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31.10.2013

09:51 Uhr

Bafin-Beschwerderegister

Anlegerschutz oder Bürokratiemonster?

Vor einem Jahr wurde das Beschwerderegister bei der Finanzaufsicht eingeführt. Verbraucher sollen damit besser vor Falschberatung geschützt werden. Doch es hagelt Kritik von allen Seiten.

Die Bafin sammelt Daten von Anlageberatern in Deutschland und Beschwerden von Kunden. Im Extremfall kann die Aufsicht Sanktionen bis hin zum Berufsverbot verhängen. dpa

Die Bafin sammelt Daten von Anlageberatern in Deutschland und Beschwerden von Kunden. Im Extremfall kann die Aufsicht Sanktionen bis hin zum Berufsverbot verhängen.

FrankfurtVerbraucherschützer und Banken sind unzufrieden, die Gewerkschaft Verdi zieht vor Gericht: Das „Mitarbeiter- und Beschwerderegister“ bei der Finanzaufsicht Bafin stößt auf wenig Gegenliebe. Ob Anleger besser vor Falschberatung geschützt werden, ist umstritten.

Seit dem 1. November 2012 sammelt die Bafin die Daten von Anlageberatern in Deutschland. Geldhäuser sollen nachweisen, dass sie in den Bereichen, in denen es um Anlageberatung und den Vertrieb von Finanzprodukten geht, nur ausreichend qualifiziertes Personal einsetzen. Auch Beschwerden von Kunden werden registriert. Die Aufsicht kann im Extremfall Sanktionen bis hin zum Berufsverbot verhängen - das ist bisher allerdings noch nicht vorgekommen.

Bis zum Ende des dritten Quartals 2013 gingen nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 9556 Beschwerden von Privatanlegern zur Anlageberatung ein - berechtigte und unberechtigte. 3010 betrafen Sparkassen, 2145 Genossenschaftsbanken, 4339 Privatbanken und 62 Finanzdienstleistungsinstitute.

Wann Anleger misstrauisch werden sollten

Vorsicht Vermittler

Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.

Interessen kennen

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

Gier vermeiden

Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

Heitere Gelassenheit

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.

Gefährliche Formulierungen

Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

Schneller Rücktritt

Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

Ausdauer

Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

Fürsorge

Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

Initiative

Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

Strategie

Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Häufen sich die Beschwerden über einen bestimmten Berater, sucht die Bafin das Gespräch mit ihm und dem Finanzhaus. Bis Ende September besuchte die Aufsicht 150 Institute und interviewte 200 Berater. „Das Mitarbeiter- und Beschwerderegister hat die Bafin im Verbraucherschutz weiter gestärkt“, sagt Bafin-Präsidentin Elke König. Was die Aufsicht unter häufigen Beschwerden versteht, lässt sie bewusst offen. „Da halten wir es wie Coca-Cola: Wir haben dazu Kriterien und ein Rezept - veröffentlichen es aber nicht“.

Für Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ist das aktuelle Register allenfalls ein erster Schritt. Das Problem: „Der Bankkunde muss darauf vertrauen, dass die Bank der Bafin die Kundenbeschwerde auch wirklich meldet“, kritisiert Nauhauser. Er fordert, das Register öffentlich zu machen, um den Druck auf die Geldhäuser zu erhöhen. „Kein Finanzinstitut will seine Reputation aufs Spiel setzen“.

Die eigentlichen Ursachen von Falschberatung liegen aus Sicht Nauhausers ohnehin in der engen Verbindung von Beratung und Verkauf von Finanzprodukten. „Solange in der Beratung verkauft wird, kann nicht im Interesse des Kunden beraten werden“.

Kommentare (3)

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Frieda

31.10.2013, 10:22 Uhr

Ich traue dieser Behörde nicht !
2005 habe ich bei Bafin einen Vorgang angezeigt, bei dem es um die Veruntreuung von Geldern einer renommierten Versicherung ging (2 Mio. €). Parallel Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Anzeige war detailliert und umfassend. Die Anzeige betraf auch einen Funktionär des Bafin.

Eine Person (außerhalb der Versicherung, die jedoch in den VErsicherungsvorgang maßgeblich involviert war) wurde zu über 3 Jahren Haft verurteilt worden. Der Funktionär des Bafin wurde nie belangt. Auskunft über den bei der Bafin angezeigten Vorgang wird nicht erteilt.

Klar - dass zumindest ich dieser Behörde aber auch schon gar nicht vertraue. Die sehr große Nähe zur VErsicherungswirtschaft verhindert effektive Aufsicht.

MrX

31.10.2013, 10:55 Uhr

Eine Mischung aus Symbolpolitik, Überwachungsstaat und Bürokratiemonster.
Also im Prinzip wie das Meiste in der Politik im 21. Jhd

tsabo

31.10.2013, 11:56 Uhr

Ja - die Bafin und die sogenannten Verbraucherschützer -
Weder die Verbraucherschützer die immer und alles kritisieren, noch die Bafin sind in der Lage die Kunden zu beraten..
Wenn es wirklich so schlimm ist mit den Beratern - dann Frage ich mich, wieso die Verbraucherschützer nicht mit gutem Beispiel vorangehen und selbst die Kunden beraten.
Wieso wohl..???
Wenn ich ein Auto kaufe geh ich auch zum Händler und lass es mir vorführen und zeigen.. Und der gleiche Händler verkauft es mir auch und oh Wunder über Wunder der verdient auch noch was dran.. ja so einer aber auch.. der hätte doch wissen müssen dass ich ein ganz anderes Auto will.. achso der andere Händler verdient auch was dran..
Ja liebe Bafin - wenn einer für seine Beratung und den anschließenden Kauf nichts mehr verdienen darf..
Wird auch keiner mehr davon Leben können - und wo das hinführt sieht man ja jetzt.
Wenn man immer alles und jeden kriminalisiert, und nur der Verbraucher ist immer der GUTE - ich kann ihnen da andere Dinge erzählen der ist auf einem Auge blind..

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