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13.07.2017

16:16 Uhr

Anleihenkäufe der EZB

Schraubt die Notenbank das Kaufprogramm zurück?

Die Europäische Zentralbank kauft seit 2015 verstärkt Staatsanleihen. Diesen Kurs könnte die Notenbank jedoch möglicherweise bald ändern – so wird ein Zurückfahren des aktuellen Kaufprogramms erwartet.

Die EZB könnte auf der Zinssitzung im September ein Zurückfahren des Programms signalisieren. dpa

Europäische Zentralbank

Die EZB könnte auf der Zinssitzung im September ein Zurückfahren des Programms signalisieren.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) wird einem Zeitungsbericht zufolge wohl bald einen wichtigen Schritt in Richtung einer künftig nicht mehr ganz so lockeren Geldpolitik in Aussicht stellen. Die Notenbank werde wahrscheinlich auf ihrer Zinssitzung am 7. September signalisieren, dass ihr in Deutschland umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm nächstes Jahr graduell abgeschmolzen werde, berichtete das „Wall Street Journal“ am Donnerstag unter Berufung auf EZB-Vertreter. Bei der Notenbank war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Der Euro zog daraufhin leicht an. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe legte zu. Der deutsche Aktienindex Dax büßte hingegen seine Gewinne weitgehend ein.

Benoit Coeure: EZB-Direktor plädiert für langsamen Strategiewechsel

Benoit Coeure

EZB-Direktor plädiert für langsamen Strategiewechsel

EZB-Direktor Benoit Coeure warnt vor einem zu schnellen Umschalten der aktuell ultralockeren Geldpolitik. Der Notenbanker setzt stattdessen auf ein „behutsames“ Vorgehen unter Berücksichtigung der Inflationsaussichten.

Dem Blatt zufolge wird EZB-Präsident Mario Draghi voraussichtlich rund zwei Wochen vor der Zinssitzung auf einer Notenbank-Konferenz in Jackson Hole in den USA sprechen. Dies wäre für ihn eine gute Gelegenheit, vor dem September-Ratstreffen kommende geldpolitische Entscheidungen anzudeuten.

Die EZB erwirbt seit März 2015 in großem Stil vor allem Staatsanleihen. Das Kaufprogramm ist aktuell das wichtigste Instrument der Notenbank gegen eine zu schwache Inflation. Sie will Banken dazu drängen, weniger in diese Papiere zu investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das soll die Konjunktur stützen. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. Notenbank-Vertreter sagten Reuters unlängst, dass die EZB wahrscheinlich im September oder spätestens im Oktober über die Zukunft der Transaktionen nach 2017 entscheiden werde.

EZB-Direktor Benoit Coeure: „Die Währungsabwertung ist ein Nebeneffekt der Geldpolitik“

EZB-Direktor Benoit Coeure

„Die Währungsabwertung ist ein Nebeneffekt der Geldpolitik“

Laut EZB-Direktor Benoit Coeure will die Europäische Zentralbank mit ihrer ultralockeren Geldpolitik keinesfalls den Wechselkurs schwächen. Anleihenkäufe seien keine geeigneten Treiber für Währungskriege.

Die EZB hatte zuletzt vor dem Hintergrund verbesserter Wirtschaftsperspektiven ihre Kommunikation leicht Richtung Kurswende angepasst. So deutete Draghi an, dass die Notenbank ihre Politik künftig auch etwas weniger expansiv gestalten könne, ohne dabei die Konjunktur weniger zu unterstützen. Die EZB hatte zudem im Juni die Option auf noch tiefere Leitzinsen aus ihrem Ausblick gestrichen.

Es gibt allerdings in der EZB auch Stimmen, die sich eine Fortführung der Käufe noch für längere Zeit vorstellen können. So hält Lettlands Notenbankchef Ilmars Rimsevics wegen der aktuell sehr schwachen Inflation im Euro-Raum eine Fortsetzung auch in den nächsten Jahren für möglich. Die EZB strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent an. Im Juni lag die Inflation nur bei 1,3 Prozent.

Von

rtr

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