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13.10.2011

12:56 Uhr

Absage an Staatsgelder

Ackermann ist tief enttäuscht von der Politik

Josef Ackermann schiebt den Schwarzen Peter an die EU-Politiker zurück: Die Kapitalpolster der Institute seien nicht das Problem. Staatlich verordnete Finanzspritzen würden letztendlich die Steuerzahler belasten.

Josef Ackermann übt Kritik an Ideen aus der Politik. dapd

Josef Ackermann übt Kritik an Ideen aus der Politik.

BerlinDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann läuft als erster Top-Banker Sturm gegen staatlich verordnete Kapitalspritzen für die Finanzbranche. „Die aktuelle Rekapitalisierungsdebatte ist kontraproduktiv“, kritisierte der Schweizer am Donnerstag in Berlin. Denn sie signalisiere den Märkten, dass ein Schuldenschnitt in Griechenland wahrscheinlicher werde. Zudem könnten die Banken das Kapital derzeit nicht von privater Seite bekommen. Daher laufe alles auf weitere Staatshilfen hinaus, was die Schuldensituation der Länder verschärfe. „Die Deutsche Bank wird alles tun, um eine Zwangskapitalisierung zu vermeiden“, betonte der im nächsten Jahr scheidende Bankchef. Das größte deutsche Geldhaus verfüge über ausreichend eigene Mittel, um eine neue Krise zu meistern.

Die Europäische Union will die Kapitalausstattung der Banken stärken, um sie krisenfest zu machen. Hintergrund ist eine drohende Pleite Griechenlands und deren Folgen für andere Euro-Krisenländer. An den Märkten wird befürchtet, dass einige Banken als große Gläubiger dieser Staaten dann ebenfalls ins Taumeln geraten könnten. Ackermann sieht in der Kapitalausstattung der Banken aber nicht das eigentliche Problem, da sich diese in den vergangenen Jahren bereits deutlich verbessert habe. Es gehe vielmehr darum, dass Staatsanleihen wegen der aktuellen Debatte über eine Pleite Griechenlands nicht mehr als risikofreie Anlage zählen könnten. Experten sind sich einig, dass sie dadurch für viele Investoren an Attraktivität verloren haben.

Wie die Krise die europäischen Banken trifft

Die Geschichte wiederholt sich

Schon einmal mussten die Europäer ihre Banken 2008 retten. Nun steht die nächste Runde an. Finanzexperten begrüßen die Pläne der Europäer, die Kapitalpolster ihrer Institute zu stärken. Doch der Bedarf ist nicht überall gleich hoch: Die Krise trifft die Banken der Krisenländer unterschiedlich hart.

Portugal

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Banken gerade erst herabgestuft. Moody’s begründet das mit den Folgen, die eine portugiesische Staatspleite für die Banken haben könnte. Die bisherige Finanzkrise haben die Banken gut gemeistert und trotz der schwierigen Situation bislang keine staatlichen Kapitalspritzen benötigt. Stabilisiert hat die Banken, dass sie einen großen Teil ihres Finanzbedarfs durch Kundeneinlagen decken können. Die Einlagen sind laut der Ratingagentur Fitch bislang stabil geblieben.

Spanien

Eigentlich ist die Sanierung und Rekapitalisierung der Banken gerade abgeschlossen. Das gilt insbesondere für die Sparkassen, die zu viele Kredite an Bauträger vergeben hatten und die nach dem Platzen der Immobilienblase auf ihren unverkauften Wohnsiedlungen und unbezahlbaren Kreditschulden sitzen geblieben waren. Griechenland-Anleihen sind für die Banken zwar kein Thema, doch sie besitzen viele spanische Anleihen – und sind so durch die Ausweitung der Schuldenkrise bedroht.

Griechenland

Die Banken haben zwar die Finanzkrise 2008 gut überstanden, doch seit der Schuldenkrise hängen sie dennoch am Fliegenfänger. Würde es in Griechenland einen Schuldenschnitt geben, hätte das Land kein Geld für die Rettung seiner Banken. Zudem wird es für die Banken schwerer, EZB-Kredite zu erhalten. Dazu bräuchten sie neue Staatsanleihen, doch Griechenland finanziert sich nur noch über die EU und nicht mehr über Anleihen.

