Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2013

15:59 Uhr

Bank of Japan

Bund warnt Japan vor Missbrauch der Geldpolitik

Die japanische Notenbank will innerhalb von zwei Jahren 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft stecken. Die Bundesregierung kritisiert das Vorgehen: Sie fürchtet, dass Japan sich „exporttechnische Vorteile“ verschafft.

Die japanische Notenbank in Tokio will in den kommenden zwei Jahren 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft stecken. Bei der Bundesregierung stößt dieses Vorgehen auf Kritik. ap

Die japanische Notenbank in Tokio will in den kommenden zwei Jahren 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft stecken. Bei der Bundesregierung stößt dieses Vorgehen auf Kritik.

Berlin/TokioDie Bundesregierung hat nach dem Kurswechsel der japanischen Notenbank gemahnt, dass sich kein Staat über die Geldpolitik Vorteile bei den Exporten verschaffen dürfe. „Es gibt klare Verabredungen, die auch auf das Treffen der G20 in Moskau zurückgehen“, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, am Freitag in Berlin. Danach solle die Geldpolitik nicht eingesetzt werden, um sich „irgendwelche wirtschaftspolitischen oder exporttechnischen Vorteile“ zu verschaffen. „Dem hat auch Japan zugestimmt.“

Die Bank von Japan hatte am Donnerstag angekündigt, dass sie bis Ende 2014 die Geldbasis verdoppeln will, die sich aus Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammensetzt. Dazu pumpt sie binnen zwei Jahren umgerechnet 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft, vor allem über den Ankauf von Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu 40 Jahren, börsengehandelten Indexfonds und Immobilienfonds, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Expansive Geldpolitik: Japan steuert mit neuer Geldpolitik auf Abgrund zu

Expansive Geldpolitik

Japan steuert mit neuer Geldpolitik auf Abgrund zu

Die wankende Wirtschaftsmacht Japan schickt sich an, der Euro-Schuldenkrise den Rang als größte Gefahr für die Weltwirtschaft streitig zu machen. Vor allem drei Punkte sind es, die für großes Unbehagen sorgen.

Geldpolitik könne nie Ersatz für Strukturreformen sein. Die Japaner hätten zugesagt, diese auch in Angriff zu nehmen. „Den Rest wird man abwarten müssen. Die internationalen gemeinsamen Beschlüsse dazu sind recht eindeutig“, betonte Kotthaus.

Es ist ein Erdbeben an den Finanzmärkten, das die japanische Notenbank mit ihrer noch nie dagewesenen Geldschwemme ausgelöst hat – und zugleich ein radikaler Strategiewechsel. Die Entscheidung des neuen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda, aus allen Rohren gleichzeitig zu feuern, ist ein klares Signal, dass er keine Politik der Trippelschritte verfolgen wird. Im Gegenteil: Kuroda setzt alles auf eine Karte, einen Plan B hat er Experten zufolge nicht. „Es ist eine andere Welt im Vergleich zu den Zeiten, als die Notenbank Schritt für Schritt vorgegangen ist“, sagt ein Insider aus dem Umfeld der Bank von Japan. Doch ob das ausreicht, die hartnäckige Wirtschaftskrise zu überwinden, darf bezweifelt werden.

Leichter Rückgang: Japans Industrieproduktion gesunken

Leichter Rückgang

Japans Industrieproduktion gesunken

Erstmals seit drei Monaten ist die Industrieproduktion im Februar gesunken. Experten hatten mit einen Anstieg gerechnet.

Die Bank von Japan schleust riesige Summen in das Finanzsystem in der Hoffnung, dass die Institute mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichen, so die Investitionen ankurbeln und schließlich Löhne und Preise steigen. Ob das gelingt, ist bei Experten aber umstritten. Denn letztlich kann die Notenbank Banken und Unternehmen nicht vorschreiben, was sie mit ihrem Geld zu tun haben – zumal dann, wenn die Wirtschaft des Landes seit Jahren darnieder liegt und Preise und Löhne auf breiter Front sinken.

Die Währungshüter wollen jeden Monat Bonds im Wert von 78 Milliarden Dollar erwerben, das entspricht ungefähr 70 Prozent aller Papiere, die überhaupt auf den Markt kommen. „Die Bank von Japan drängt im Grundsatz Investoren aus dem Anleihemarkt und zwingt sie dazu, ihr Geld anderweitig anzulegen“, urteilt Izuru Kato, Chefvolkswirt beim Analysehaus Totan.

