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04.10.2017

12:34 Uhr

Banken in Europa

EZB fordert mehr Rückstellungen für Problemkredite

Nach dem Willen der EZB-Bankenaufsicht sollen die Problemkredite der europäischen Banken künftig zu 100 Prozent über Rückstellungen abgesichert werden. Der neue Plan tritt mit dem Jahreswechsel in Kraft.

Die EZB fordert mehr Rückstellungen für Problemkredite dpa

Banknoten

Europas Geldhäuser sollen ihre Problemkredite künftig über Rückstellungen abdecken.

FrankfurtDie EZB-Bankenaufsicht fordert Geldhäuser im Währungsraum zu mehr Risikovorsorge für notleidende Darlehen auf. Mit neuen Richtlinien wollen die Kontrolleure dafür sorgen, dass es nicht erneut zum übermäßigen Anwachsen von Problemkrediten in den Bankbilanzen kommt. Ab 2018 sollen Institute daher alle neu als notleidend eingestuften Darlehen schrittweise vollständig über Rückstellungen abdecken, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Dafür sollen ihnen je nach Art der Darlehen bis zu sieben Jahre Zeit gewährt werden.

„Im Kern wollen wir einen Aufbau von unzureichend abgedeckten notleidenden Krediten in der Zukunft verhindern“, sagte die Vizechefin der irischen Notenbank, Sharon Donnery, in einer Telefonkonferenz. Die neuen Leitlinien legen fest, welche Erwartungen die Aufseher an die Risikovorsorge haben. Die Vorgaben sollen für alle Darlehen gelten, die ab dem 1. Januar 2018 als notleidend eingestuft werden. Bei neuen unbesicherten Problemkrediten sollen Banken zwei Jahre Zeit bekommen, um diese zu 100 Prozent über Rückstellungen abzudecken. Für neue besicherte Problemdarlehen sollen sie spätestens nach sieben Jahren eine vollständige Abdeckung erreichen. Sollten Institute davon abweichen, müssen sie dies der Aufsicht begründen.

„Hohe Niveaus an notleidenden Krediten in den Banken beeinflussen Finanzierung und Kapital, drücken die Profitabilität und blockieren folglich die Bereitstellung von Krediten“, sagte Donnery, die bei der EZB die zentrale Arbeitsgruppe zu Problemkrediten leitet. Banken im Euro-Raum sitzen immer noch auf einem Berg an ausfallgefährdeten Darlehen von fast einer Billion Euro. Dies ist vor allem eine Folge der Finanz- und Schuldenkrise im Euro-Raum. Hat ein Geldhaus zu viele Problemdarlehen, drückt dies auf die Gewinne und lässt das Institut bei der Vergabe neuer Darlehen die Realwirtschaft zurückhaltend agieren. Auf Dauer kann dies das Wachstum in einer Volkswirtschaft bremsen.

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Die neuen Leitlinien zur Risikovorsorge gelten nicht für die Altbestände an notleidenden Krediten. Die Aufseher hatten Banken mit viele Problemdarlehen aufgefordert, ihre Abbaustrategien in der ersten Jahreshälfte darzulegen. Laut den Bankenwächtern haben viele Institute glaubwürdige Pläne vorgelegt. Es gebe aber Verbesserungsbedarf bei manchen Instituten. Bis Ende des ersten Quartals 2018 wollen die Bankenwächter Maßnahmen vorstellen, wie mit den Altbeständen an ausfallgefährdeten Darlehen umgegangen werden soll. Dazu sollen auch angemessene Übergangsregelungen gehören.

Zu den Vorgaben soll es Ende November eine öffentliche Anhörung bei der EZB geben. Die Konsultationen sollen am 8. Dezember enden.

Zuletzt waren vor allem Italiens Geldhäuser wegen hoher Milliardenbestände an Problemdarlehen in die Schlagzeilen gerückt. Ihr Abbau gilt als schwieriges Unterfangen. Die US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet damit, dass Italiens Institute rund zehn Jahre benötigen werden, um ihre Bestände an faulen Krediten auf ein in Europa vorherrschendes Niveau zu verringern.

Von

rtr

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