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16.10.2014

16:07 Uhr

Anleihen und Aktien unter Verkaufsdruck

Comeback der Euro-Krise?

Die Situation gleicht einem Déjà-vu: Vor drei Jahren drohte die Euro-Zone auseinanderzubrechen und ein Crash an den Märkten folgte. Nun gibt es zahlreiche Hinweise und Daten, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.

Händler sind angespannt

Die Eurokrise ist zurück

Händler sind angespannt: Die Eurokrise ist zurück

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Frankfurt / DüsseldorfKapitalflucht aus Italien: 76 Milliarden Euro flossen im August und September dieses Jahres aus dem südeuropäischen Land ab. Das beunruhigt auch den Chef des Ifo-Instituts, Hans Werner Sinn. Dies sei ein „alarmierendes Signal“, warnt er. Diese Summe ergibt sich aus den Verrechnungssystemen Target der Europäischen Zentralbank (EZB) und der ihr angeschlossenen Nationalbanken.

Bereits vor drei Jahren war Italien in dieser Situation. Damals hatten Investoren das Land fluchtartig verlassen. Im August und September 2011 verlor das südeuropäische Land sogar 80 Milliarden Euro. Damals wurde in geheimen Gesprächen sogar über einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone beraten. Als Folge der Kapitalflucht fielen die Aktienkurse drastisch. Der Dax verlor innerhalb kurzer Zeit mehr als 30 Prozent.

Wiederholt sich diese Geschichte nun in diesem Jahr?, fragen sich viele Investoren Der Dax hat bereits in nur wenigen Wochen mehr als 15 Prozent verloren. Geht die Talfahrt nun ungebremst weiter? „Es ist eine Mischung aus Sorgen zum Ausblick für das weltweite Wirtschaftswachstum und zum Inflationsausblick angesichts einer Reihe enttäuschender Daten”, beurteilt Jeremy Batstone-Carr, Leiter des Research von Charles Stanley & Co die aktuellen Situation.

Denn nicht nur Italien, sondern plötzlich stehen wie vor drei Jahren alle „südeuropäischen Sorgenkinder“ im Fokus. Als Krisensignal werten Börsianer auch die Meldung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld erleichtern will. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat", sagte ein griechischer Zentralbanker.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Wegen Spekulationen auf vorgezogene Neuwahlen hat der Leitindex der Athener Börse seit Wochenbeginn 13 Prozent verloren. Auch die griechischen Staatsanleihen gingen auf Talfahrt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel binnen weniger Tage auf mehr als neun Prozent von zuvor 6,5 Prozent.

In Griechenland soll turnusmäßig 2016 gewählt werden. In Umfragen liegt die linke Oppositionspartei Syriza vorn. Sie ist gegen den strikten Sparkurs der konservativen Regierung. Investoren bezweifeln zudem, dass Griechenland ausreichend Käufer für seine Bonds findet, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet.

Kommentare (27)

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Frau Helga Trauen

16.10.2014, 16:18 Uhr

Je schneller der Crash der Eurozone und der Kollaps der EU, umso besser. Anders ist die EUSSR nicht zu verhindern. Dieses monströse "politische Projekt", das ideologisch aufgeladen und vergiftet ist und den Menschen die Freiheit nimmt.
Weg damit! Mit der Währung und diesem widerlichen Konstrukt. Je eher, desto besser!

Herr Jürgen Dannenberg

16.10.2014, 16:25 Uhr

Habe ich da irgends etwas verpassst? Was für nee Euro Krise? Alles bestens. Gruß und Anerkennung, von M % S.

Herr C. Falk

16.10.2014, 16:29 Uhr

Die "Geschichte" wiederholt sich nicht, sondern es ist eine Fortsetzung der Geschichte auf der Zeitschiene, da die Ursachen und Motive der "Geschichte" nie wirklich verschwunden waren.

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