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19.11.2014

14:47 Uhr

Anleihekäufe

EZB möchte sich Zeit lassen

Die EZB geht bei den geplanten Käufen forderungsbesicherter Papiere (ABS) auf Nummer sicher. Bis zu fünf Tage plant die EZB zwischen Kauf und Genehmigung ein. Das Kaufprogramm nimmt damit weiter Form an.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Weitere Details seines ABS-Kaufprogramms treten ans Licht. dpa

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Weitere Details seines ABS-Kaufprogramms treten ans Licht.

London/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) plant wohl bis zu fünf Tage Zeit ein, um den Erwerb von forderungsbesicherten Papieren (ABS) zu genehmigen - wenn sie ihr Kaufprogramm für die Kreditverbriefungen startet. Das erfuhr Bloomberg News aus informierten Kreisen.

Dieser Zeitrahmen gelte für große Transaktionen, während kleinere Käufe innerhalb von etwa 24 Stunden freigegeben würden, sagten die zwei mit dem ABS-Kaufprogramm der EZB vertrauten Personen, die um Anonymität baten, da die Informationen vertraulich sind. Als größere Käufe würden aktuell Volumen von mehr als 125 Millionen Euro definiert.

Ein Sprecher der EZB lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen gegenüber Bloomberg News ab.

Der Fünftageszeitraum erscheint ziemlich lang und das legt für mich den Schluss nahe, dass die EZB äußerst vorsichtig ist“, sagte Tracy Chen, Vermögensverwalterin von Brandywine Global Investment Management LLC in Philadelphia. „Sie werden bei der Preisbildung der ABS sensibel sein und auf einem günstigeren Niveau kaufen wollen, als einfach nur die Preise von dem zu akzeptieren, was auch immer verfügbar ist.“

Bevor die EZB die ABS aufkauft, wird die Struktur der Papiere einer Prüfung unterzogen und der Preis beurteilt, wie die Personen weiter sagten. Damit solle gewährleistet werden, dass die von der EZB festgelegten Mindestqualitätskriterien eingehalten werden. Anleihen, die wegen des Preises abgelehnt werden, können den Kreisen zufolge erneut zu einem niedrigeren Wert angeboten werden.

Kapitalbedarf der Euro-Staaten 2014

Deutschland

Refinanzierungsbedarf 2014: 173 Milliarden Euro
Davon im ersten Quartal gedeckt: 26,6 Prozent
Quelle: Commerzbank, Stand: 28.03.2014

Frankreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 198 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 29,7 Prozent

Spanien

Refinanzierungsbedarf 2014: 125 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 35,3 Prozent

Österreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 24 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 15,3 Prozent

Niederlande

Refinanzierungsbedarf 2014: 50 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 40,5 Prozent

Belgien

Refinanzierungsbedarf 2014: 34 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 41,3 Prozent

Italien

Refinanzierungsbedarf 2014: 247 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 28,2 Prozent

Portugal

Refinanzierungsbedarf 2014: 8 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 65,6 Prozent

Finnland

Refinanzierungsbedarf 2014: 12 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,3 Prozent

Irland

Refinanzierungsbedarf 2014: 10 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 47,5 Prozent

Slowenien

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,7 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,0 Prozent

Slowakei

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,0 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 36,4 Prozent

Die ABS-Käufe stehen im Zentrum der Pläne von EZB-Präsident Mario Draghi, die Wirtschaft des Euroraums zu beleben - denn diese Papiere ermöglichen den Transfer der Risiken von den Banken auf Investoren, was die Finanzhäuser zu einer stärkeren Kreditvergabe an Unternehmen ermutigen könnte. Die Zentralbank wird diese Papiere im Rahmen ihres Plans kaufen, die eigene Bilanz um bis zu 1 Billion Euro auszuweiten.

EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré sagte am Donnerstag vergangener Woche, dass sich der Rat auf den Rahmen für ABS- Käufe geeinigt habe. Der 24-köpfige EZB-Rat kommt am 19. November zu seiner Ratssitzung zur Monatsmitte zusammen.

Kommentare (7)

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Frau Dr. Max Motte

19.11.2014, 15:06 Uhr

Europa auf dem Weg zur Euro-Lira?

Der Draghiödie 2. Teil hat in Europa begonnen. Er handelt von dem Weg zur Euro-Lira, den der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi eingeschlagen hat.

Wir leben in wahrhaft kuriosen Zeiten: Während in zahlreichen muslimisch geprägten Ländern Religionskriege ausgefochten werden, hat sich in den Industrienationen der Zentralbankkult als vorherrschende Glaubensrichtung fest etabliert. Vor allem die Eliten der Politikgangster und des Großbankenkartells suchen ihr Heil in dieser neuen Lehre.

Und tatsächlich können sie darauf verweisen, dass ihr Herr – es ist der Herr der Gelddruckmaschine – ihnen in der allergrößten Not in den Jahren 2008/09 zu Hilfe eilte und Manna regnen ließ in Form von frisch gedrucktem Kreditgeld.

Seither wetten die Anhänger dieses Kults in ganz großem Stil darauf, dass ausgerechnet den Zentralbankbürokraten das gelingt, woran bisher noch alle Planwirtschaftler gescheitert sind und auch in Zukunft scheitern werden:

Die dauerhafte Unterdrückung der Marktkräfte!

Natürlich bestärken die Zentralbank-Priester ihre Schäflein in dem Glauben an die Machbarkeit des Unmöglichen. Und die Kartellmedien, die in modernen Scheindemokratien für die propagandistische Erziehung und Lenkung der Massen eingesetzt werden, huldigen entweder ausdrücklich dem neuen Kult oder zeigen sich indifferent und unkritisch. Herrschaftszeiten!

Kurioses Triumphgeheul in Japan

Die Ausbreitung des neumodischen Zentralbankkults hat auch in Japan zu einem völlig enthemmten Einsatz der Gelddruckmaschine geführt. Die realwirtschaftlichen Ergebnisse dieser absurden Politik sind allerdings sehr enttäuschend: Keine Spur von dem erhofften und vollmundig angekündigten selbsttragenden Aufschwung.

Einen großen "Erfolg" können die japanischen Geldpolitiker allerdings für sich verbuchen: Nach seinem jüngsten Schwächeanfall ist der Yen gegenüber dem US-Dollar jetzt um mehr als 30% gefallen!

Frau Dr. Max Motte

19.11.2014, 15:07 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Dr. Max Motte

19.11.2014, 15:11 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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