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09.04.2015

14:51 Uhr

Bank of England

Britische Notenbank hält an Niedrigzins fest

Obwohl sich die Konjunktur in Großbritannien erholt, will die Bank of England die Zinsen im Keller halten. Damit ignorieren die Währungshüter die niedrige Inflationsrate. Das könnte zum Problem werden.

Er will die Wirtschaft weiter stützen und geht dabei auch gewisse Risiken wie etwa einen Verfall des Preisniveaus ein: BoE-Chef Mark Carney. Reuters

Die Bank of England hält an ihrer Geldpolitik fest

Er will die Wirtschaft weiter stützen und geht dabei auch gewisse Risiken wie etwa einen Verfall des Preisniveaus ein: BoE-Chef Mark Carney.

LondonDie Bank von England hat die Leitzinsen trotz des kräftigen Wirtschaftswachstums auf ihrem historisch niedrigen Niveau belassen. Die Notenbank beschloss am Donnerstag in London, den Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischem Geld bei 0,5 Prozent zu halten.

Zudem wird das Anleihen-Kaufprogramm im Volumen von 375 Milliarden Pfund nicht ausgeweitet. An den Märkten wurde zuletzt erst für Anfang 2016 mit einer Zinserhöhung gerechnet. Das Treffen der Währungshüter war die letzte Zinssitzung vor den am 7. Mai anstehenden britischen Unterhauswahlen.

Von der Inflation zur Deflation

Was bedeutet Inflation?

Als Inflation wird die Preissteigerung binnen eines Jahres bezeichnet. Sie liegt in Deutschland im Januar nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bei minus 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen sind. Das liegt unter anderem am dramatisch gefallenen Ölpreis, der sich seit dem Sommer mehr als halbiert hat.

Wann spricht man von einer Deflation?

Hierzu reicht ein Preisrutsch von einem Monat auf den anderen nicht aus. Dazu muss sich die Inflationsrate klar ins Negative umkehren – und das für längere Zeit.

Was passiert bei einer Deflation?

Bei einer Deflation verschieben Verbraucher in der Regel ihre Anschaffungen in der Hoffnung auf niedrigere Preise. Unternehmen verringern ihre Produktion, um sich der sinkenden Nachfrage anzupassen, was Entlassungen und niedrigere Löhne zur Folge haben kann. Das bremst die Nachfrage dann noch mehr und die Preise sinken weiter – es droht ein Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen, aus dem schwierig herauszukommen ist.

Hat eine Deflationsphase zwangsläufig negative Folgen?

Nicht unbedingt. Ob die Verbraucher tatsächlich Einkäufe zurückstellen, muss sich in der jeweiligen Situation zeigen. Denn zunächst sind niedrigere Preise aus ihrer Sicht durchaus positiv. Wenn sie weiter konsumieren, profitiert auch die Wirtschaft. Erst mit sogenannten Zweitrundeneffekten – wenn also auch die Löhne fallen – kann es gefährlich werden.

Wie ist die Lage in Europa?

In der Eurozone sind die Lebenshaltungskosten im Dezember erstmals seit Oktober 2009 zurückgegangen. In Deutschland hatte die Inflationsrate im Dezember noch bei einem kleinen Plus von 0,2 Prozent gelegen. Allerdings hat die Europäische Zentralbank (EZB) als Zielwert eine Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent ausgegeben. Dieser scheint momentan in weiter Ferne.

Die Bank of England (BoE) peilt mittelfristig eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Aktuell ist die Inflation davon aber meilenweit entfernt: Als Folge unter anderem des Ölpreisverfalls waren die Preise in Großbritannien zuletzt sogar erstmals seit Jahrzehnten stagniert.

Die Inflationsrate fiel im Februar auf Null Prozent, nachdem sie im Januar noch bei 0,3 Prozent gelegen hatte. BoE-Chef Mark Carney will dennoch nicht auf die niedrigen Teuerungsraten reagieren. Die Notenbank stellt sich darauf ein, dass die Preise in den nächsten Monaten sogar sinken könnten.

Von

rtr

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