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15.11.2011

06:51 Uhr

Ackermanns Abschied

Sein Ende ist ein Anfang

VonOliver Stock

Mit dem endgültigen Abgang von Josef Ackermann endet eine Ära. Aus Sicht der Aktionäre ist das gut so. Und auch die Deutsche Bank hat nun die Chance auf einen Neuanfang - und der tut Not. Ein Kommentar von Oliver Stock.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gestern in Frankfurt. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gestern in Frankfurt.

Wir können aufatmen. Die Deutsche Bank hatte bei ihrer Entscheidung, wer Nachfolger von Josef Ackermann wird, zwei Fehler gemacht: Erstens hat sie nicht einen Kandidaten für die Spitze nominiert, sondern derer gleich zwei, die sich die Sache teilen sollen.

Dadurch hat sie keine dauerhafte Lösung geschaffen. Zweitens hat sie sich nicht von Ackermann getrennt, sondern beabsichtigte, ihn in den Aufsichtsrat zu hieven - ein klarer Bruch aller Regeln der guten Unternehmensführung. Dieser zweite Fehler ist nun behoben:  Ackermann verlässt die Bank, und das ist besser als jede andere Lösung. Es ist ein Sieg für die Aktionärsdemokratie.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Die Bank allerdings muss den Atem anhalten. Sie ist mit ihrer Form der Nachfolgeregelung komplett gegen die Wand gefahren. Sie hat erst einen quälend langen und mit vielen Verwerfungen behafteten Findungsprozess vorgeführt, dessen Ergebnis dann vor dem Vollzug wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Offenbar haben die Aktionäre, die Ackermanns nahtlosen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze hätten eindeutig durchwinken müssen, sich nicht damit anfreunden können.

Sicher nicht geholfen hat, dass Ackermann auch noch als Zeuge in jenem Prozess keine gute Figur gemacht hat, den der inzwischen seliger Medienunternehmer Leo Kirch gegen Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer angestrengt hat.

Kommentare (20)

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frankfurter

15.11.2011, 07:43 Uhr

die hoch angesehene Deutsche Bank braucht einen Neuanfang?
Breuer und auch Ackermann haben den Ruf entscheidend mitzuverantworten. Welch neue Erkenntnisse,was müssen wir jetzt in der meinungsmachenden Presse lesen.
Also wenn ich als Redakteur bisher das Gegenteil geschrieben und die Politik auch noch Ackermann so entscheidend unterstützt hat, dann kann man nur zu einer Erkenntnis kommen, die Presse und die Politik wurden mit einer gewissen Bauernschläue lange Jahre über den Tisch gezogen. Ein Armutszeugnis für unsere Wirtschaftslenker und Wirtschaftsweisen.

Moika

15.11.2011, 08:31 Uhr

Danke, Sie ersparen mir einen eigenen Kommentar.

Poolliter

15.11.2011, 08:32 Uhr

Redlichkeit und "gute alte Kaufmannsehre" hat dieser Herr schon längst auf dem Altar von gierigen Gewinnzielen, Millionen-Bonussen und Gehältern für die "1%" geopfert.
Einen besseren Abgang hat so jemand wahrlich nicht "verdient".
Möge er in Zukunft mit seiner Familie "Rotwein geniesen und schweigen"!

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