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21.01.2015

14:56 Uhr

Axel Weber

UBS-Präsident stärkt Notenbank den Rücken

Die Schweizer Nationalbank hat den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben. Für den Kurswechsel ernteten die Währungshüter viel Kritik. Nun erhalten sie Unterstützung vom Präsidenten der Großbank UBS.

Der Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, stärkt der schweizerischen Nationalbank den Rücken. dpa

Der Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, stärkt der schweizerischen Nationalbank den Rücken.

DavosDer Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, hat sich nach der spektakulären Kehrtwende der Notenbank beim Franken-Wechselkurs hinter die Währungshüter gestellt. Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken, mit dem die Schweizerische Nationalbank (SNB) mehr als drei Jahre lang eine Aufwertung ihrer Währung verhinderte, sei immer zeitlich begrenzt gewesen, sagte Weber am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der ehemalige Bundesbank-Chef zeigte Verständnis für das Vorgehen der SNB bei der Abschaffung der Kursuntergrenze in der vergangenen Woche. Der Kritik, die SNB hätte die Kapitalmärkte auf den Schritt vorbereiten müssen, hielt Weber entgegen, dass die Notenbank keine andere Wahl gehabt habe als die Märkte zu überraschen.

Der radikale Kurswechsel der SNB führte zu einem sprunghaften Anstieg des Frankens gegenüber dem Euro und löste an den Börsen heftige Turbulenzen aus. Am Mittwoch wurde die Gemeinschaftswährung zweitweise unter einem Franken gehandelt. An der Schweizer Börse gingen Milliardenwerte verloren. Nach Webers Ansicht war das nicht zu vermeiden: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte er sinngemäß in einer auf Englisch geführten Diskussionsrunde. Die Schweizer Wirtschaft werde das aushalten.

Der stärkere Franken führt dazu, dass Schweizer Ausfuhren teurer werden und ausländische Lieferanten in der Schweiz ihre Preise senken könnten. Experten rechnen damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Schweiz dieses Jahr auf deutlich weniger als ein Prozent mehr als halbiert.

Das sagten Experten am 15. Januar zum Schweizer Manöver

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

„Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen.“

Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse

„Es war von Anfang an klar, dass die Wechselkursuntergrenze eine temporäre Maßnahme sein soll. Auch die Wirtschaft strebt im Prinzip eine Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen an, aber nicht jetzt. Denn in der gegenwärtig angespannten Situation ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Überschießen des Frankens kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wechselkursuntergrenze für die nächsten Monate noch halten wird.

Wir sind jetzt weit jenseits der Kaufkraftparität, die ich auf 1,29 Franken pro Euro schätze. Mit einer leichten kontinuierlichen Aufwertung kann die Wirtschaft leben. Aber bei einer schockartigen Aufwertung ist die Industrie überfordert. Das wird sehr große Probleme geben.

Es bricht eine schwierige Zeit für die Schweizer Unternehmen an. Dies gilt vor allem für die Export- und Zuliefer-Industrie sowie für den Tourismus. Die Planungssicherheit ist vorderhand weg. Entscheidend ist jetzt, wo sich der Euro einpendeln wird. Mit 1,15 Franken kann die Wirtschaft leben. Bei 1,05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.“

Schweizerischer Gewerkschaftsbund

„Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. Auch zum Kurs von 1,20 gegenüber dem Euro war der Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft (Industrie/Tourismus) wird zusätzlich belastet.“

Christian Lips von der NordLB

„Die SNB scheint nicht mehr an eine Durchsetzbarkeit für den Fall eines EZB-Staatsanleihenankaufprogramms zu glauben – und könnte sich doch mit der Panikreaktion in eine Sackgasse manövriert haben. Zumindest ist die Kommunikation der SNB – bei allem Wohlwollen – als missglückt zu bezeichnen.“

JP Morgan Research

„Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat – sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen.

Das ist zwar die sauberste Option für die SNB – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.“

Thomas Gitzel von der VP Bank

„Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.“

Jefferies-Stratege Jonathan Webb

„Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.“

Chris Beauchamp, Markt-Analyst bei IG

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht. Und die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt. Die Stimmung ist seit Jahresbeginn ziemlich unruhig, und so eine Nachricht sorgt für Volatilität aus.“

Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Kritik übte Weber dagegen an Politikern in Ländern der EU. Sie hätten es versäumt, die Zeit, die ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) verschafft habe, für Reformen zu nutzen. Er warnte die EZB, bei den Anleihen-Kaufprogrammen, die bereits am Donnerstag nach der Zinssetzung angekündigt werden könnten, zu weit zu gehen. „Sie sollten nicht zu viel machen“, sagte Weber. Es bestehe die Gefahr, dass der Anreiz für Reformen wegfalle. Was immer die EZB unternehme, die Teuerung in der Eurozone werde für Jahre nicht auf den Zielwert von knapp zwei Prozent zurückkehren.

Auch nach dem Rückgang der Verbraucherpreise in der EU um 0,2 Prozent im Dezember rechnet Weber nicht mit einer immer stärkeren Abwärtsbewegung bei den Preisen. Die Sichtweise, dass sich die Eurozone in einem deflationären Szenario befinde, teile er nicht, sagte Weber. Die Lage sei vielmehr von einer anhaltend niedrigen Teuerung geprägt. Das Wirtschaftswachstum werde wohl für einige Zeit nicht zunehmen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Christian Weinstock

22.01.2015, 11:20 Uhr

Dean Baker an Paul Krugman: Aufgabe des Mindestkurs durch die SNB trotz falscher Gründe die richtige Entscheidung. MEHR HIER:

https://revisionist21.wordpress.com/2015/01/22/dean-baker-an-paul-krugman-aufgabe-des-mindestkurs-durch-die-snb-trotz-falscher-grunde-die-richtige-entscheidung/

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