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23.05.2016

14:56 Uhr

Axa verbannt Tabakaktien

Kein Geld mehr für Kippen

Der neue Chef des französischen Versicherungskonzerns Axa zeigt sich gesundheitsbewusst: Er wirft Aktien und Anleihen von Tabakfirmen aus dem Portfolio. Die Aktien werden sofort, die Anleihen nach und nach verkauft.

Die Zeiten ändern sich: Jahrzehntelang gehörte die filterlose Gitanes zum Bild vom französischen Savoir vivre. Imago

Eine Packung Gitanes aus dem Jahr 1989

Die Zeiten ändern sich: Jahrzehntelang gehörte die filterlose Gitanes zum Bild vom französischen Savoir vivre.

ParisDer französische Versicherer Axa zieht sich aus Geschäften mit der Tabakindustrie zurück. Insgesamt gehe es um Aktien im Wert von rund 200 Millionen Euro und Anleihen von rund 1,6 Milliarden Euro, teilte der designierte Axa-Chef Thomas Buberl am Montag mit. Der Konzern wolle damit die staatlichen Bemühungen gegen das Rauchen weltweit unterstützen, begründete Buberl den Schritt. Der Schutz der Gesundheit und Vorsorge würden zudem für Krankenversicherer immer wichtiger.

„Die Entscheidung kostet uns etwas, aber der Grund für den Rückzug ist klar“: Die Auswirkungen von Tabak auf den Menschen seien tragisch und die Kosten für die Wirtschaft riesig. Die Kosten für die Gesellschaft seien höher als durch Alkohol und Übergewicht.

Die größten Versicherer Europas (Beitragseinnahmen 2014)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2014: 22,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,6 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 27 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 4,1 Prozent

Platz 8

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 29 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 3,0 Prozent

Platz 7

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 29,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 14,3 Prozent

Platz 6

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 30,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 11,4 Prozent

Platz 5

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2014: 39,5 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 1,1 Prozent

Platz 4

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 40,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 14 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2014: 70,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 6,9 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 73,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,5 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 86,3 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 0,9 Prozent

Die Internationale Vereinigung gegen Krebs (UICC) begrüßte den Schritt als „Meilenstein auf dem richtigen Weg“ und forderte andere Firmen auf, diesem Beispiel zu folgen. „Wir brauchen Unternehmen wie Axa, die darauf hinweisen, dass Investitionen in eine Branche, die ihre Kunden tötet, falsch sind“, sagte UICC-Chef Cary Adams.

Für die Tabakkonzerne ist es ein weiterer Rückschlag. Sie hatten zuletzt mit immer strengeren staatlichen Auflagen zu kämpfen. So müssen seit voriger Woche die Hersteller in der EU als Abschreckung gedachte Schockbilder auf Zigaretten- und Tabakpackungen anbringen.

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Axas Ausstieg aus den Tabakaktien ist mehr als nur eine ethische Entscheidung. Der Konzern schützt damit auch sein Kerngeschäft der Krankenversicherungen. Schließlich schadet Rauchen dem Gesundheitswesen. Eine Analyse.

Der französische Versicherer ist nach eigener Aussage der erste in der Branche, der diesen Schritt vollzieht. Vorher hat allerdings schon der norwegische Staatsfonds Norges, weltweit der größte dieser Art, der Tabakbranche die Tür gewiesen.

Schon vor Jahren hatte Calpers als einer der größten Pensionsfonds der Welt Tabakaktien abgestoßen. Das ging allerdings damals auf die Erwartung des kalifornischen Fonds zurück, angesichts hoher Schadenersatzzahlungen würden die Titel der Tabakindustrie in die Knie gehen – was dann nicht eingetreten ist. Gegenwärtig denkt Calpers angeblich darüber nach, den eigenen Beschluss zu revidieren und wieder einzusteigen.

Kommentare (5)

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Herr Holger Narrog

23.05.2016, 15:16 Uhr

Die Aktienanlage ist an sich bereits eine sehr herausfordernde Beschäfitgung.

Wenn man die sachlichen Herausforderungen und Überlegungen mit politischen und/oder religiösen Aspekten vermengt, leidet die Performance darunter.

Ich habe häufig den Eindruck, dass die Inhaber mit solchem politischen, oder religiösen Gefälligkeitshandeln von eigenen Schwächen/Fehlern, oder fehlender Inspiration sprich Ideenlosigkeit ablenken möchten.

Vielfach wurden/werden hier zu Lande die ökoreligiöse Weltuntergangskatastrophen wie einst das Waldsterben, oder noch aktuell der "Klimawandel" bemüht um irgendwelche Investitionsrestriktionen zu verkünden.

In den arabischen Ländern wird der Alkohol, Zinsen etc. als sündig deklariert.

Herr Tom Bauer

23.05.2016, 15:42 Uhr

Scheinheiligkeit!
Der Staatsfonds von Norwegen wirft Öl und Gasinvests aus seinem Portfolio und ist selbst mit den Gewinnen aus der Ölförderung gegründet worden!
AXA wirft Tabak raus! Dann sollte sie sich selbst und auch Bankenanlagen rauswerfen, da auch AXA als Teil der Finanzindustrie von allen Branchen die meisten Prozesse wegen Absprachen, Kursmanipulationen usw. aan den Hacken hat.
Übrigens: Langfristig hat man mit Tabak und Bier... die beste Performance.... selbst schuld.

Altria liegt im 100 Jahresvergleich mit durchschnittlich knapp 10 % Jahresperformance der S+P 500 Titel an der Spitze.

Herr John Canna

23.05.2016, 15:58 Uhr

Was kauft die AXA denn stattdessen ?
Lockheed Martin, Thales, BAE-Systems, Rheinmetall ?

Ich finde diese Heuchelei widerlich, wie gut das meine AXA Lebensversicherung schon vor Jahren noch mit Gewinn ausgezahlt wurde.

mfg.
John Canna

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