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08.06.2015

11:37 Uhr

Achleitner preist neuen Deutsche-Bank-Chef

„Er spricht gut deutsch“

Zuletzt hatte sogar der Betriebsrat der Konzernzentrale gegen die Deutsche-Bank-Spitze gewettert. Nach dem Abschied Anshu Jains preist der Chefaufseher den Nachfolger John Cryan in einem Brief an die Belegschaft.

Der Neue bei der Deutschen Bank

Wer ist John Cryan?

Der Neue bei der Deutschen Bank: Wer ist John Cryan?

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FrankfurtDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner setzt darauf, dass der künftige Vorstandschef John Cryan den „Kulturwandel“ des Instituts glaubhaft verkörpert. „John Cryan ist nicht nur ein erfahrener Banker (...), sondern steht persönlich und beruflich für die Werte, die nötig sind, die Deutsche Bank voranzubringen und die Strategie 2020 erfolgreich umzusetzen“, lobte Achleitner den designierten Nachfolger von Anshu Jain in einem Reuters am Montag vorliegenden Brief an die 100.000 Mitarbeiter der größten deutschen Bank. Zuletzt hatten sich auch Teile der Belegschaft gegen Jain gestellt: Der Betriebsrat in der Deutsche-Bank-Zentrale forderte offen einen „radikalen Neuanfang“.

Indirekt kontrastiert der Aufsichtsratschef in dem Brief die Qualitäten Cryans mit Jains kritisierten Schwächen. Cryans Name sei nicht mit Altlasten verbunden, und er spreche gut Deutsch, betonte Achleitner. Jains Glaubwürdigkeit hatte stets darunter gelitten, dass er vor seinem Antritt als Co-Vorstandschef das Investmentbanking geführt hatte, das der Deutsche Bank einen Großteil der milliardenteuren Altlasten und Rechtsstreitigkeiten eingebrockt hat, unter denen sie leidet. Zudem hatte der Inder Jain trotz aller Beteuerungen, die Sprache zu lernen, sich nur selten auf Deutsch geäußert. Auf der Hauptversammlung ließ er seine Rede simultan vom Englischen ins Deutsche übersetzen.

Achleitner warb für Cryan: „Ich bin überzeugt, dass Sie die Wertschätzung des Aufsichtsrats für ihn teilen werden, sobald Sie ihn kennengelernt haben“, hieß es in dem Brief weiter. Der Brite sitzt seit zwei Jahren im Aufsichtsrat der Deutsche Bank. „Er bringt eine externe Sichtweise mit ein, aber verfügt über profunde Kenntnisse zur Deutsche Bank.“ Jain hatte 20 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet, sein Partner in der bisherigen Doppelspitze Jürgen Fitschen sogar 28 Jahre.

Die internationale Presse zum Deutsche-Bank-Umbau

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz)

Will man einen Teich trockenlegen, sollte man besser nicht die Frösche um Rat fragen. Diese alte Weisheit scheint der Aufsichtsrat der Deutschen Bank befolgt zu haben, als er am Sonntag John Cryan zum neuen operativen Chef der Bank gewählt hat. Aufräumen muss ein Neuer, einer, der sowohl innerhalb der Bank wie auch außerhalb, bei Aktionären und in der Öffentlichkeit, glaubwürdig für frischen Wind sorgen kann. Cryan erfüllt dieses Kriterium zumindest insofern, als er nicht dem Investment-Banking-Sumpf der Deutschen Bank entstammt. Auf ihn kommt viel Arbeit zu, denn der Teich, der die „Deutsche“ in Verruf gebracht hat, ist noch nicht trockengelegt - die meisten Frösche sind noch da.

„Times“ (Großbritannien)

Mitten im Kampf der Deutschen Bank, eine Fülle von Skandalen zu bereinigen, sind ihre unter Druck stehenden Co-Vorstandschefs unerwartet von ihren Posten zurückgetreten. Nach Spekulationen an den Märkten könnte dieser plötzliche Führungswechsel bei der Bank, die zu den weltweit größten Investment-Häusern gehört, durch wachsenden Druck globaler Aufsichtsgremien und Investoren ausgelöst worden sein, die für eine neue Führung plädierten, um Vertrauen zurückzugewinnen.

„Jyllands-Posten“ (Dänemark)

Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren von einer Reihe von äußerst unangenehmen Fällen geplagt. Einige davon hatten die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei ihrer Ernennung im Jahr 2012 übernommen, andere kamen seitdem hinzu, aber fast keiner von ihnen wurde gelöst. Zur gleichen Zeit ähnelte die Aktienentwicklung der Bank in den vergangenen drei Monaten der Fieberkurve eines schwer kranken Patienten.

„Svenska Dagbladet“ (Schweden)

Anshu Jain, der für den Investment-Banking-Bereich zuständig ist, wurde zum Sündenbock für große Einschnitte gemacht und in Deutschland heftig kritisiert. Gleichzeitig wurde Jürgen Fitschen in den Skandal um die Mediengruppe Kirch 2002 verwickelt.

„Corriere della Sera“ (Italien)

Zu viele Finanzskandale, zu viele bezahlte Strafen, schwaches Vertrauen der Investoren, stockende Kurse an der Börse: Am Ende haben sie bei der Deutschen Bank entschieden, dass ein kompletter Wandel nötig ist. Und dafür bezahlen müssen die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. (...) Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wahl des neuen Chefs auf John Cryan gefallen ist, der mehr Kontrolleur als Geschäftsmann ist.

„El País“ (Spanien)

Eine Serie von Skandalen beschleunigt die Wachablösung an der Spitze der Deutschen Bank. Die beiden Chefs des größten deutschen Geldinstituts kündigen überraschend ihr Adiós an.

„Hospodarske Noviny“ (Tschechien)

Zu dem Wechsel auf den höchsten Posten kommt es nur einen Monat, nachdem die Hauptversammlung eine neue Strategie gebilligt hatte. Deren Ziele sind es, den Gewinn und die Rendite des eingesetzten Kapitals zu erhöhen. Denn in den zurückliegenden Jahren sah es mau aus.

„Jegliche Kritik an der Art und Weise, wie sie die Bank geführt haben, darf nicht den substanziellen, jahrzehntelangen Beitrag überschatten, den sie für unsere Bank geleistet haben“, ging Achleitner erneut auf Distanz zur Doppelspitze, die seit fast genau drei Jahren amtiert. Cryan soll Jain von Juli an als Teil des Führungsduos ersetzen. Nach der Hauptversammlung 2016 soll er die Bank allein führen. Die Entscheidung von Fitschen und Jain, vorzeitig abzutreten, zeige „auf beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen“, schrieb Achleitner.

Von

rtr

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