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03.06.2015

15:51 Uhr

Anleihekäufe und Leitzins

Die EZB bleibt ihrem Kurs treu

Die EZB hält an ihrem Anleihekaufprogramm fest und belässt den Leitzins auf rekordniedrigen 0,05 Prozent. Zwar gehen die leicht steigenden Preisen in die richtige Richtung – das Inflationsziel ist dennoch weit entfernt.

Börse am Mittag

EZB-Sitzung macht die Anleger nervös

Börse am Mittag: EZB-Sitzung macht die Anleger nervös

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will ihre Geldschleusen auch angesichts erster Erfolge im Kampf gegen die gefährlich niedrige Inflation offenhalten. Ihr über eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen wollen die Währungshüter ohne Abstriche fortführen, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch nach der Ratssitzung in Frankfurt sagte. „Eine vollständige Umsetzung aller geldpolitischen Schritte wird der Wirtschaft in der Euro-Zone die notwendige Unterstützung geben.“

Die EZB schleust mit ihren Anleihekäufen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. Bis September 2016 wollen die Währungshüter Wertpapiere im Volumen von insgesamt 1,14 Billionen Euro erwerben. Draghi will damit diese Titel für Banken unattraktiver machen, damit sie stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. Vor der Urlaubszeit will die EZB die Käufe vorübergehend beschleunigen – entsprechend sollen dann im Juli und August weniger Papiere erworben werden.

Passend zum planmäßigen Ankauf von Staatsanleihen, wird die EZB den Leitzins bei rekordniedrigen 0,05 Prozent belassen. Der Einlagensatz bleibt bei minus 0,20 Prozent und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,30 Prozent, wie der EZB-Rat mitteilte.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Draghi sieht den Zeitpunkt für einen Kurswechsel also noch nicht gekommen. Die lockere Geldpolitik habe bereits zu einer Erleichterung der Finanzierungsbedingungen im Währungsraum beigetragen. Bei der Inflation zeichnen sich zudem zaghafte Erfolge ab: So waren im Mai die Preise in der Euro-Zone erstmals in diesem Jahr gestiegen.

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