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25.03.2012

09:04 Uhr

Anselm Grün

„Gott sei Dank habe ich bei der Blase nicht mitgemacht“

VonChristian Schnell

Pater Anselm Grün ist oberster Geldverwalter eines Klosters bei Würzburg. Aktien betrachtet er als reale Geldanlage, obwohl er mit Investments auch schon Geld verloren hat. Welchen Anlagestil der Geistliche pflegt.

Pater Anselm Grün ist im Jahr 1974 in den Benediktinerorden eingetreten. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Pater Anselm Grün ist im Jahr 1974 in den Benediktinerorden eingetreten.

Sie haben in Griechenland-Anleihen investiert, als bereits offensichtlich war, dass es dem Land finanziell sehr schlechtging. Warum?

Anselm Grün: Ich habe vor gut einem Jahr, als der erste Rettungsschirm gestanden hat, auf Anraten eines Bankers eine kleine Summe dort investiert. Aber ich merke, man kann sich anscheinend auf nichts mehr verlassen. Das gilt übrigens für das ganze Geldgeschäft: Es gibt keine Garantien mehr. Deswegen favorisiere ich inzwischen Aktien gegenüber Anleihen.

Nun hätte man das in Griechenland auch schon vor einem Jahr sehen können. Einem hohen Risiko stand damals die Aussicht auf eine hohe Rendite gegenüber.

Damals, nach dem ersten Rettungsschirm, hat mir mein Bankberater gesagt, dass die Anlage bis Ende 2013 sicher ist. Es war zum Glück keine große Summe. Spanien-, Irland- oder Portugal-Anleihen habe ich aber nicht gekauft.

Wenn Sie jetzt mehr in Aktien machen, müssten Sie überzeugt sein, dass sich der gute Jahresauftakt fortsetzt. Ist das so?

Aktien sind etwas Reales. Das unterscheidet Unternehmen vom Staat. Dort spielt die Politik eine große Rolle, was für Anleger viel schwieriger einzuschätzen ist. Große, solide Firmen bieten dagegen viel mehr Kontinuität. Wichtig ist mir, dass ich jetzt mehr streue als früher. Was ich nie kaufe, sind konstruierte Produkte. Auch Bonuszertifikate kaufe ich keine mehr. Auf alles, was von Banken ausgedacht ist, verzichte ich.

Vita - Anselm Grün

Mönch

Pater Anselm Grün ist im Jahr 1974 in den Benediktinerorden eingetreten. Seither lebt er in der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg. Seit 1977 ist der studierte Theologe, Philosoph und Betriebswirt Cellelar und damit oberster Vermögensverwalter. Im Kloster arbeiten 300 Mitarbeiter in 20 Betrieben. Auch ein Gymnasium mit 900 Schülern gehört zur Anlage.

Autor

Der 67-Jährige hat weit mehr als 200 Bücher geschrieben, die sich über 17 Millionen Mal verkauft haben. Damit ist er der erfolgreichste deutschsprachige Autor. Meist schreibt er über Fragen der Lebenshilfe.

Anleger

Das Geld des Klosters legt Grün häufig spekulativ an. Damit hat er oft Erfolg gehabt, zuletzt aber auch verloren.

Referent

Bei Dax-Konzernen spricht Grün regelmäßig über das Thema Werte. Am 24. April ist er Gast beim Analysten-Award von Handelsblatt und Starmine.

Sprechen Sie da aus Erfahrungen der Vergangenheit?

Ich habe im ersten Jahr damit gut verdient. Aber man muss genau hinsehen, welchen Hebel, welches Aufgeld die haben. Sie sind beispielsweise nur dann interessant, wenn sie überhaupt kein Aufgeld haben. Inzwischen weiß ich, da verdienen immer nur die Banken.

Nun machen Sie die Arbeit als Cellerar, also als oberster Geldverwalter, des Klosters Münsterschwarzach schon seit mehr als drei Jahrzehnten. Haben Sie im vergangenen Jahrzehnt mehr Erfahrungen gemacht als in der Zeit davor?

In den Jahrzehnten davor war es im Vergleich dazu geradezu ruhig. Gott sei Dank habe ich aber bei der Blase am Neuen Markt nicht mitgemacht. Die Krisen 2001 und dann 2008 waren aber in vielen Bereichen vorauszusehen.

Sind Sie damals rechtzeitig ausgestiegen?

2008 bin ich nicht rechtzeitig rausgegangen. Da habe ich schon Geld verloren. Doch das habe ich bis Ende 2010 wieder gewonnen.

Und was haben Sie in einem Jahr wie 2011 gemacht, als ab Ende Juli alles wieder nach unten ging?

Da habe ich wieder verloren. Aber schlaflose Nächte hatte ich nicht. Ich weiß: Es ist immer ein Auf und Ab. Kurzfristig kann ich verlieren, aber langfristig wird sich das einspielen. Als es runterging, habe ich stets in kleinen Umfängen Aktien gekauft. Mit denen liege ich gut im Plus.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

25.03.2012, 11:14 Uhr

Soll das ein Joke sein, dieser Artikel?

"Es gibt keine Garantien mehr" ....?!

Das impliziert das es mal welche gegeben haben muss? Das müssen ja Zeiten gewesen sein. Da konnte ja JEDER Milliardär werden ganz ohne Risiko! Geldgeschäfte nur mit Gewinn aber ohne Risiko, wow!

...

Manche Menschen sollte sich einfach mal angewöhnen vor dem Sprechen den Kopf einzuschalten, macht sich gut, vor allem wenn man ein Interview geben muss!

RDA

25.03.2012, 11:23 Uhr

Warum nur verliert das Handelsblatt kein Wort darüber, dass Pater Anselm (wie auch alle anderen kirchlichen Einrichtungen) keinen Cent an Abgeltungsteuer oder sonstige Steuern für Veräußerungsgeschäfte zahlen muss?
Es fehlt auch kritische Frage, warum die Kirche steuerbefreit ist, obwohl sie ca. 70-80% ihrer Kirchensteuer- und Zinseinnahmen für interne Verwaltungs- und Personalkosten ausgibt. Andere Organisationen verlieren ihre Gemeinnützigkeit schon ab 15% Verwaltungskosten.

Ich hoffe, dass eine neue Bundesregierung ab 2013 diese Ungleichbehandlung abstellt.

Blinse

25.03.2012, 12:20 Uhr

Herr Grün investiert in GR-Anleihen und Aktien, soso. Der Herrgott wirds ihm heimzahlen. Glaub ich.

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