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20.03.2014

13:47 Uhr

Absprachen bei Referenzkursen

Britische Notenbank gerät unter Druck

Die Notenbank behauptete, sie hätte erst 2013 davon erfahren, dass einzelne Banker sich falsch verhalten haben. Nun kristallisiert sich heraus: Die Bank of England billigte die illegalen Handlungen der Mitarbeiter lange.

Ihm könnte das Lachen demnächst vergehen: Bank of England-Chef Mark Carney hat womöglich gelogen und wusste schon früher von illegalen Absprachen. AFP

Ihm könnte das Lachen demnächst vergehen: Bank of England-Chef Mark Carney hat womöglich gelogen und wusste schon früher von illegalen Absprachen.

LondonIn der Affäre um manipulierte Devisenkurse gerät die britische Notenbank zusehends in Erklärungsnöte. Der Aufsichtsbehörde liegt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters erstmals eine Abschrift eines Händler-Eintrags in einem Online-Forum vor, der zentrale Aussagen der Bank of England (BoE) infrage stellt. Mehrere Händler sind in Verdacht geraten, sich über Chatrooms oder Emails bei Devisen-Referenzkursen abgesprochen zu haben. Die Führungsebene der Zentralbank hat nach Worten ihres Chefs Mark Carney erst im Oktober 2013 erstmals von den Vorwürfen erfahren. In dem nun der Aufsicht vorliegenden Chat-Beitrag sagt ein Händler allerdings, dass Notenbankmitarbeiter den Austausch vertraulicher Kundeninformationen unter den Händlern im April 2012 stillschweigend gebilligt hätten.

Diese Praxis trage aus Sicht der BoE-Mitarbeiter dazu bei, die Möglichkeit von Marktschwankungen zu verringern, heißt es in dem Chatbeitrag. Dieser war kurz nach einer Sitzung des gemeinsamen Ausschusses von Notenbank und Marktteilnehmern im April 2012 verfasst worden. Von dem Treffen hat die BoE wie auch von anderen Sitzungen Protokolle zusammengestellt. Die Abschrift wurde allerdings erst im Januar 2014 veröffentlicht. Daraus ergibt sich laut Notenbank kein Hinweis, dass „über faktische oder angebliche Manipulationen“ diskutiert wurde.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Auch in den USA gehen die Ermittler Unregelmäßigkeiten am Devisenmarkt nach, auf dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden. Die Bank of England untersucht selbst, ob Personal von etwaigen Devisenmanipulationen gewusst oder gar an ihnen beteiligt war. Sie hat einen Mitarbeiter bereits vom Dienst suspendiert.

Von

rtr

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