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25.04.2012

18:18 Uhr

Anleihentausch

Griechische Rentner leiden unter Schuldenschnitt

VonGerd Höhler

Der griechische Schuldenschnitt ist seit heute offiziell abgeschlossen. Zehntausende Kleinanleger in Griechenland drohen, deswegen in die Altersarmut abgleiten. Jetzt klagen sie und fordern ihr Geld zurück.

Proteste vor dem griechischen Parlament. dpa

Proteste vor dem griechischen Parlament.

AthenDer Anleihentausch im Rahmen des Schuldenschnitts in Griechenland ist seit heute offiziell abgeschlossen. Staatspapiere im Gesamtwert von rund 199 Milliarden Euro seien umgetauscht worden, teilte das Finanzministerium in Athen mit. 96,9 Prozent der Investoren hätten sich an dem Tausch beteiligt.

Was für den Staatshaushalt eine gute Meldung ist, klingt gerade für Kleinanleger in Griechenland wie blanker Hohn. Als Andreas A. vor vier Jahren seine Ersparnisse in griechische Staatsanleihen investierte, glaubte er an eine sichere Anlage. Jetzt weiß es der 67-jährige Rentner besser: Von den knapp 45000 Euro, die er seinerzeit für die Papiere bezahlte, sind Bonds im Nennwert von etwas mehr als 20000 Euro übrig.

Hier wollte Griechenland sparen

576 Millionen Euro

Einsparungen bei Ausgaben für Medikamente

537 Millionen Euro

Kürzungen bei Gesundheits- und Rentenfonds; 500 Millionen davon entstammen dem Budget einer neuen nationalen Organisation, die die Grundversorgung im Gesundheitswesen sicherstellen
soll, 15 Millionen Euro aus einem Fonds der Telefongesellschaft OTE und 21 Millionen aus einem Fonds der öffentlichen Stromversorger

400 Millionen Euro

Einsparungen im Verteidigungshaushalt, davon 300 Millionen durch Verzicht auf Neuanschaffungen und 100 Millionen bei den laufenden Kosten

400 Millionen Euro

Kürzungen bei öffentlichen Investitionen

386 Millionen Euro

Kürzungen bei Haupt- und Zusatzrenten

205 Millionen Euro

Einsparungen bei Personalausgaben

200 Millionen Euro

Einsparungen bei den Verwaltungsausgaben der Ministerien

86 Millionen Euro

Kürzungen im Haushalt des Agrar- und Nahrungsmittelministeriums, vor allem durch Streichung von Subventionen

80 Millionen Euro

Kürzungen im Bildungswesen, darunter 39 Millionen Einsparungen bei den Gehältern von Ersatzlehrern und Lehrern an griechischen Schulen im Ausland sowie zehn Millionen bei Forschung und Technologieförderung

70 Millionen Euro

Kürzung der Wahlkampfunterstützung

66 Millionen Euro

Einsparungen im Haushalt des Finanzministeriums durch Kürzung der Pensionen

59 Millionen Euro

Kürzungen bei der Kommunalförderung

50 Millionen Euro

Streichung von Überstunden von Ärzten in staatlichen Krankenhäusern

43 Millionen Euro

Kürzungen der Unterstützungsleistungen für Familien mit mehr als drei Kindern

25 Millionen Euro

Kürzungen im Kultur- und Tourismushaushalt

3 Millionen Euro

Kürzungen bei den Personalausgaben der staatlichen Versorger

Tatsächlich ist das Vermögen des Pensionärs sogar noch weitaus stärker geschrumpft, denn die neuen Anleihen, die man ihm ins Depot gebucht hat, notieren überwiegend zu weniger als 20 Prozent ihres Nennwerts. Und die Fälligkeit der Anleihen kann Andreas A. nicht abwarten, denn die laufen teils bis zum Jahr 2042. „Das werde ich nicht erleben“, sagt der Mann.

Der Pensionär aus dem Athener Stadtteil Pangrati ist einer von rund 7000 Griechen, die jetzt vor dem Areopag ihr Recht suchen. 72 Sammelklagen sind dort inzwischen anhängig. Neben Kleinanlegern gehen auch Pensionskassen und Verbände wie die Athener Industrie- und Handelskammer gegen den Schuldenschnitt vor Gericht.

Aber auch mehrere Pharmaunternehmen sind unter den Klägern. Sie fühlen sich doppelt geprellt: Vor zwei Jahren bot ihnen der damalige griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou an, die teils seit Jahren unbezahlten Arzneimittellieferungen an staatliche Kliniken mit Staatsanleihen zu begleichen. Schon damals mussten die Pharmafirmen erhebliche Abschläge hinnehmen. Allein die Firma Merck kam so in den Besitz von griechischen Bonds im Nennwert von rund 40 Millionen Euro. Jetzt wurden die vermeintlich sicheren Papiere durch den Schuldenschnitt erneut drastisch abgewertet. Für die Pharmafirmen bedeutet das teils zweistellige Millionenverluste.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

25.04.2012, 18:42 Uhr

"Griechische Rentner leiden unter Schuldenschnitt"

(Kleine Anmerkung) ...und wir alle leiden unter Griechenland.

kulanz

25.04.2012, 18:44 Uhr

Wir leiden vor allem unter BILD-Niveau!

Account gelöscht!

25.04.2012, 18:44 Uhr

Ich kann die griechischen Rentner verstehen. Sie sind alt und habe keine Chance mehr ihre Situation zu verbessern. Den Eurofanatiker europaweit waren sie genau so hilflos ausgeliefert, wie die deutschen Buerger heute immer noch. Unsere Rechnung wird noch kommen, wenn unsere Regierung so weiter macht.

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