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27.08.2015

16:52 Uhr

Anleger-Krisentipps

Die Profis wissen auch nicht weiter

VonFrank Wiebe

Fondgesellschaften raten den Anlegern, auch bei fallenden Kursen ruhig zu bleiben und auf die Kosten des Depots zu achten. Außerdem geben sie Tipps für den Ruhestand. Aber insgesamt wirken die Ratgeber selber ratlos.

Wie ein Fisch im Wasser fühlen sich selbst die Profis auf den turbulenten Märkten nicht. Die Tipps, die sie Anlegern geben, muten eher ratlos an. IMAGO

Hilflos in der Krise

Wie ein Fisch im Wasser fühlen sich selbst die Profis auf den turbulenten Märkten nicht. Die Tipps, die sie Anlegern geben, muten eher ratlos an.

New YorkDonald Trump weiß alles besser. Auch, wie man mit den Turbulenzen an den Märkten umgeht. Der umstrittene US-Präsidentschaftskandidat hat eigener Aussage nach einen Großteil seiner Aktien verkauft. Vor rund einem Monat sei der richtige Zeitpunkt dafür gewesen. Wer jetzt noch drinsteckt im Markt, sollte seiner Meinung einfach abwarten, bis der sich wieder erholt. Denn sonst droht die übliche Falle für Kleinanleger: Immer zu spät zu kommen und deswegen zu billig zu verkaufen und zu teuer wieder einzusteigen.

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Vasileios Antoniadis ist ein glücklicher Grieche: Er hat am jüngsten Aktiencrash ordentlich verdient. Auch mancher Privatanleger dürfte neidisch auf Antoniadis' Strategie blicken – dann aber doch die Finger davon lassen.

In der Krise ist guter Rat zwar nicht unbedingt teuer, aber schwer zu bekommen. Die meisten Experten haben nur recht hausbackene Tipps parat. Beispiel Morningstar. Die Research-Firma warnt vor „emotionalen“ Entscheidungen. Das ganze Portfolio in Krisenzeiten umzustrukturieren, sei meist keine gute Idee, schreibt die Expertin Christine Benz. Sie rät davon ab, auf die Schnelle aus Aktien rauszugehen und auf Bargeld zu vertrauen. Wir kennen diese Ratschläge aus jeder Krise: keine Panik, vernünftig bleiben, sich nicht verunsichern lassen. Tatsache ist aber, dass professionelle Investoren häufig sehr viel schneller aus den Märkten aussteigen als Kleinanleger. Und noch schneller sind Computer, die sich mit Sicherheit von keinerlei Panik oder anderen Emotionen leiten lassen, sondern per definitionem rationale Entscheidungen treffen.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Auch Fidelity rät den Anlegern, ruhig zu bleiben. Die Experten dort rechnen vor, dass man meist nach tiefen Marktkrisen die größten Gewinne machen konnte. Das hilft allerdings nur bedingt weiter, wenn man nicht weiß, ob die Kurse wirklich schon unten angekommen sind. Aber die Prozentzahlen sind schon beeindruckend. Fünf Jahre nach der großen Weltwirtschaftskrise waren ab Mai 1932 insgesamt 367 Prozent Gewinn mit US-Aktien zu machen. Nach Juli 1982 lag der Wert bei 267 Prozent, nach Dezember 1994 bei 251 Prozent und nach dem März 2009, in der großen Finanzkrise, war eine Fünf-Jahres-Rendite von 178 Prozent zu erreichen.

Es ist schwierig, allgemeine Regeln für den Krisenfall aufzustellen. Die wirkliche Gefahr für private Investoren ist nicht, zu panisch zu reagieren, sondern zu spät zu reagieren. Und das gilt vor allem für den Wiedereinstieg: Wer mit Verlust Aktien verkauft hat, hat die Nase voll davon und traut sich erst wieder in dieses Segment, wenn die Profis die Kurse längst wieder hochgetrieben haben. Die größte Gefahr ist daher, jetzt noch schnell auszusteigen und dann nicht ebenso schnell wieder reinzugehen, wenn sich die Kurse erholen.

Kommentare (4)

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Frau Ich Kritisch

27.08.2015, 09:03 Uhr

Zitat: "Das größte „Risiko“ im Alter ist freilich, sehr alt zu werden.
Und das lässt sich tatsächlich nur über eine Rentenversicherung absichern."

Aha, wenn man also eine Rentenversicherung hat stirbt man früher.
Genau das ist hier die Aussage.

Herr Julius Ceasen

27.08.2015, 17:53 Uhr

XD ja genau, die Versicherung schickt dann einen Sterbehelfer vorbei ^^

Herr Frank Haubold

27.08.2015, 18:14 Uhr

@anna b.
gemeint ist wohl, dass man eine längere einkommenslose Phase überbrücken muss. Genau da hat die private RV aber einen Haken: sie ist auf eine maximale Auszahlung begrenzt. Wird man 103, wie die Oma meiner Frau, wird die Zahlung irgendwann in den 80ern eingestellt (so war es jedenfalls in den Angeboten, die ich eingeholt hatte). Da ist man dann doch noch auf die ges. Rente angewiesen.
Es gibt aber auch eine ganze Reihe anderer Ideen, auf dieses "Risiko" zu reagieren: Eigentum, Solaranlage (gegen Wilkür), günstige Verkehrslage, soziale Einbindung, Kinder mit guter Ausbildung (wenn man Glück hatte), alles besser als eine Versicherung die am Ende nicht zahlen kann oder will und die auch die Inflation nicht ausgleicht.

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