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23.12.2016

15:54 Uhr

Anlegen 2017 – Teil 2 – Wohnimmobilien

Wohnung verzweifelt gesucht

VonReiner Reichel

In Deutschland fehlen eine Million Wohnungen. Deshalb sind weiter kräftig steigende Mieten und Wohnungspreise kaum zu verhindern. Und noch aus einem weiteren Grund werden 2017 viele vom eigenen Haus nur träumen können.

Wohnungssuche

Mieterrechte - So kommen Sie am besten an eine Wohnung

Wohnungssuche: Mieterrechte - So bekommen Sie am besten eine Wohnung

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DüsseldorfSchlangen durchs Treppenhaus bis auf den Gehsteig: Die wird es auch im nächsten Jahr in deutschen Großstädten geben – und zwar immer dann, wenn es eine Mietwohnung zu besichtigen gibt. Da mögen seriöse Makler noch so sehr beteuern, dass sie nur Einzeltermine für Besichtigungen vergeben. Und auch die diversen Start-ups, die Vermietern versprechen, aus den vielen Wohnungsbewerbern denjenigen herauszufiltern, der für ihre Wohnung der Richtige ist, verlagern das Auswahlproblem nur vom Ortstermin ins Internet.

Denn eines gilt im 2017 genauso wie im zu Ende gehenden Jahr 2016, weiß Reiner Braun, Vorstand der auf Immobilienmarktanalysen spezialisierten Gesellschaft Empirica: „Wir brauchen mehr Wohnungen.“

Aber die lassen sich nicht so schnell in ausreichender Zahl bauen. Denn obwohl 2016 so viele Wohnungen Baugenehmigungen erhalten werden wie zuletzt vor 17 Jahren, werden es weniger sein, als eigentlich pro Jahr gebaut werden müssten. Reiner Braun schätzt, dass es 350.000 sein müssten – und das zehn Jahre hintereinander.

Grund ist der Nachholbedarf, weiß Rolf Buch, Vorstandschef von Deutschlands größtem Wohnungsvermieter Vonovia: „Wir haben eine Million Wohnungen zu wenig.“ Gegenrechnungen, wonach doch in ländlichen Gebieten Tausende Wohnungen leer stehen, begegnet Buch mit Kopfschütteln: Wer ländliche Gebiete verlasse und dafür in Ballungszentren Wohnraum nachfrage, vergrößere den Bedarf dort und den Leerstand in der Gegend, die er verlässt.

Statistisches Bundesamt: Immer weniger Wohnungen stehen leer

Statistisches Bundesamt

Immer weniger Wohnungen stehen leer

In Deutschland stehen immer weniger Wohnungen leer – und das, obwohl die Zahl der Wohnungen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Frei verfügbaren Wohnraum gibt es vor allem in Ostdeutschland.

Ablesbar ist dies am Leerstandsindex für Wohnraum, den Empirica und der Immobiliendienstleister CBRE errechnen. Demnach beträgt in Schrumpfungsregionen der sogenannte marktaktive Leerstand 6,9 Prozent, Tendenz steigend, und in Wachstumsregionen 2,1 Prozent, Tendenz fallend. Marktaktiv bedeutet, dass ohnehin unvermietbare Ruinen gar nicht mitgezählt wurden. Dass es die in vielen ostdeutschen Dörfern und Kleinstädten gibt, ist weithin bekannt. Doch wer aufmerksam durch kleine Ortschaften im Taunus nur 50 Kilometer von der prosperierenden Mainmetropole Frankfurt entfernt fährt, wird sie auch dort entdecken.

Die Situation wird sich nicht ändern, ist Harald Hermann, Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), überzeugt: „Regionen abseits der Ballungsräume werden auch in Zukunft weiter an Bevölkerung verlieren.“

Auf der anderen Seite wären Wohnungssuchende in Frankfurt froh, wenn dort wenigstens der Durchschnittsleerstand halbwegs erreicht würde. Das würde ihre Chance auf eine neue Bleibe deutlich erhöhen. Tatsächlich beträgt der Leerstand dort aber nur 0,5 Prozent. Genauso gering ist er in der mittelgroßen Universitätsstadt Münster, und nur in München ist er mit 0,2 Prozent noch niedriger. Doch die Stadt sprengt mit durchschnittlichen Neuvertragsmieten von 13 Euro pro Quadratmeter und Monat im dritten Quartal 2016 ohnehin jegliche Dimension in Deutschland.
Der Durchschnittsleerstand von 2,1 Prozent in prosperierenden Städten wäre auch in etwa das, was sich Wohnungsmarktexperten als Fluktuationsreserve für Wohnungswechsler wünschen. Von der ist Berlin inzwischen weit entfernt, auch wenn die Situation dort noch nicht so dramatisch ist wie in München und Frankfurt. Die Hauptstadtbevölkerung wächst jährlich um 40.000 Menschen, was dazu geführt hat, dass sich die Leerstandsquote binnen vier Jahren auf 1,2 Prozent halbiert hat.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

23.12.2016, 16:01 Uhr

Und ich dachte immer wir würden ein demographisches Problem kriegen.

Herr Claudio Crameri

23.12.2016, 16:03 Uhr

Es hat definitiv viel zu wenig Menschen in Deutschland sowie auf der ganzen Welt!

Die Natur breitet sich überall unkontrolliert aus! Dies ist höchst alarmierend!

*Ironie aus*

Frau Edelgard Kah

23.12.2016, 16:40 Uhr

Reden wir einmal von den Wohnungssuchenden. Ich würde gerne wissen, wo die Nachts schlafen. In Parks oder unter Brücken? Haben die wirklich keine Bleibe? Oder geht es ihnen nur darum, die Fahrtwege zu verkürzen?

Ein anderes Thema ist "Wohnung kaufen?" Eingeweihte wissen, dass die Preise von Wohnungen sehr stark von den Hypothekenzinsen abhängen. Bei hohen Zinsen sind die Wohnungspreise niedrig. Und bei den derzeitig exorbitant niedrigen Zinsen ganz besonders hoch. Heute Riesensummen bezahlen? Wo liegt da der Sinn?

"Die Zeiten ändern sich" sagen alle, die sich mit Bevölkerungsprognosen beschäftigen. Alle glauben, dass unsere Bevölkerung deutlich schrupft. Aber natürlich kann jeder auch den Wohnungsmaklern und ihren Verbänden glauben, die auf Jahrzehnte hinaus einen riesigen Fehlbestand an Wohnungen sehen.

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