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28.03.2006

10:02 Uhr

Abwicklung in sechs Zentren

Deutsche Bank verlagert Jobs nach Indien

Die Deutsche Bank verlegt in großem Stil Abwicklungstätigkeiten nach Indien. Auch anderere Banken nutzen die niedrigen Löhne und die gute Ausbildung indischer Arbeitskräfte. So verlagert beispielsweise auch die Commerzbank Arbeiten in Billiglohnländer.

pot FRANKFURT. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge wird der Bereich Wertpapierhandel bis Ende 2007 die Zahl der Stellen in der Abwicklung in Niedriglohnländern auf knapp 2 000 verdreifachen. Insgesamt seien 4  00 Mitarbeiter im Wertpapierhandel mit Abwicklungsaufgaben beschäftigt, die meisten davon in London und New York. Zudem solle die Zahl der in Indien tätigen Analysten von 350 auf 500 steigen. Dann würde gut die Hälfte aller Analysten dort arbeiten.

Die Deutsche Bank wollte gestern nicht sagen, wie viele Mitarbeiter mit Abwicklungstätigkeiten in Indien betraut werden. Ein Sprecher verwies lediglich darauf, dass die Bank bereits vor einem Jahr die Verlagerung von Mitarbeitern in Niedriglohnländer angekündigt habe. Im Februar 2005 hatte Konzernchef Josef Ackermann den Abbau von 6 400 Stellen bekannt gegeben und zugleich gesagt, dass 1 200 Stellen in billigere Standorte verlagert werden sollten. Dafür hatte die Bank den Namen „smart sourcing“ in die öffentliche Debatte eingeführt.

In Betriebsratskreisen wurde zudem darauf verwiesen, dass in der Bank seit einiger Zeit Überlegungen zur Konzentration der Abwicklungseinheiten unter dem Namen „Structured Operating Model“ (SOM) kursieren. Bei diesen Plänen, die die Industrialisierung der Bankprozesse vorantreiben sollen, wird die Bündelung der Abwicklung in sechs Zentren rund um den Globus erwogen. Drei davon sollen in Niedriglohnländern angesiedelt sein, konkret in Bombay, Bangalore und Manila. Dort werden die kundenfernen Abwicklungstätigkeiten gebündelt. Die kundennahe Abwicklung soll in Frankfurt, New York und London konzentriert werden.

Die Deutsche Bank ist nicht die einzige, die die niedrigen Löhne und die gute Ausbildung indischer Arbeitskräfte nutzt. Vor allem angelsächsische Banken zieht es nach Indien. Auch die Commerzbank verlagert Arbeiten in Billiglohnländer, wenn auch in weit kleinerem Umfang: Nach Angaben einer Sprecherin sind etwa 60 Mitarbeiter in Prag damit beschäftigt, fehlerhafte Überweisungen zu überprüfen.

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