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05.02.2005

08:15 Uhr

Anleger nutzten den Kursrückgang zu Jahresbeginn zum Neueinstieg

Indiens Börse ist auf dem Weg nach oben

VonCarolyn Braun

Nach einer kurzen Schwächephase zu Beginn des Jahres setzt die indische Börse ihren Höhenflug aus dem Vorjahr fort. Zwischen Juni und Dezember 2004 war der Leitindex Sensex sieben Monate in Folge gestiegen. Mitte Januar 2005 korrigierte der Markt dann um etwa zehn Prozent nach unten. Investoren nutzten die Einstiegschance und lassen den Index nun wieder steigen.

DÜSSELDORF. „So wie der Markt augenblicklich bewertet ist, bleibt er für mittel- bis langfristig orientierte Investoren interessant“, sagt Sanjiv Duggal, Fondsmanager des HSBC GIF-Indian Equity A, des größten Indien-Fonds. „Für indische Papiere war 2004 ein sehr starkes Jahr“, sagt auch Gregory Kronsten, Indien-Experte der WestLB. Nach der Anzahl der notierten Werte gehört der indische Aktienmarkt zu den größten der Welt. Allerdings gebe es nur wenige Aktien, die gleichzeitig liquide und interessant seien, sagt Kronsten.

Während der Aktienmarkt boomt, hat sich das Wirtschaftswachstum in Indien zuletzt aber etwas verringert: „Betrachtet man nur die Wachstumszahlen, musste Indien mit knapp 6,5 Prozent im vergangenen Jahr 2004 eine deutlich schwächere Entwicklung verbuchen“, sagt Oliver Stönner-Venkatarama, Emerging Markets-Experte bei der Commerzbank. Damit die Wirtschaft auf dem Subkontinent dauerhaft im Bereich von sieben bis acht Prozent wachsen könne, müsse die Regierung Investitionshindernisse abbauen und die Märkte weiter öffnen. Das größte Risiko, gleichzeitig aber auch eine Chance, sei der schleppende Bürokratie-Abbau. „Die Regierung kann hier leicht eine Wachstumsdynamik erzeugen“, sagt Stönner-Venkatarama.

Ohnehin spielt die Politik eine wichtige Rolle für den indischen Markt. Der Höhenflug der Börse im Vorjahr folgte auf einen scharfen Einbruch im Mai nach dem Sieg des linken Lagers bei den Regierungswahlen in Indien. Doch schnell erkannten die Börsianer, dass sie zu panisch reagiert hatten. Der neue Ministerpräsident Manmohan Singh gilt als Architekt des Reformprozesses Anfang der 90er-Jahre, er öffnete den Subkontinent dem Westen. Bislang hält er, was sein Ruf verspricht: „Seine Regierung hat begonnen, stärker auf die Unternehmen zuzugehen“, sagt Robert Kalin, Fondsmanager des DWS India. „Sie hat begriffen, dass die mangelnde Infrastruktur Indien nicht vorankommen lässt“, sagt Kalin. Nun werde Geld in Transportwege, Flughäfen, die Eisenbahn und in den Ausbau der Häfen gepumpt. Der Bau gehöre somit zu den Wachstumsbranchen.

Auch Energieversorger werden profitieren, erwartet Kalin. Ihnen attestiert der Fondsmanager „großes Potenzial“ in den bislang unversorgten ländlichen Gebieten. Daneben setzt er auf forschungsintensive Branchen wie IT-Dienstleistungen oder Pharma, die in Indien gut ausgebildete Fachkräfte zu einem niedrigen Gehalt finden.

„Ein gutes Zeichen ist, dass internationale Konzerne ihre Forschungsaktivitäten nach Indien verlagern oder sie dort verstärken“, sagt Stönner-Venkatarama. Er rät immer noch zu einer Investition in Indien. Der Anleger sollte dabei Wert darauf legen, breit investiert zu sein, den Index also so weit wie möglich abzubilden. „Kurzfristige Rückschläge sollten Anleger aber einstecken können“, rät er. „Indien ist immer noch ein Schwellenland mit vielen Problemen.“

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