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20.03.2006

08:41 Uhr

17 Milliarden Pfund schweres Übernahmeangebot

Prudential gibt Aviva einen Korb

Der britische Lebensversicherer Prudential hat ein von Beobachtern auf 17 Mrd. Pfund geschätztes Übernahmeangebot des größeren Konkurrenten Aviva zurückgewiesen. „Nach Einschätzung des Verwaltungsrats von Prudential ist der Vorschlag nicht im besten Interesse unserer Aktionäre, daher haben wir ihn abgelehnt", teilte das Unternehmen mit. Prudential hatte das Angebot, in dem es für je 100 Prudential-Aktien 82 neue eigene Anteilsscheine bietet, nach Informationen des „Wall Street Jounal“ am Samstag unaufgefordert vorgelegt. Eine Fusion beider Firmen würde den nach Marktwert fünftgrößten Versicherer der Welt schaffen.

HB LONDON. Prudential betonte weiter, der Konzern verhandele derzeit mit niemandem über ein mögliches Zusammengehen. „Wir bekräftigen hiermit unser Vertrauen in eine Zukunft als unabhängiges Unternehmen", hieß es in der Mitteilung. Gegenüber dem Marktwert von Prudential stellt das Aviva-Angebot ein Aufschlag von lediglich 6,25 Prozent dar.

Obwohl Aviva das Angebot für den Konkurrenten in den kommenden Tagen nachbessern könnte, ist ein feindliches Übernahmeangebot nicht zu erwarten. Denn der Kauf solle nur weiterverfolgt werden, wenn Prudential seinen Aktionären das Angebot über 17 Mrd. Pfund (rund 24,5 Mrd. Euro) empfehle, teilte Aviva am Montag in London mit. Aviva-CEO Richard Harvey sagte, dass ein feindliches Gebot nur „geringe Wahrscheinlichkeit“ habe, da unerbetene Übernahmen in der Lebensversicherungs-Industrie selten erfolgreich sind.

In einem anderen Bericht heißt es, dass Aviva in den nächsten Tagen unter Prudential-Investoren nach Unterstützung für ihr Angebot suchen werde. Wie der „Guardian“ berichtet, hätten sich am Sonntag Aviva-Führungskräfte unter der Leitung von CEO-Harvey getroffen, um die nächsten Schritte zu beraten. Dazu zähle auch eine mögliche Erhöhung des Gebots um 700 Pence je Aktie, berichtet die Zeitung weiter.

Der eigentliche Grund für das Interesse von Aviva an Prudential betrifft die jeweiligen Auslandsgeschäfte der beiden Versicherer. Während sich Aviva auf den Ausbau ihres europäischen Geschäfts konzentrierte, besitze Prudential durch ihr Tochterunternehmen Jackson National Life eine starke Präsenz in den USA. Außerdem habe Prudential eine gute Stellung im Asien-Geschäft.

Prudential ist der zweitgrößte, börsennotierte Lebensversicherer Großbritanniens. Das Unternehmen wird schon länger als wahrscheinliches Übernahmeziel von Aviva gehandelt. Auch der französische Axa-Konzern und der US-Versicherer AIG galten zuletzt als Interessenten. Die Prudential-Aktien stiegen im frühen Handel in London mehr als 11 Prozent, Aviva-Aktien verloren dagegen 1,2 Prozent.

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