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14.12.2016

11:17 Uhr

Anlegen 2017 – Teil 5 – Anleihen Schwellenländer

Wo die dicken Fische locken

VonAndrea Cünnen

Die Aussichten für die Anleihen von Schwellenländern sind für das kommende Jahr im Prinzip recht gut. Doch politische Probleme könnte den Zinspapieren zu schaffen machen. Ein Überblick.

Jenseits des europäischen Horizont kann besonders fette Beute locken – mit entsprechenden Risiken. Imago

Brasilianischer Fischer

Jenseits des europäischen Horizont kann besonders fette Beute locken – mit entsprechenden Risiken.

FrankfurtDas Jahr 2016 lässt sich für die Zinspapiere von Schwellenländern in drei Phasen einteilen: Bis etwa Mitte Februar brachten der Ölpreisverfall, neue Sorgen um China und die allgemeine Risikofurcht der Investoren kräftig unter Druck. Dann folgte eine Erholungsphase – in Einklang mit den steigenden Rohstoffpreisen. Und schließlich sorgte die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten mit seinen protektionistischem Programm für erneute Rückschläge bei den Bonds der Schwellenländer.

Unter dem Strich haben sich die Papiere dennoch recht gut entwickelt. Auf Dollar lautende Anleihen der Emerging Markets brachten den Anlegern Gesamterträge aus Zinseinnahmen und Kursgewinnen von fast neun Prozent ein. Damit entwickelten sich die Anleihen so gut wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Dennoch liegt der durchschnittliche Risikoaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen immer noch bei recht hohen 3,4 Prozentpunkten.

Auf Dollar lautende Staatsanleihen mit einer Laufzeit von rund fünf Jahren zum Beispiel aus Brasilien rentieren mit rund vier Prozent, in Mexiko sind es 3,6 Prozent, in Russland sind es 3,7 Prozent, in der Türkei 5,3 Prozent. Auf Euro lautende Anleihen der Schwellenländer gibt es seltener und hier liegen die Renditen deutlich niedriger. Wesentlich höhere Effektivverzinsungen bieten dagegen Emerging Market Bonds in Lokalwährungen. So locken fünfjährige Real-Bonds aus Brasilien mit einer Rendite von 11,5 Prozent. Bei fünfjährigen mexikanischen Anleihen in Peso zum Beispiel liegt die Rendite bei knapp sieben Prozent, bei ähnlich lang laufenden türkischen Lira-Bonds sind es 10,8 Prozent. Diese Papiere sind aber nur für sehr risikofreudige Anleger interessant, da Währungsverluste die zusätzlichen Zinserträge sehr schnell aufzehren können.

Generell empfiehlt sich bei Schwellenländer-Anleihen dabei für Privatanleger die Anlage in Fonds. Das Spektrum der Emerging Markets ist schließlich sehr groß, die Länder bieten unterschiedliche Chancen und Risiken und von daher ist es gut, die Risiken breit zu streuen. Im Prinzip sind dabei Experten für Emerging Market Bonds für 2017 recht zuversichtlich für die Anlageklasse gestimmt. „Grundsätzlich sollte sich der ökonomische Rahmen für die Schwellenländer durch leicht anziehendes Wachstum und die Festigung der Rohstoffpreise stabilisieren“, meinen Tobias Gruber und Torsten Hähn, Experten der DZ Bank. „Was die Fundamentaldaten betrifft, spricht einiges für die Emerging Markets“, heißt es auch bei der Raiffeisen Bank International.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Doch bei den Einschätzungen folgt ein großes „aber“ . Und das bezieht sich vor allem auf Donald Trump. Dessen Wahlkampfslogan „America First“ lehrt viele Schwellenländer das Fürchten. Denn der zunehmende Wohlstand der Emerging Markets basiert überwiegend auf einem relativ freien Welthandel. Trump will sein Heimatland wieder stark machen, vielen US-Amerikanern ihr Selbstbewusstsein zurückgeben - und das eben auch auf Kosten der restlichen Welt.

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