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20.12.2012

17:42 Uhr

Antonio Sommese im Interview

„Die Rally wird in sich zusammenfallen“

Der Dax steigt und steigt. Auch im kommenden Jahr sollen die Kurse weiter klettern, heißt es in den Ausblicken vieler Banken. Der Vermögensberater Antonio Sommese sieht das ganz anders.

Finanzcoach Sommese: "Nicht den letzten Prozent hinterherjagen." Pressebild

Finanzcoach Sommese: "Nicht den letzten Prozent hinterherjagen."

Als Finanzberater reden Sie häufig mit Ihren Kunden. Worüber wird derzeit am meisten gesprochen - die Dax-Rally?

Es ist nach wie vor die Euro-Krise. Nach Rally ist den Leuten nicht zumute, das können Sie mir glauben. Es geht darum, das Vermögen zu schützen und am Ende eine Rendite zu bekommen, die oberhalb der Inflationsrate liegt. Das ist bei dem derzeitigen Marktumfeld schwer genug.

Viele Ihrer Kollegen sagen, das ginge nur mit Aktien. Und  weil die obendrein günstig bewertet seien, lohne ein Einstieg noch immer. Was meinen Sie?

Viele gehen mit dieser Einschätzung derzeit geradezu hausieren, stimmt. Ich traue dem Frieden an der Börse trotzdem nicht. Anleger sollten das Risiko, auf dem jetzigen Niveau noch einzusteigen, nicht unterschätzen. Die Chance, damit auf die Nase zu fallen, ist größer als die Aussicht auf üppige Gewinne. Ich muss den letzten zehn Prozent nicht unbedingt hinterherjagen. 

Viele Investoren sehen das offenbar anders, sonst würden die Kurse nicht steigen.

Die Rally der vergangenen Monate ist liquiditätsgetrieben. Es ist zu viel Geld da, das halbwegs rentabel angelegt werden will. Aber wenn man in die Historie blickt, wird man schnell feststellen, dass dergleichen Aufschwünge schnell in sich zusammenfallen, weil ihnen das solide Fundament fehlt. So schnell wie das Geld an die Börse geflossen ist, so schnell verschwindet es auch wieder. Mit den entsprechenden Folgen für die Aktienkurse. 

Aber wohin sollen die Anleger denn dann hin mit ihrem Geld?

Sie werden jetzt vermutlich denken, wie langweilig, das habe ich schon tausendmal gehört. Aber das macht überhaupt nichts, denn man kann es nicht oft genug sagen: Das Wichtigste ist es, sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufzuteilen; zu streuen, wie es so schön heißt. Etwas in Anleihen, etwas in Aktien, ein Teil in Rohstoffe und Immobilien.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Staatsanleihen braucht doch kein Mensch.

Warum denn nicht? Es kommt auf die Staaten an. Wenn Sie mit Staatsanleihen nur die europäischen Schuldpapiere meinen, mögen Sie Recht haben. Anleger sollten aber über den Tellerrand hinausschauen, nach Australien etwa oder in die stark wachsenden Schwellenländer in Asien. Sie sind nicht so hoch verschuldet wie Amerikaner und Europäer; die Bevölkerung dort ist jung, wächst anders als in den alten Industrienationen stark. Es gibt einige Mischfonds auf dem Markt, die mir gefallen, weil sie das Thema Schwellenländer sehr gut abbilden.

Gibt es ein Land, das Sie meiden?

Ja, Russland. Ist mir aufgrund der rechtlichen Situation schlicht zu unsicher.

Wie geht es weiter an den Märkten?

Ich habe leider keine Glaskugel. Gewiss ist, dass die Eurokrise uns noch eine ganze Weile beschäftigen wird, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Märkte und unser täglich Leben. Wie verrückt das Ganze mittlerweile ist, zeigt, dass Wörter wie "Rettungsroutine" in unseren Sprachgebrauch Eingang gefunden haben. Völlig absurd!

Dummerweise können sich Privatanleger dem nicht entziehen.

Das stimmt. Allerdings empfehle ich meinen Kunden, Geld nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel anzusehen. Wir sollten uns auch etwas gönnen. Eine Reise, ein schönes Auto, was auch immer Freude bereitet. Geld ist nicht nur dafür da, dass es sich vermehrt. Sicher, es ist ein wichtiges Thema, aber es ist nicht das Wichtigste im Leben. Das sollten wir bei all den Ängsten und dem Krisengerede nicht vergessen.

 

Antonio Sommese ist selbstständiger Finanzberater und -Coach in Mainz. Vor kurzem ist im Finanzbuchverlag sein drittes Buch "Der Finanzcoach für alle Anlageklassen" erschienen.

Von

pan

Kommentare (6)

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Zu_50_Prozent_hat_er_wohl_recht

20.12.2012, 22:46 Uhr

Frag doch den Inder. Der Vertrag ohne Bindung, sofort kündbar.

Account gelöscht!

21.12.2012, 00:00 Uhr

Noch einer, der betet noch mal billig rein zu kommen.

bjarki

21.12.2012, 15:36 Uhr

Gute Einschaetzung. Die derzeit umlaufende Dekadenz, dass es die ewige Rally gibt und alles billig ist, erinnert stark an die roemische Dekadenz, die Rom fuer alle Zeiten in die Bedeutungslosigkeit schickte. Aus Rom wurde Italien ( Mafia, Bunga Bunga) und Europa wird ein Reisekontinent werden. Man besucht die Vergangenheit, Highlight ist Deutschland mit seinen putzigen Fachwerkhaeusern. Dort wartet Petra dann immer noch auf die Rally.

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