Geschäftsklima steigt: Japans Exporte schwächeln

Geschäftsklima steigt

Japans Exporte schwächeln

Die Billiggeld-Politik der Notenbank scheint wirkungslos – noch.

Tatsächlich könnte ein Gutteil des Geldes in spekulative Anlagen gehen – sowohl in Japan als auch auf ausländischen Märkten, die höhere Renditen versprechen. So berichtete der polnische Staatssekretär Wojciech Kowalczyk bereits von einem verstärkten Interesse asiatischer Anleger nach polnischen Staatsanleihen. Auch in Japan selbst löste die Bank von Japan Verwerfungen aus: Der Nikkei-Index schoss am Freitag zeitweise auf den höchsten Stand seit 2008. Der Yen gab nach, die Renditen der japanischen Staatsanleihen fielen auf Rekordtiefs.

Notenbankchef Kuroda spielt dennoch die Gefahr herunter, er löse mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten aus. Experten sehen das aber anders: „Die Notenbank bringt schon jetzt die Märkte massiv aus dem Gleichgewicht, und das ist der Preis, den sie zu zahlen bereit ist“, so Analyst Kato. „Was kommt aber als nächstes? Es gibt eigentlich keine Optionen mehr für die Bank von Japan.“

Konjunktur: Japans Leistungsbilanzüberschuss schmilzt

Konjunktur

Leistungsbilanzüberschuss in Japan schmilzt

Japans Plus aus Handels- und Kapitalströmen ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht.

Kuroda geht nach Einschätzung der Insider davon aus, dass eine Notenbank alle ihre Ressourcen einsetzen muss, um einen maximalen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Das Direktorium der Zentralbank stellte sich am Donnerstag einstimmig hinter Kurodas Ansatz, auch wenn es sich der Risiken bewusst ist. Aber die Zentralbanker hätten wohl noch keine klare Vorstellung darüber, sagte der Insider, wie sie auf einen rasanten Anstieg des Yen oder eine weltweite Konjunkturabkühlung reagieren würden. In solchen Szenarien würde Japans exportabhängige Wirtschaft in die Rezession zurückfallen und das Inflationsziel von zwei Prozent unerreichbar werden.

Manche Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Bank von Japan im Oktober erneut unter Druck gerät, noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pressen, wenn die vierteljährliche Konjunkturprognose vorliegt und immer noch keine Anzeichen für steigende Preise erkennbar sind. Ob das die Wirtschaft zurück in die Spur bringt oder den Abgrund noch ein Stückchen näher, wird sich zeigen.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Warnungen vor einem Währungskrieg gegeben, bei dem einzelne Länder mit einer lockeren Geldpolitik den Wert ihrer Währung bewusst abwerten und damit ihre Exporte verbilligen.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

aktionaer

05.04.2013, 14:35 Uhr

na so etwas.

Ich vermute mal, EU-Land wird nachziehen. Was aber heißt, der € kippt weg. So Mist aber auch, hat man doch die ganze Zypen Sache nur so extrem hoch gezogen, um mit anderen Mitteln den € nach unten zu prügeln und nun kommen die flinken Asiaten und drücken ihre Währung selbst massiv nach unten.

man sollte den € shorten.

Skyjumper

05.04.2013, 14:55 Uhr

Ach Gottchen, ach Gottchen.

"Es gibt klare Verabredungen.....". Wenn ich das schon lese könnte ich schon loslachen. Ja, es gab auch mal klare Verträge, und klare Gesetze. Die sollen sogar noch besser sein als Verabredungen, was sie jedoch auch nicht davor geschützt hat gebrochen zu werden.

Früher, also viel früher, soll es in Europa sogar mal so etwas wie einen Rechtsstaat gegeben haben. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Politiker durften das Volk nicht belügen und betrügen wie es ihnen gefällt, nicht Verträge und Gesetze willkürlich ignorieren weil es gerade alternativlos war? So ein System kann doch unmöglich funktioniert haben, das muss sich um ein Märchen handeln.

Account gelöscht!

05.04.2013, 17:45 Uhr

Na so was aber auch- Folgt Japan nicht?
Sie haben doch zugesagt Srukurreformen vorzunehmen und tun sie es nicht? Da wird Mutti aber böse werden, denn schließlich muß auch Japan begreifen, dass am deutschen Wesen die Welt genesen muß

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×