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21.05.2013

12:28 Uhr

Argentinien

Luxuskarossen als Schutz vor Inflation

Die Inflation beutelt Argentinien. Die Einwohner haben jetzt ein Mittel gegen den Wertverlust ihres Geldes entdeckt. Sie kaufen Luxuskarossen. Deutsche Automarken profitieren von der Flucht in Sachwerte.

Als Wertanlage begehrt: BMW. ap

Als Wertanlage begehrt: BMW.

Die Argentinier lieben ihre Autos. Sie pflegen sie und hegen sie. Je größer und teurer ein Fahrzeug, desto besser. Die Liebe zum Auto liegt vielfach aber nicht an der Freude an PS und Hubraum. Viele Argentinier kaufen Luxusfahrzeuge als Geldanlage, um ihr Geld gegen die horrende Inflation im Land zu schützen. Die Teuerung frisst ihre Spareinlagen auf und zehrt am Wert der Staatsanleihen.

Besonders begehrt ist klassischer Luxus. Die Autoverkäufe von BMW und Jaguar konnten im April den stärksten Zuwachs unter allen in Argentinien angebotenen Marken verzeichnet. Insgesamt betrachtet schoss der Autoabsatz im April auf Jahressicht um 30 Prozent in die Höhe, wie Daten des argentinischen Verbands der Autohersteller zeigen. Das war der stärkste Zuwachs seit August 2011.

In Argentinien ist es verboten, Dollar zu kaufen, und der Peso dürfte Prognosen zufolge in diesem Jahr um 17 Prozent fallen. Die Inflation ist nach Venezuela die höchste Teuerungsrate in der westlichen Hemisphäre. Vor diesem Hintergrund versuchen die Argentinier ihr Erspartes durch den Kauf von Autos, Gold oder virtuellen Währungen wie Bitcoin zu schützen.

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Insbesondere Luxusmodelle werden bei den Argentiniern immer gefragter, da sie zum offiziellen Dollar-Kurs eingeführt werden, erklärt Gonzalo Dalmasso, Analyst für die Autobranche beim Beratungsunternehmen Abeceb.com. Argentinier, die über Dollar- Guthaben verfügen, können die Autos etwa zum halben Preis kaufen, wenn sie ihre Mittel am Schwarzmarkt tauschen. Der offizielle Wechselkurs beträgt 5,2330 Peso je Dollar, der inoffizielle etwa zehn Peso je Dollar.

„Es gibt viele Menschen, die erstmals Autos im oberen Preissegment kaufen, die Minis gegen Mittelklassewagen eintauschen“, sagt Ignacio Monteserin, Verkäufer bei einem Mini-Cooper-Autohaus von BMW in Buenos Aires. „Es ist generell praktisch, einen Luxuswagen zu besitzen, wegen der hohen Differenz bei den Wechselkursen. Man erhält ein Qualitätsprodukt, das den Geldwert im Laufe der Zeit bewahren wird.“

Kommentare (7)

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Vicario

21.05.2013, 12:59 Uhr


Zitat : In Argentinien ist es verboten, Dollar zu kaufen, und der Peso dürfte Prognosen zufolge in diesem Jahr um 17 Prozent fallen.

Zitat : Luxuskarossen als Schutz vor Inflation

- Laut Erfahrungswerte im Gebrauchtautomobilmarkt erleidet eine Luxuskarosse einen Wertverlust nach einem Tag Zulassung von etwa 30 % !

Wo soll hier der Witz des Schutzes vor Inflation sein ?

Habe ich in Arithmetik in der Schule was verpasst ? Habe ich die Theorien von Adam den Riesen nicht begriffen ?

zarakthuul

21.05.2013, 13:50 Uhr

"Die Einwohner" kaufen jetzt also Luxuskarossen aus deutscher Produktion? Das BIP pro Kopf ist nicht mal halb so groß wie in DE, aber "die Einwohner" kaufen Nobelkarren?!
Porsche im Elendsviertel, das hat was.

Inflationator

21.05.2013, 14:04 Uhr

"Habe ich in Arithmetik in der Schule was verpasst ? Habe ich die Theorien von Adam den Riesen nicht begriffen?" Wahrscheinlich nicht, Sie sind eben nur in einem Land mit einer (damals) stabilen Währung aufgewachsen und wirkliche Inflationsüberlegungen sind Ihnen fremd.
Rechnung (1): Geld 3 Jahre auf dem Konto lassen bei 17% Inflation ergibt einen Verlust von 51%. Rechnung (2): Geld ausgeben für S-Klasse, vielleicht 40TKM in 3 Jahren fahren ergibt auch einen Restwert von ca.50%. Sie haben nichts gewonnen, aber wenigstens etwas von den 50% Wertverlust gehabt - im Gegensatz zum Sparer, falls er keine Zinsen von mind. 17% erhält. Selbstverständlich präsentieren Verkäufer von Autos und anderen "Sachwerten" die Rechnung optimistischer zu ihren Gunsten, der Rest sind Panik und Psychologie.
Die Erfahrung mit den 30% am ersten Tag bezieht sich m.E. auch auf den Listenpreis, nicht den Strassenpreis.

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