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20.05.2015

09:31 Uhr

Anleihekaufprogramm und Euro

Wenn ein EZB-Mann beim Dinner zu viel redet

Gestern spielten die Märkte verrückt, weil die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm vorzieht. Einige Großanleger konnten sich darauf vorbereiten. Ein EZB-Direktor informierte sie auf einem Dinner vorab.

Die Europäische Zentralbank gab bei einem Abendessen wichtige Informationen zunächst an einen auserlesenen Kreis von Finanzmanagern. Imago

Dinner

Die Europäische Zentralbank gab bei einem Abendessen wichtige Informationen zunächst an einen auserlesenen Kreis von Finanzmanagern.

LondonAn den Devisenmärkten kracht es derzeit gewaltig. Seit Anfang der Woche verlor der Euro im Vergleich zum Dollar fast vier Cent. Heute fiel die Gemeinschaftswährung zeitweise unter die Marke von 1,10 US-Dollar. Das Ende der zwischenzeitigen Erholung der Gemeinschaftswährung kommt nicht ohne Grund.

Am Dienstagmorgen erklärte der EZB-Direktor Benoît Coeuré der Öffentlichkeit, dass die Zentralbank wegen geringer Handelsaktivitäten in den Sommermonaten einen Teil der milliardenschweren Wertpapierkäufe der EZB vorziehen wird. In den Monaten von Mitte Juli bis August fällt der Handel meist schwächer aus. Daher werde ein Teil der Käufe bereits im Mai und Juni erfolgen, sagte Coeuré. Das durchschnittliche Kaufvolumen von 60 Milliarden Euro je Monat werde so sichergestellt.

Der Blick auf die Finanzmärkte zeigt: Nach der Nachricht ging der Kurs des Euro in den Keller. Was viele Marktteilnehmer ärgert: Bereits am Montagabend erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einem Dinner vor einer ausgewählten Gruppe Banker und Hedgefondsmanager in London, dass die Notenbank ihre Käufe von Euroraum-Anleihen bereits im Mai und Juni ausweiten werde.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

„Wir sind uns auch der saisonalen Muster der Aktivität an den Märkten für Festverzinsliche im Zusammenhang mit der traditionellen Urlaubszeit von Mitte Juli bis August bewusst, die durch erheblich niedrigere Marktliquidität gekennzeichnet ist“, sagte Coeuré laut Redetext.

Erst am nächsten Tag erfuhr der Rest des Marktes von den Aussagen des Zentralbankers. Investoren zwischen Frankfurt und Edinburgh, die zunächst im Dunkeln tappten, verärgerte das. Sie konnten sich nicht darauf vorbereiten, dass der Euro an Wert verlor und es bei Aktien und Anleihen zu einer Rally kam.

Euro-Kurs fällt: EZB will Anleihekäufe im Mai und Juni forcieren

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Die Europäische Zentralbank will im Mai und Juni ihr Kaufprogramm für Anleihen beschleunigen. Diese Aussage von EZB-Direktor Benoît Cœuré hat den Euro-Kurs am Dienstagmorgen auf Talfahrt geschickt.

Die Rede von Coeuré am Montag im Berkeley Hotel erfolgte am Ende einer Konferenz, zu der nur geladene Gäste zugelassen waren und an der führende Vertreter von mindestens fünf Zentralbanken teilnahmen. Organisiert wurde sie von Forschungsgruppen. Eine davon wird finanziert von Brevan Howard Asset Management. Der Hedgefonds war 2002 von Alan Howard und vier anderen Ex-Händlern der Credit Suisse Group gegründet worden.

Zwar ermöglichen solche Veranstaltungen es der EZB, einen Dialog mit der Investmentbranche zu führen. Allerdings bringen sie auch die Herausforderung mit sich, faire Voraussetzungen für alle einzuhalten. Die Reaktion am Dienstag machte deutlich, dass viele Marktteilnehmer von wichtigen operativen Aspekten des EZB-Programms keine Ahnung hatten.

Kommentare (24)

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Herr Josef Schmidt

20.05.2015, 09:48 Uhr

Die EZB ist doch ein von Goldman Sucks geführter Laden. Die ganze Gelddruckerei nutzt doch nur dieser Selbsbtbedienungläden um noch reicher zu werden. Und dann kommen auch noch Warnungen von diesen Schmarotzern dass die Regierungen sich wegen dieser Finanzpolitik auch noch für die nächste Krise vorbereiten sollen. Einfach nur noch abartig.

Die Regierungen und die Zentralbanken arbeiten nur noch für multinationale Konzerne, Banken und Hedgefonds. Die EU ist ein korrupter Laden der die Länder wie Somalia, Afghanistan, Sudan usw. in den Schatten stellt weil die Korruption auf einem Level stattfindet von dem diese Länder nur träumen können.

Herr richard roehl

20.05.2015, 09:50 Uhr

Private Institute werden für Insidergeschäfte mit Milliardenbussen belegt, und verantwortliche Personen gehen in den Knast und dieser alimentierte französische Geldfälscher und Ökonomieterrorist bekommt eine dicke Pension stattdessen. Aber man ist ja unter sich

Herr Wilfried Runft

20.05.2015, 09:51 Uhr

Die EZB zeigt ihr wahres Gesicht... mehr Manipulation geht kaum. Der Direktor gehört unverzüglich entlassen!

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