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28.02.2013

12:11 Uhr

19 Milliarden Euro Miese

Spanische Bankia fährt Rekordverlust ein

Die verstaatlichte Krisenbank Bankia hat einen Rekordverlust eingefahren. Das spanische Geldhaus war durch die Immobilienkrise in Schieflage geraten. Die Bank will mit einem harten Sanierungskurs die Wende schaffen.

Die Zentrale der Bankia in Madrid. Das Bankhaus hat einen Rekordgewinn eingefahren. dapd

Die Zentrale der Bankia in Madrid. Das Bankhaus hat einen Rekordgewinn eingefahren.

MadridDas spanische Kriseninstitut Bankia hat 2012 den größten Verlust in der Wirtschaftsgeschichte des Landes geschrieben. 19,2 Milliarden Euro gingen wegen massiver Abschreibungen auf Schrottimmobilien verloren, wie das verstaatlichte Geldhaus am Donnerstag mitteilte. In diesem Jahr hofft der vor zwei Jahren gegründete Verbund angeschlagener Sparkassen auf die Wende und eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Mehr als 22 Milliarden Euro an faulen Immobilienkrediten sollen in diesem Zusammenhang bei der staatlichen Bad Bank geparkt werden. Tausende Jobs werden gestrichen und Geschäftsbereiche verkauft.

Zudem sollen Bankia und die ebenfalls neu gegründete Mutter BFA, bei der Beteiligungen an anderen Firmen gebündelt sind, insgesamt gut 18 Milliarden Euro an Kapital aus europäischen Hilfstöpfen bekommen. Die Verhandlungen hierüber laufen noch.

"Unsere Herausforderung besteht darin, Bankia wieder zu einer rentablen Einheit zu machen, die der Gesellschaft die Hilfen zurückgeben kann", erklärte Bankchef Jose Ignacio Goirigolzarri. Zusammen mit BFA summiert sich der Verlust gar auf 21,2 Milliarden Euro. Höhere Fehlbeträge verbuchten bislang in Europa in den vergangenen Jahren nur die Royal Bank of Scotland und die Fortis Bank.

Rekordverlust für Bankia

Video: Rekordverlust für Bankia

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Bankia ist zum Inbegriff der spanischen Bankenkrise geworden, als das Institut Mitte 2012 Milliarden-Staatshilfen benötigte. Die Regierung musste daraufhin in Europa mehr als 40 Milliarden Euro an Hilfen für den Finanzsektor beantragen. Das Land kämpft selbst mit einem hohen Schuldenberg und dem Misstrauen vieler Anleger. Die spanischen Banken mussten wegen des Preisverfalls am Immobilienmarkt massive Abschreibungen auf Kredite und wertlos gewordene Häuser verkraften, was viele an den Rand des Abgrunds brachte.

Chronologie der Krise - das Jahr 2012

13. Januar

Frankreich und Österreich verlieren Top-Bonität bei S&P.

22. Februar

S&P stuft Griechenland-Rating auf „selektiver Zahlungsausfall“ herab.

9. Juni

Spanien bittet um Hilfe für angeschlagenen Bankensektor.

14. Juni

Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen liegen über sieben Prozent.

5. Juli

EZB senkt Leitzins auf Rekordtief von 0,75 Prozent.

26. Juli

EZB-Präsident Mario Draghi sagt, er werde alles tun, um den Euro zu retten.

6. September

Draghi kündigt unbegrenzte EZB-Käufe von kurzlaufenden Staatspapieren von Euro-Staaten an.

Dank der staatlichen Unterstützung hofft Bankia bis 2015 auf eine Eigenkapital-Rendite von mehr als zehn Prozent, was dem Niveau führender europäischer Privatkundenbanken entspricht. Das Ziel ist ehrgeizig: Der Anteil fauler Kredite an den gesamten Darlehen liegt mit 13 Prozent noch immer deutlich über dem Branchenschnitt von 10,4 Prozent. Allerdings vertrauten die Kunden dem Institut im vierten Quartal wieder mehr Spareinlagen an, was die Bank optimistisch stimmt.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 11:52 Uhr

Spannend wäre doch zu wissen, wodurch diese enormen Verluste wirklich entstanden sind.

War es einfach "der Markt" bzw ein unvorhersehbares Ereignis (immobilienblase)? Oder war es eine Managementfehlleistung? Oder war es vielleicht doch eher eine gezielte Vermögensverschiebung, die als kriminell einzuordnen ist.

Wir werden es nie erfahren.

Michael

28.02.2013, 12:23 Uhr

Vielleicht sind auch nur "zufällig" wieder ein paar Milliarden an Mehrschulden aufgetaucht, die vorher übersehen wurden, die aber nun niemand so nennen möchte. "Huch, hier haben wir glatt das Minus vor den 19Mrd nicht gesehen." Nach und nach rettung, so zu sagen.

Ludwig500

28.02.2013, 12:29 Uhr

OK, und wer oder was wird jetzt gerettet mit den bisherigen und zukünftigen Hilfsmilliarden? Und weshalb sind sich die europäische Politiker und natürlich die ganzen Banken einig, das hier alternativlos Steuergeld reingebuttert werden muss?

Zugegeben, diese entlarvende Fragestellung ist nicht von mir. Auch Harald Schumann vom Tagesspiegel hat darauf schon Antworten gesucht. Und nur auf inoffiziellen Wegen gefunden.

Es werden andere Banken und deren reiche Investoren gerettet. Die arbeitende Bevölkerung rettet jene, die dank ihres Geldes nicht mehr arbeiten müssen.

Es geht immer nur um die Märkte, die alternativlos gerettet und stets beruhigt werden müssen, und wegen derer die EZB ihr Mandat über jede Grenze ausdehnt.

Und nochmal zur Klarstellung: Teilnehmer der Märkte ist man erst, wenn man mehr Zinsen bekommt als man an allen Steuern zusammen bezahlt. Wer sich als Kleinanleger oder Normalsparer bei der Rettung oder Beruhigung der Märkte umschmeichelt fühlt hat es einfach noch nicht kapiert.

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