahres 2015 gemacht“, sagt Anja Hochberg, Chef-Anlagestrategin bei der Credit Suisse Schweiz.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut Metz

30.12.2015, 18:56 Uhr

Was haben Wetten an den Devisenmärkten mit Geldanlage zu tun??
Bin ich etwa auch ein Anleger, wenn ich Lotto spiele?? ;-)
Mir ist es persönlich ziemlich gleichgültig, wie USD und EUR sich gegeneinander entwickeln. Wir leben in einer Welt der "floatenden" Währungen. Sie schwanken allerdings nur relativ zueinander, mal hoch, mal runter, aber am Ende sinken sie alle zusammen gegen den absoluten Maßstab. Glauben Sie nicht? Hier sinken 115 Währungen simultan gegen das Absolute:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=256038
Na dann einen Guten Rutsch! (aber nicht mit den Währungen) ;-)

Herr Percy Stuart

30.12.2015, 19:48 Uhr

Die dauerhafte Abwertung des Euros bedeutet für uns im Aussenverhältnis zur Eurozone einen weiteren 15%tigen Lohn- und Kaufkraftverlust. Dies hat gerade heute Prof. Sinn in der Welt bestätigt. Durch die Zinsanhebung in den USA, wird der Euro weiter nachgeben und noch bedeutend schwächer werden. Es wird viel Kapital aus der Eurozone abfliessen. Somit beschleunigt sich der Lohn- und Kaufkraftverlust beim einzelnen Atbeitnehmer weiter. Vor allem die arbeitende Mittel- und Unterschicht wird davon massgeblich betroffen sein. Hinzu kommt, dass dadurch unsere Handelsbilanzüberschüssse noch weiter ansteigen werden, was wiederum zu weiter anwachsender Massenarbeitslosigkeit und einhergehend zu Staatspleiten bei einigen europäischen Mitgliedsstaaten (Griechenland, Portugal, Italien, Frankreich, Spanien) führen wird. Die EU ist bereits jetzt zutiefst in ein Nord-Süd-Gefälle gespalten.
Die Spaltung zwischen Arm und Reich ist durch den Euro nicht geringer, sondern größer geworden, Von der Kredit-Orgie profitierten nie die Bedürftigen. Am meisten profitierten die Super-Reichen, gefolgt von einer kleinen Mittelschicht, die sich nicht durch Leistung, sondern durch die Zugehörigkeit zu nationalen oder europäischen Netzwerken saniert hat. Die Einkommensungerechtigkeit ist in Griechenland gestiegen, genauso wie in Deutschland und in den anderen Staaten. Das ist der Keim der Revolution. Wenn zu viele Leute nichts mehr zu verlieren haben, stimmen sie mit Nein. Die Reallohnverluste der letzten zwei Jahrzehnte sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Der Euro und die EU sind für die breite Masse der Menschen ein Fehlversuch und müssen schleunigst beendet werden, um einen noch größeren Schaden von Europa abzuwenden.

Herr Percy Stuart

30.12.2015, 19:51 Uhr

Es geht doch nicht um Europa, sondern um die EU und den Euro. Europa hat auch vor der zerstörerischen Einheitswährung jahrzehntelang erwiesenermaßen gut und friedlich funktioniert. Erst seitdem man den Spaltpilz der Nationen, diese Kunstwährung Namens Euro einführte, durch welchen sich wirtschaftsstarke an wirtschaftsschwache Volkswirtschaften ankoppelten (ohne Aufwertungs- und Abwertungsmöglichkeit der eigenen Währungen), herrscht Zwietracht und Streit zwischen den Nationen. Die einen wissen nicht mehr wohin mit ihren ganzen auf Pump finanzierten Überschüssen (D), während die anderen in Defiziten versinken und nur noch durch billionen-euro-schwere Rettungspakte und Bankbürgschaften und einer Null-Zins-Geldpolitik vor der endgültigen Staatspleite bewahrt werden können. Man misstraut und hasst sich wieder (faule Griechen vs. Nazi-Deutsche usw.) in Europa! Was hat man uns damals nicht alles versprochen, als die Deutschen ungefragt die D-Mark aufgeben mussten. Wo sind die blühenden Eurolandschaften und der Wohlstands- und Wachstumszuwachs, den man den europäischen Völkern und Volkswirtschaften von politischer Seite her immer versprach? Was bleibt heute von den politischen Versprechen übrig, das kein Land für die Schulden des anderen haftet oder bürgt, was blieb übrig von einer einstmals harten, stabilen Währung Namens D-Mark? Stattdessen europaweit Massenarbeitslosigkeit, Dienstleistungsprekariate, Geldentwertung, überschuldete Pleitestaaten, Zombie- und Pleitebanken und ein massiver Rechtsruck im Euroraum. Der Normalbürger zahlt seitdem nur noch drauf. Hat seitdem durch diese Weichwährung einen riesigen Kaufkraftverlust zu verkraften (gleichzusetzten mit einem Lohnverlust um die 15-20%), bei seit Jahren stagnierenden und sinkenden Reallöhnen. Wo ist das ganze Geld abgeblieben, dass man uns so schamlos durch den Euro aus der Tasche zog und weiterhin zieht? Umrechnungskurs zur D-Mark ist 1,95583! Heute ist aber ein Euro nur noch eine D-Mark wert, also 1,0.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×