Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2013

17:40 Uhr

Abschreibungen auf Detroit

Nach Commerzbank-Debakel fordern die Grünen Konsequenzen

VonDietmar Neuerer

Eine Tochter der Commerzbank hatte Millionenbeträge in die US-Pleitestadt Detroit investiert. Die Bank muss nun Abschreibungen vornehmen. Grünen-Politiker fordern nun striktere Regeln – für alle Geldhäuser.

Die Commerzbank muss Abschreibungen auf ihr Engagement in Detroit vornehmen. Reuters

Die Commerzbank muss Abschreibungen auf ihr Engagement in Detroit vornehmen.

BerlinDie Grünen haben sich nach dem Detroit-Debakel der Commerzbank für schärfere Regeln beim Handel mit Wertpapieren ausgesprochen. Detroit gehe es nicht erst seit ein paar Jahren schlecht. „Die Entscheidung, Detroit einen so großen Betrag zu leihen, war daher sicherlich keine Kreditentscheidung mit fundierter Kreditanalyse. Wahrscheinlich hat das Management der Eurohypo Anlagen mit Top-Rating gesucht, für die es kein oder kaum Eigenkapital vorhalten musste“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Insofern zeigt diese Debakel wieder einmal, warum das Geschäftsmodell der Ratingagenturen reformiert werden muss und warum wir eine Schuldenbremse, sprich harte leverage ratio brauchen, damit Banken nicht mehr vermeintlich sichere Wertpapiere quasi ohne Eigenkapital kaufen können.“

Hintergrund ist ein Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wonach die teilverstaatlichte Commerzbank wegen der Insolvenz der US-Stadt Detroit eine Abschreibung in nicht genannter Höhe vorgenommen hat. Die Bank bestätigte, dass sie der Stadt über Töchter Kredite gegeben habe. Dabei soll es sich laut „FAZ“ um ein Volumen von mehr als 400 Millionen Dollar handeln. Dem Bericht zufolge vergab die Problemtochter Eurohypo den Kredit an Detroit.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die „Bad Bank“ der Hypo Real Estate, FMS Wertmanagement, hält Anleihen der Stadt Detroit über 200 Millionen Dollar, die zum Teil ebenfalls bereits wertberichtigt sind. Die verstaatlichte belgische Dexia hatte Detroit 305 Millionen Dollar geliehen, muss aber im zweiten Quartal nur noch 59 Millionen Euro davon abschreiben. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's hatten vor der Pleite zuletzt im Juni die Bonität der strauchelnden Metropole herabgestuft. Bei beiden Agenturen rangierte Detroit tief im Bereich der Schrottpapiere.

Es sei gut möglich, dass Detroit erst die erste große kommunale Pleite in den USA sei, sagte Schick. „Wer meint, dass die Finanzkrise vorbei ist, ist einmal mehr als Gesundbeter entlarvt.“ Auf jeden Fall werde deutlich, dass deutsche Banken mal wieder bei einem Debakel am Finanzmarkt an vorderster Stelle dabei sind. „Der Mythos, Deutschland sei nur Opfer der Finanzkrise, ist eindeutig entlarvt“, betonte der Grünen-Politiker. „Unverantwortliche Kreditvergabe deutscher Banken ist eine wesentliche Ursache der Finanzkrise.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

schlaumeier

25.07.2013, 17:55 Uhr

400 Mio. von 14 Mrd. sind 3%. Die CoBank finanziert dieser Stadt also 3% der Gesamt-Schulden. Wie blöd muss man eigentlich sein? Wo ist Jörg Krämer, der Chef-Komiker
(sorry: Volkswirt) von diesem Laden. Sonst weiß dieser Schlaumeier doch zu jedem MIST seine Weisheiten. Das mal zum Thema Banken + Volkswirte = saudummes Pak.

Heho

25.07.2013, 18:30 Uhr

Ob Herr Schick auch die Frage beantworten kann, warum er 1910, als die Schieflage Griechenlands bekannt wurde den Kauf griechischer Staatsanleihen und die sofortige finanzielle Unterstützung der griechischen Regierung befürwortet hat?
Der Politiker Schick ist nicht dafür bekannt, daß er Geld nach rationalen wirtschaftlichen Kriterien investiert.
Der Opportunismus diese Mannes widert einen an!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×