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27.10.2016

19:45 Uhr

Anleihekaufprogramm der EZB

Ratsmitglied Nowotny rechnet mit Verlängerung

VonReuters

Anfang 2015 startete die EZB das umstrittene Anleihenkaufprogramm. Seitdem wird der Markt mit frischem Kapital geflutet. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das Programm scheint in die Verlängerung zu gehen.

Das EZB-Ratsmitglied rechnet mit einer längeren Geldschwemme. Reuters

Ewald Nowotny

Das EZB-Ratsmitglied rechnet mit einer längeren Geldschwemme.

NikosiaEZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hält eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank im Dezember für praktisch ausgemachte Sache. "Es geht um zwei Entscheidungen. Es ist nicht so dramatisch wie es klingt", sagte der österreichische Nationalbankchef am Donnerstag in Zypern. Es sei zu klären, wie lange die Käufe verlängert würden. "Um welchen Umfang, um welchen Zeitraum", ergänzte er. Eine zweite Frage drehe sich darum, welche Wertpapiere für den Erwerb durch die EZB infrage kämen. "Haben wir genug Papiere zum Kauf? Diese Diskussion führen wir gerade", sagte Nowotny.

Reuters hatte jüngst bereits von Insidern erfahren, dass die EZB mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Verlängerung ihrer großangelegten Anleihenkäufe zusteuert. Dabei würden aller Voraussicht nach auch Stellschrauben des billionenschweren Programms geändert, um sicher zu stellen, dass die Währungshüter auch weiterhin genügend Anleihen zum Aufkauf finden.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Notenbank will ihre monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit rund 80 Milliarden Euro bis Ende März oder bei Bedarf darüber hinaus fortsetzen. Das Programm ist auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Die Währungshüter wollen damit unter anderem Banken zu einer verstärkten Kreditvergabe anregen. Damit soll die Konjunktur angekurbelt und die aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation angeheizt werden. Über den weiteren Kurs will sich EZB-Chef Mario Draghi nach der Zinssitzung im Dezember äußern. Dann liegen neue hauseigene Vorhersagen zu Inflation und Konjunktur vor. 

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