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22.12.2017

19:30 Uhr

Anlegen 2018 - Teil 2 Wohnimmobilien

Was auf dem Wohnungsmarkt noch zu holen ist

VonReiner Reichel

Seit acht Jahren steigen in Deutschland Mieten und Preise für Wohnraum. Auch 2018 erwarten Experten steigende Mieten und einen anhaltenden Bauboom. Können Anleger auf dem Wohnungsmarkt gar nichts falsch machen?

Etwa die Hälfte der deutschen Haushalte wohnt zur Miete. dpa

Mietshäuser

Etwa die Hälfte der deutschen Haushalte wohnt zur Miete.

DüsseldorfAn Silvester ist es wieder soweit: Im Sketch „Dinner for One“ wird Butler James einmal mehr auf mehreren TV-Kanälen Miss Sophie fragen: „The same procedure as last year?“ Und sie wird wie immer antworten: „Same procedure as every year.“ So kurz und treffend wie Miss Sophie könnten Immobilienexperten auch ihre Antwort auf die Frage halten, was potenzielle Häuslebauer und Wohnungskäufer 2018 erwartet. Sie müssen ihre Vorjahresprognosen kaum abwandeln.

„Im nächsten Jahr wird die Wohnungsnachfrage in den prosperierenden Großstädten und Ballungsräumen unverändert hoch sein. Mittelfristig ist hier mit weiterem Bevölkerungszuwachs sowie steigenden Haushaltszahlen zu rechnen“, sagt Maike Brammer, Leiterin der Marktanalyse des Maklerhauses Engel & Völkers Commercial. Die Neubautätigkeit decke nach wie vor nicht den wachsenden Bedarf an Wohnungen ab, referiert sie die Einschätzung der Immobilienwirtschaft. „Und – für Käufer von Anlageimmobilien besonders wichtig – die Mieten werden an diesen Standorten weiter steigen, wenn auch mit gebremster Dynamik“, ergänzt Brammer.

Hohe Baukosten und fehlende Grundstücke: Miese Bilanz beim Wohnungsbau

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Die Wohnungswirtschaft schlägt Alarm: Der Wohnungsbau ist noch immer nicht ausreichend in Schwung gekommen, um vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Immer öfter spielen auch Anrainer bei Bauprojekten nicht mit.

Deutschland ist ein Mieterland. Nur rund die Hälfte der Deutschen Haushalte lebt im Eigentum. Und es ist zugleich auch ein Vermieterland. Denn Konzernen wie Vonovia mit mehreren Hunderttausenden Wohnungen zum Trotz – von den gut 23 Millionen Mietwohnungen in Deutschland werden etwa 15 Millionen von Amateuren mit einer oder wenigen Wohnungen vermietet.

Dass die Mieten weniger stark steigen sollen, war auch in Ausblicken auf 2017 zu lesen, bewahrheitete sich aber erst in den vergangenen drei Monaten. Doch immer noch geht die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt weiter auf. Aus dem zuständigen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stammt die Einschätzung, dass in Deutschland jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden müssten, um die Nachfrage zu befriedigen. Wenn sich der Trend dieses Jahres bei den Baugenehmigungen im Jahr 2018 fortsetzt, wird der Mangel noch größer. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die Baugenehmigungen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres rückläufig. Isoliert man aus der amtlichen Statistik die Baugenehmigungen, die allein auf den Wohnungsneubau entfallen, ergibt sich für die ersten zehn Monate ein Rückgang von gut vier Prozent auf rund 247.500.

Auf das Gesamtjahr gesehen steuert Deutschland in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2008 auf einen Rückgang der Bewilligungen von Neubauwohnungen zu. Im Gesamtjahr 2016 wurden von den Bauämtern Anträge für rund 317.000 neue Wohnungen positiv beschieden. Da die Baufertigstellungen hinter den Genehmigungen hinterherhinken, steigt die Differenz zwischen Angebot und Bedarf weiter.

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

25.12.2017, 17:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Reichelt,

"was auf dem Wohnungsmarkt noch zu holen ist" haben Sie Ihren Artikel überschrieben. Dabei blicken Sie ausschließlich auf die vermutete Preis- und Mietentwicklung des Jahres 2018.

Ich halte eine solche kurze Sicht für verkehrt. Eine Immobilie ist kein Spekulationsobjekt, das man täglich mit einem Telefonanruf kaufen oder verkaufen kann. Sie haben allein schon für Besichtigungen beim Kauf und Verkauf einen hohen Aufwand und brauchen oft bis zum endgültigen Vertragsabschluß ein Jahr oder auch viel länger. Außerdem gibt es Nebenkosten des Erwerbs (Maklerprovision, Grunderwerbssteuer, Notargebühren), die fast 10 % des Kaufpreises ausmachen, die Ihnen ein späterer Käufer nicht erstattet.

Kurz und gut: Nach meiner Auffassung ist der Erwerb einer Immobilie eine längerfristige Investition mit einer Kapitalbindungsdauer von vielleicht 10 oder 20 Jahren oder auch länger. Wenn es somit um ein Investitionskalkül geht, scheint mir eine Ein-Jahresfrist völlig unangemessen.

Herr Bastian Pfahl

28.12.2017, 14:09 Uhr

Liebe HB Redaktion, es wäre top wenn Sie auf der letzten Seite der jeweiligen Artikel (hier Seite 4: Anlegen 2018 – Alle Teile der Serie) noch die Links in den Artikeln nachpflegen könnten (sobald erschienen), dann kann man mühelos hin und her wandern. Danke und Grüße!

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