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18.03.2013

11:54 Uhr

Anlegerschützer im Interview

„Die Krise ist noch nicht vorbei“

VonJens Hagen

Die Märkte reagieren brüskiert auf den Rettungsplan für Zypern. Anlegerschützer Jürgen Kurz erklärt, welche Risiken deutschen Sparern drohen – und warum Anleger jetzt einen Aktienkauf erwägen sollten.

Jürgen Kurz ist Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. PR

Jürgen Kurz ist Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Herr Kurz, welche Auswirkungen hat der Rettungsplan für Zypern für deutsche Sparer?

Keine.

Wenn das Parlament dem Plan zustimmt müssen Zyprer zwischen sieben und zehn Prozent ihres Vermögens abgeben. Droht so etwas auch den deutschen Sparern?
Das erscheint mir ausgeschlossen. Dafür müsste Deutschland zum einen in einer Situation sein, in der der Staat seine Schulden nicht mehr bedienen könnte – wovon wir weit entfernt sind. Zum anderen müsste das deutsche Bankensystem ein Eldorado für Schwarzgelder sein, was es nicht ist. Zudem verfügt der deutsche Staat über sehr viel wirkungsvollere Methoden an das Geld seiner Bürger zu kommen. Etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Zypern ist ein Sonderfall.

So funktioniert die Zypern-Steuer

Ein Schock für die Bankkunden

Für die Menschen in Zypern war die Ankündigung einer Steuer für Kontoinhaber ein Schock. Bankkunden sollen zur Kasse gebeten werden, die Regierung erhofft sich dadurch weitere Finanzmittel in Höhe von 5,8 Milliarden Euro. Ein Überblick, wie es funktioniert und welche Folgen es geben könnte.

Wie funktioniert die Steuer?

Vorgesehen ist eine Steuer von einmalig 6,75 Prozent für Kontoinhaber mit weniger als 100.000 Euro auf dem Konto. Wer mehr hat, soll mit 9,9 Prozent zur Kasse gebeten werden. Über das Wochenende können die Bankkunden an Automaten Bargeld abheben. Internationale Überweisungen werden bis Dienstag nicht bearbeitet werden, da Montag ein Feiertag in Zypern ist. Das Parlament soll am Montag zusammenkommen und das für die Abgabe notwendige Gesetz verabschieden. Das Geld soll dann Anfang der kommenden Woche eingezogen werden. Auch mehrere Parlamente in der Eurozone müssen der von Euro-Finanzministern und Internationalem Währungsfonds beschlossenen Maßnahme zustimmen. Es ist ungewiss, wie lange das dauern wird und was in der Zwischenzeit mit dem Geld auf den Konten geschieht.

Wer ist betroffen?

Alle Inhaber von Bankkonten in Zypern müssen die Steuer zahlen. Nur Kunden von Filialen griechischer Banken werden ausgenommen. Die Gläubiger wollten das ohnehin angeschlagene Griechenland möglichst aus der Schusslinie halten. Zugleich könnten griechische Banken nun die Hauptanlaufstelle der Anleger werden, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Von den 69 Milliarden Euro auf zyprischen Banken gehören rund 40 Prozent Ausländern. Die meisten von ihnen sind Russen. Die Steuer hätte auch ausschließlich für Nicht-EU-Bürger ausgelegt werden können, doch das hätte die Umsetzung erschwert, wie Jacob Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics in Washintgon erklärt. Viele der russischen Anleger hätten eine doppelte Staatsbürgerschaft und einige russische Unternehmen seien in Zypern registriert, sagt er. Kirkegaard sagt, die Zyprer könnten die Steuer begrüßen, da sie auch Ausländer einbeziehe - die Steuererhöhungen in Griechenland, Portugal und Irland müsse hingegen die eigene Bevölkerung schultern.

Welche Reaktion ist zu erwarten?

