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14.08.2015

18:54 Uhr

Anleihenkaufprogramm

EZB will an geldpolitischem Kurs festhalten

Die EZB pumpt seit Monaten über ein Anleihenkaufprogramm Milliarden in das Finanzsystem. Ein Wechsel des gelpolitischen Kurses steht derzeit nicht im Raum. EZB-Direktorin Benoit Coeure gibt sich gelassen.

Die EZB wäre nur dann gezwungen zu handeln, wenn sich die wirtschaftliche Situation grundlegend verändert oder etwa im Fall eines starken Anstiegs der langfristigen Anleiherenditen, sagte Coeure. Reuters

EZB-Direktor Benoit Coeure

Die EZB wäre nur dann gezwungen zu handeln, wenn sich die wirtschaftliche Situation grundlegend verändert oder etwa im Fall eines starken Anstiegs der langfristigen Anleiherenditen, sagte Coeure.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich trotz anhaltend niedriger Inflation nicht unter Zugzwang. Die Entscheidungen der Notenbank würden sich nach und nach auf die Kreditvergabe und die Realwirtschaft auswirken, wenn auch nur langsam, sagte Direktoriumsmitglied Benoit Coeure der „Börsen-Zeitung“ laut Vorabbericht vom Freitag. „Deswegen wollen wir an einer Politik der ruhigen Hand festhalten“, sagte Coeure. Angesichts der Schwäche der chinesischen Wirtschaft und der Abwertung des Yuan rief der Notenbanker zudem dazu auf, die Binnennachfrage im Euro-Raum zu unterstützen.

Die EZB und die nationalen Notenbanken pumpen seit März über ein großangelegtes Anleihen-Kaufprogramm Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem, um die sehr niedrige Inflation anzuheizen. Im Juli lag die Teuerung wie schon im Juni lediglich bei 0,2 Prozent. Ziel der Währungshüter ist aber eine Inflationsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die EZB wäre nur dann gezwungen, zu handeln, wenn sich die wirtschaftliche Situation grundlegend verändere oder die langfristigen Anleiherenditen stark stiegen, sagte Coeure. Auf die Frage, ob erneut aufkeimende Deflationssorgen übertrieben seien, sagte er: „In den Daten findet sich nichts, was solche Einschätzungen stützt.“

Die jüngste Abwertung der chinesischen Landeswährung wertete der EZB-Direktor als Symptom für die Abkühlung der Konjunktur in der Volksrepublik. „In der Eurozone sollten wir das aber als Mahnung verstehen, wie wichtig eine starke Binnennachfrage ist“, sagte Coeure. Es wäre unvernünftig, das langfristige Wachstumsmodell in der Euro-Zone allein auf den Export aufzubauen. Vielmehr solle die Binnennachfrage durch private Investitionen gestärkt werden.

Das neue Wechselkurs-Regime in China wertete Coeure als Schritt hin zu einem stärker marktbestimmten System. „Das ist generell gut, es stärkt die Widerstandsfähigkeit der globalen Wirtschaft und deckt sich mit Empfehlungen der G20“, sagte der Notenbanker. Chinas Zentralbank (PBOC) orientiert sich beim täglichen Festlegen des Leitkurses nun am Vortages-Schlusskurs. Davor legte die PBOC einen Mittelkurs zum Dollar nach Kriterien fest, die nur sie kannte. Die Abwertung des Yuan hatte in den vergangenen Tagen die Finanzmärkte weltweit aufgewühlt.

Der EZB-Direktor sieht keinen Spielraum, die Kapitalkontrollen in Griechenland substanziell zu lockern, solange nicht klar sei, wie und wann die Banken rekapitalisiert würden. Die EZB werde darüber beraten, ob sie die griechischen Anleihen trotz ihres Ramschstatus als Sicherheiten akzeptiere, sobald das Hilfsprogramm auf "dem richtigen Weg" sei. Eine erste Programm-Überprüfung durch die Geldgeber sei dafür aber nicht notwendig. "Es ist möglich, dass wir früher handeln."

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

14.08.2015, 18:16 Uhr

Was sagt diese Meldung dem Kleinanleger?

Geld ist kein kanppes Gut. Es kann jederzeit in beliebiger Menge geschöpft werden. Verträge sind ungeeignet Notenbanken zu disziplinieren.

Währungen sind als Wertaufbewahrungsmittel danach ungeeignet.

'Wenn das Vertrauen in die Zentralbank verloren ist, dann brauchen die Bürger auch keine Zentralbank, keine EZB.

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