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20.06.2012

12:31 Uhr

Abwicklung

WestLB kostet Steuerzahler 18 Milliarden Euro

Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalens hat im Fall WestLB nachgerechnet. Summa summarum kostet die Abwicklung der Landesbank den Steuerzahler 18 Milliarden Euro.

Die WestLB ist bald Geschichte - die Nachfolgesellschaft heißt Portigon. dpa

Die WestLB ist bald Geschichte - die Nachfolgesellschaft heißt Portigon.

DüsseldorfDer Niedergang und die Abwicklung der WestLB wird den Steuerzahler am Ende rund 18 Milliarden Euro kosten. Das geht aus Berechnungen des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums hervor. Rund die Hälfte der Summe entfalle auf das Land, den Rest teilten sich der Bund und die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, sagte der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans (SPD), am Mittwoch.

In der Summe enthalten sind nach Angaben des Ministers alle Kosten von der Wertvernichtung durch den Niedergang der Bank in den vergangenen Jahren, über die Milliarden für Staatsgarantien bis hin zu den Pensionslasten. Die WestLB muss auf Druck der EU-Kommission zum Monatsende als Konsequenz jahrelanger milliardenschwerer Staatshilfen zerschlagen werden.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Seit Dienstag scheint die Aufspaltung nach wochenlangem Tauziehen so gut wie in trockenen Tüchern. Die Beteiligten an den Verhandlungen verkündeten eine Grundsatzeinigung über die Verteilung der Lasten und sendeten damit ein Signal an die EU.

„Damit ist der Weg frei für die beschlossene Umstrukturierung der WestLB“, sagte der parlamentarische Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU), der sich für die Bundesregierung in die Gespräche eingeschaltet und auf eine Einigung gepocht hatte. Von der einstmals größten deutschen Landesbank bleibt nur das Geschäft mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen übrig, das mit 451 Mitarbeitern an die hessische Landesbank Helaba geht, der Rest wird in den nächsten Jahren abgewickelt.

Zuletzt hatte ein Streit um die Risiken aus einem rund 230 Millionen Euro schweren Derivate-Portfolio die Verhandlungen belastet, weil die Helaba diese nicht schultern wollte. Nun übernehmen das Land Nordrhein-Westfalen und die Sparkassen des Landes über die WestLB-„Bad Bank“ EAA die Risiken, 80 Millionen Euro soll die WestLB selbst beisteuern, bevor sie per Ende Juni geschlossen wird.

„Die Regelung erfordert kein zusätzliches Kapital“, betonte Walter-Borjans. „Wir haben in harten Verhandlungen eine ausgewogene Lösung für die WestLB erreicht“, sagte er am Dienstag. „Das war eine schwere, aber erfolgreiche Geburt.“

Kommentare (3)

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Esreicht

20.06.2012, 13:18 Uhr

Es ist schon toll (oder tollwütig) vieviele Banker/Bankster (und deren Porsche's und Villen)der normale deutsche Steuerzahler finanzieren muss. Dank unsrer "hochintelligenten" Politiker.

theaterkritik

20.06.2012, 13:30 Uhr

...da lese ich 'Pensionslasten' - wieso denn eigentlich ? Die 'Rückstellungen' sind ja wohl in keinem Fall verdient - mehr wohl erschlichen und erlogen . So wie alles der sogenannten West-LB: eine Versorgungsmafia für abgewrackte Politiker und ihre Vasallen.

Account gelöscht!

20.06.2012, 13:35 Uhr

Ja, die "hochintelligenten" Politiker muß man nach den vielen Parteienspenden und Amigopöstchen fragen.

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