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03.09.2012

13:38 Uhr

Abwicklungsanstalt

Bad Bank der WestLB schultert weitere 100 Milliarden

Die Bad Bank EAA hat ein neues 100-Milliarden-Kapitel aufgeschlagen – ohne größere Belastungen für den Steuerzahler, wie die Bank mitteilt. Ziel sei eine schwarze Null am Ende des Abwicklungszeitraums.

Die Erste Abwicklungsanstalt schultert weitere Milliarden. dpa

Die Erste Abwicklungsanstalt schultert weitere Milliarden.

DüsseldorfDie Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA) will weitere rund 100 Milliarden Euro aus der Erbmasse der ehemaligen WestLB ohne größere Belastungen für den Steuerzahler schultern. „Unser Ziel bleibt es, den zügigen Abbau des Portfolios fortzusetzen und am Ende des Abwicklungszeitraums eine schwarze Null zu erreichen“, sagte Vorstandsmitglied Matthias Wargers am Montag in Düsseldorf.

Die EAA war vor rund zweieinhalb Jahren als Reste-Rampe der WestLB mit Portfolien in einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro an den Start gegangen. Bis zur Jahresmitte 2012 reduzierte die EAA die ihr übertragenen Risiko-Kredite und Staatsanleihen auf rund 45 Milliarden Euro. Bis Dezember will der Vorstand nun eine Abwicklungsstrategie für das neue, dann rund 150 Milliarden Euro umfassende Portfolio vorlegen.

Die EAA war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Giftpapiere der WestLB zu verwerten - mit milliardenschweren öffentlichen Garantien im Rücken. Mitte 2012 wurde nun die WestLB nach langem Streit mit der EU-Kommission um öffentliche Beihilfen und Garantien vollständig zerschlagen. Rund 100 Milliarden Euro aus ihren Beständen landen bei der EAA.

Die Übertragung soll bis zum Jahresende vollzogen sein, dann schlägt die EAA ein neues Kapitel auf. Unter anderem landet dann auch die Immobilienbank WestImmo in ihren Büchern. Der WestLB war es nicht gelungen, das Institut vor ihrer Zerschlagung zu verkaufen.

Die beiden EAA-Chefs Wargers und Markus Bolder haben seit der Einrichtung der EAA bereits Risikopositionen mit einem Volumen von rund 32 Milliarden Euro abgewickelt. Das letzte Halbjahr 2012, allein von dem ursprünglichen WestLB-Portfolio geprägt, konnten sie sogar mit einem positiven Ergebnis abschließen - nach Steuern blieben nach sechs Monaten 9,7 Millionen Euro.

Das Eigenkapital konnte die EAA damit leicht auf 624 Millionen Euro erhöhen. Es ist indes seit dem Start der EAA deutlich geschmolzen - nicht zuletzt aufgrund von Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. Die Bad Bank war mit 3,1 Milliarden Euro Eigenkapital gegründet worden.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Frankie

03.09.2012, 15:32 Uhr

Das Ergebnis jahrzehntelanger SPD Politik am Rhein: die grösste deutsche Bad Bank. Und heute kaufen Finanzminister Hehlergut. Mutti Kraft ersetzt Mutti Merkel. Da wird bestimmt alles gut.

black

03.09.2012, 15:45 Uhr

Bei einer Standardfirma würde ich dazu sagen: das ist Insolvenzverschleppung.
Bei dieser Verdrehung sei die Frage erlaubt: warum kann ein kleiner Mittelständer nicht auch seine "Bad-Risiken" einfach auslagern statt eine Pleite hinzulegen?

Makrooekonom

03.09.2012, 15:53 Uhr

Schrottplatz bleibt Schrottplatz. Mit diesem Artikel erreicht die Volksverdummung einen weiteren traurigen Höhepunkt. Natürlich belasten die Bad Banks die Steuerzahler. Sonst hätten diese Konstruktionen doch keinen Sinn. Die Hoffnung dahinter lautet simpel: Verluste über die Zeit verteilen bis es niemanden mehr kratzt.

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