In Zypern ist zwar am Montag Feiertag, aber in den meisten anderen Ländern wird gearbeitet. Kirkegaard zufolge ist die neue Steuer ein Hinweis darauf, dass die Europäische Zentralbank das Risiko eines Sturms auf Banken im Ausland für gering hält. Die Anleihenmärkte werden seiner Einschätzung nach geringfügig reagieren, da auch Anleihen besteuert werden. Bankaktien werden zudem voraussichtlich fallen und die Zinsen für Kredite werden steigen. Viele Investoren könnten indes in der langwierig herbeigeführten Entscheidung eine Generalprobe für ein Land sehen, das langsam aus der Eurozone ausscheide, gibt Heather Conley vom Center for Strategic and International Studies in Washington zu bedenken.

Wieso?
Im Vergleich zum zyprischen Bankensystem sind Schweizer Konten geradezu gläsern. Das Land hat bewusst Schwarzgeld und deren mehr oder weniger zwielichtige Besitzer angelockt. Das ist den Europäern natürlich nicht verborgen geblieben. Jetzt erhält das Land die Quittung. Es handelt sich also um eine Art Kapitalertragssteuer. Kritikwürdig ist natürlich, dass es keine Freibeträge für kleinere Sparvermögen gibt. Schließlich kann der normale Arbeiter oder Angestellte nichts für die aktuelle Situation. Das wird sicherlich nachverhandelt werden.

Sollen Vermögende ihre Konten in Spanien, Griechenland oder Italien auflösen?
Allein wegen Zypern besteht dazu aus meiner Sicht kein Anlass. Europa hat bereits etliche Rettungsprogramme für Banken gefahren, die ohne den Zugriff auf das Geld von Bankkunden auskamen. Denken Sie nur einmal an Spanien oder Italien. Zudem darf man nicht vergessen, dass in Zypern ganz bewusst ein Teil des unversteuerten Schwarzgeldes abgeschöpft werden soll. In den anderen Euro-Staaten gibt es das in dieser Form nicht.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Die Finanzmärkte haben reagiert…
… und das vor allem wegen der Unsicherheit. Kein Anleger mag unberechenbare Situationen. Aber genau das ist der Fall, solange die Zustimmung des Parlamentes noch aussteht. Im schlimmsten Falle droht eine finale Ablehnung und der Staatsbankrott. Das ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.

Kommentare (11)

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Mazi

18.03.2013, 12:48 Uhr

Aktien oder Gold?

Gold hat den Vorteil, dass es als Zahlungsmittel dienen könnte.

Was wir aber tatsächlich brauchen ist Vertrauen!

Eines ist sicher, dass uns diese unsrigen Politiker in den Sumpf geführt haben.

Wir brauchen dringend die Umkehr!
Wir brauchen ein Zeichen, dass über jeden Zweifel erhaben ist!

Wir brauchen entschlossenes Handeln!
Wir brauchen die Bundesbank zurück!
Wir brauchen eine strikte Trennung zwischen Politik und Finanzsystem!

Wenn das noch nicht genug ist, dann brauchen wir die deutsche Mark zurück. Um dies abzuwehren, weil wir es nicht wirklich wollen, brauchen wir den entschlossenen Schritt.

Schäuble muss zurücktreten!
Draghi muss zurücktreten!
Merkel?

Account gelöscht!

18.03.2013, 12:59 Uhr

Fast wöchentlich wurde auf fortunanetz berichtet, dass die Krise nicht vorbei ist. Alle die diesen Unfug breitgetreten haben, Heise von der Allianz vorneweg, daneben natürlich unser aller Schäuble usw. sind Lügen gestraft. Die Fianzindustrie wollte Zeit kaufen und beruhigen und hat die Kunden belogen. Es hieß immer: "Wir sind im Auge des Hurricanes!" Kann eine Website noch besser sein ????

salpeter

18.03.2013, 13:20 Uhr

Der selbst beweihreäuchernde Dr. Leineweber wirkt sehr anachronistisch und tönt noch immer mit seinem fortunanetz herum wie vor 30 Jahren.

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