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07.11.2016

17:35 Uhr

Anleihenkaufprogramm

EZB weitet Programm aus

Nicht nur die deutschen Sparer, auch die Wirtschaftsweisen kritisierten in der vergangenen Woche die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Vor Weihnachten möchte die EZB das Programm ausweiten.

Im Fokus: Mario Draghi möchte das umstrittene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank vor Beginn der Weihnachtszeit ausweiten. AFP; Files; Francois Guillot

Mario Draghi

Im Fokus: Mario Draghi möchte das umstrittene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank vor Beginn der Weihnachtszeit ausweiten.

MünchenDie Europäische Zentralbank will ihre in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe vor den Weihnachtsfeiertagen ausbauen. In der Zeit vom 29. November bis zum 21. Dezember werde die Geschwindigkeit erhöht, teilte die EZB am Montag mit. Die Notenbank wolle das bessere Marktumfeld zu Beginn des Monats ausnutzen. Die Euro-Wächter planen, zwischen dem 22. Dezember und dem 30. Dezember mit den Käufen zu pausieren und diese erst wieder am 02. Januar fortzusetzen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Das auf 1,74 Billionen Euro angelegte Programm, das auch Pfandbriefe und weitere Schuldtitel umfasst, soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen. Es wird erwartet, dass der EZB-Rat auf seiner Sitzung im Dezember entscheidet, ob die Käufe auch danach fortgesetzt werden sollen. Mit den Käufen wollen die Währungshüter Geld ins Bankensystem pumpen, um die Kreditvergabe anzukurbeln und so der Wirtschaft zu helfen.

Von

rtr

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