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04.06.2014

15:55 Uhr

Abgang der HRE-Chefin

Bitter für Better

VonOliver Stock, Dietmar Neuerer, Lukas Bay

Abgang im Groll: Die Risiko-Managerin Manuela Better sollte die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) für die Privatisierung vorbereiten. Dann bremste der Bund ihre Arbeit aus. Nun schmeißt sie hin – aus guten Gründen.

Nach Streit

Better verlässt Hypo Real Estate

Nach Streit: Better verlässt Hypo Real Estate

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Düsseldorf/BerlinEs war kein leiser Abgang, sondern ein Protest. Nach vier Jahren an der Spitze der staatlichen Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) hat Bankenchefin Manuela Better am Dienstagabend ihren Job hingeschmissen. Sie sehe „keine Basis mehr“ für die Ausübung ihrer Mandate, erklärte sie knapp, aber deutlich. Die Spannungen mit dem Bund, der die Bank mehrheitlich kontrolliert, waren zuletzt offensichtlich zu groß geworden.

Die Bundesregierung ließ vor wenigen Wochen den Verkauf des deutsch-irischen Staatsfinanzierers Depfa platzen, der ebenfalls zur HRE gehört und seit der Krise kein Neugeschäft mehr macht. Die HRE - damals noch ein erfolgreicher Dax-Konzern - hatte die Depfa 2007 für fünf Milliarden Euro gekauft. In der folgenden schweren Finanzkrise hatte die Tochter den Mutterkonzern beinahe in den Abgrund gerissen, die HRE wurde vom Bund gerettet und verstaatlicht. Better hatte monatelang einen Käufer für die Depfa gesucht – und ihn schließlich in der amerikanischen MassMutual gefunden. Ein unterschriftsreifer Vertrag mit einem sehr anständigen Kaufpreis habe vorgelegen, heißt es.

Dann wechselte die Regierung in Berlin. Während Finanzminister Schäuble sich weiterhin für einen Verkauf ausgesprochen habe, hätten Vizekanzler und SPD-Chef Gabriel und seine Minister den Vertrag in den Gremien gekippt, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Die Kalkulation der Sozialdemokraten: Bei einer eigenen Abwicklung über die staatliche „Bad Bank“ FMS Wertmanagement könne der Bund rund 50 Millionen Euro mehr einnehmen als durch den Verkauf. Ein riskantes Spiel, denn eine Abwicklung dauert zehn Jahre, schätzen Branchenbeobachter. Wie sich der Wert der Bank in dieser Zeit entwickelt, könne niemand sagen. Better soll so erzürnt über den Kurswechsel gewesen sein, dass sie das Handtuch schmiss.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Dass die Sanierung der Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) nicht ihr Traumjob war, darum machte Manuela Better schon während ihrer Amtszeit kein Geheimnis. „Der Chefsessel bei der HRE ist nichts, womit man sich große Lorbeeren für die weitere Karriere verdienen kann. Aber wenn man gefragt wird, kann man als Vorstand auch nicht einfach nein sagen. Dann steht man in der Pflicht.“

Die heute 53-jährige Risikoexpertin Better übernahm das Ruder bei der HRE im März 2010 – damals war bereits ihr Vorgänger Axel Wieandt im Streit mit dem staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin Knall auf Fall von Bord gegangen. Schon vorher gehörte sie bereits zum engeren Zirkel des Instituts. Sie war bereits dabei, als die Bank im Herbst 2008 wegen akuter Liquiditätsengpässe ihrer Staatsfinanzierungstochter Depfa vor dem Aus stand und saß seit 2009 sogar im Vorstand. Ihr Vertrag wäre regulär erst im Februar 2017 ausgelaufen.

Kommentare (7)

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04.06.2014, 14:42 Uhr

Die Willkür der etablierten Parteien ist hier mal wieder voll zum Ausdruck gekommen. Und die Machtphantasien der Sozen drücken sich dahin gehend aus, dass Sie Fr. Better als ihr "Eigentum" betrachten.
Oder wie sind die Aussagen von Vize-Fraktionschef Carsten Schneider von der SPD zu verstehen.

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04.06.2014, 15:14 Uhr

Gibt eh zu viele Großbanken in Europa. Wirkliche Investoren gab es für die HRE mitsamt seinen Risiken nicht, ansonsten hätte der Bund den Laden auch verkauft. Betters wollte wohl statt reinen Abbau der Risiken auch Neugeschäft machen.

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04.06.2014, 16:01 Uhr

"Aus der SPD erntet Better scharfe Kritik für ihren Abgang. „Ich erwarte von hoch bezahlten Bankvorständen, dass sie Entscheidungen der Eigentümer akzeptieren, insbesondere dann, wenn die öffentliche Hand der Eigentümer ist“, sagt Vize-Fraktionschef Carsten Schneider."

Herr Schneider hat leider keine Ahnung davon, dass Vorstände die Entwicklung zu verantworten haben. Wenn Sie das, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, nach intensiver Abwägung nicht können, ist es gerade ihr gutes Recht, ja ihre Pflicht, die Brücke zu verlassen.

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