Italien

Die erneute Bonitätsherabstufung des Landes durch eine Ratingagentur trifft die Banken zur Unzeit. Sie sind zunehmend auf Notenbankkredite angewiesen, da auch gute Ergebnisse beim europäischen Stresstest die Nervosität der Investoren nicht zerstreuten. Zu schwer wiegt die Angst vor einer Insolvenz Italiens und den Folgen für dessen Banken. Das ist ungünstig, weil zumindest die Großbank Unicredit noch eine Kapitalerhöhung plant. Das hatte die Notenbank von allen Instituten eingefordert, und bis auf Unicredit sind dem auch alle gefolgt. Kein Wunder, dass der designierte Zentralbankchef Italiens, Fabrizio Saccomanni, nach dem Ratingurteil extra betonte, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhalte.

Großbritannien

Nach Meinung des britischen Finanzministers George Osborne sind britische Banken „liquide und gut kapitalisiert“. Von Moody’s wurden die Institute dennoch herabgestuft. Die Regierung werde zwar wohl weiterhin wichtige Banken unterstützen, aber unter Umständen das Zusammenbrechen kleinerer Finanzinstitute zulassen, heißt es zur Begründung. Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der „Financial Times“, wonach die Royal Bank of Scotland einem Regierungsvertreter zufolge wohl auch noch einmal Staatshilfen bekäme, „wenn es in Europa einen breit angelegten Vorstoß zur Rekapitalisierung von Banken gibt“.


Auch Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis kritisiert die von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch vorgestellten Pläne scharf. Die Ursache der aktuellen Krise liege darin, dass viele Regierungen zu viele Schulden aufgenommen hätten, und nicht bei den Banken. „Es ist doch eigentlich Unsinn, wenn man nun sagt, die Staaten zahlen ihre Schulden nicht zurück und deshalb geben die Staaten den Banken Geld, damit sie das verkraften können“, sagte Haasis im Deutschlandfunk.

Der Kapitalbedarf für die einzelnen Häuser soll in einem Blitz-Stresstest ermittelt werden. Darin unterstellt die Europäische Bankenaufsicht EU-Kreisen zufolge, dass alle Staatsanleihen der Euro-Krisenländer zu aktuellen Marktpreisen bewertet werden. Alle Institute, die unter diesen Bedingungen nicht mindestens eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen, müssen sich den Plänen zufolge frisches Kapital besorgen, wie mehrere Insider bestätigten.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

13.10.2011, 10:12 Uhr

Oh Ackermann. Er soll wirklich die Klappe halten. Auch Deutsche ist nicht fehlerfrei. Wenn er dies wirklich denkt, soll er alle die "gute" Banken finanzieren, da es kein Risiko ist. Tut er aber nicht. Aslo - neues Kapital soll her. In erster Linie vom Börsenpublikum. Zu niedrige Preise stimmt, die heutige Eigentümer wrden blute stimmt, aber die haben auch profitiert wenn alles "gut" ging. Ohja und alle Staatanleihen der Banken sollen zu Niedrigstkursen in Kapital umgesetzt werden. Da kann der Staat verdienen.

sterbende_demokratie

13.10.2011, 10:30 Uhr

Zitat:
"„Nicht die Kapitalausstattung der Banken ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Aktiva verloren haben“

Das düfte die Kernaussage sein.
Die wohl beste Definition die seit langem für den aktuellen Zustand -der den Menschen sonst fälschlicherweise immer als Eurokrise verkauft wird- abgegeben wurde.

Allerdings Herr Ackermann, wenn Sie schon Bilanzen ins Spiel bringen, nach goldenen Bilanzregeln war dieser Zustand in Bezug auf Einnahmen/Ausgaben bei den europäischen Staaten auch schon vor dieser "Kriese".

Es hat nur keinen Bankster gestört weil man auf Bürgschaften der anderen vertraute.
Gegen diese realitäsfremden Bürgschaften unkompetenter Politik laufen aber so langsam die dummen Steuerzahler an.....gelle

Eierkopp

13.10.2011, 10:40 Uhr

Dass Staatsanleihen risikofrei sind, d.h. nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen, ist gesetzlich so geregelt. Jetzt generell mehr Eigenkapital zu fordern, ist Blödsinn. Statt dessen müssten Staatsanleihen endlich mit Eigenkapital hinterlegt werden. Aber das würde die Nachfrage dämpfen und damit Staatsverschuldung teurer machen. Daher machen die Regierigen lieber eine Showveranstaltung und beschuldigen die Banken.

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