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10.01.2005

08:31 Uhr

Ähnlich wie in Deutschland gibt es zu viele Banken – Übernahmen versprechen Synergieeffekte

Italienische Banken laufen sich für eine neue Fusionswelle warm

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Italiens Finanzbranche rüstet sich für eine neue Konsolidierungswelle. Nachdem die Banken des Landes in den vergangenen vier Jahren vornehmlich mit internen Aufräumarbeiten und Restrukturierungen beschäftigt waren, stehen nun Fusionen und Übernahmen vor der Tür.

MAILAND. „Es gibt gute Gründe und klare Signale für mehr M&A’s in diesem Jahr,“ sagt Emilia Colombo, Leiterin der Aktienanlage bei der Fondsgesellschaft BPM-Gestioni in Mailand. Zu den Gründen zählen analog zu Deutschland eine Überbesetzung des Marktes sowie ein vergleichsweise geringer Konzentrationsgrad der Bankenlandschaft südlich des Brenners. Entsprechend große Synergien winken bei Fusionen.

Außerdem drängen mittlerweile mit immer größerer Vehemenz ausländische Finanzkonzerne darauf, durch Übernahmen Fuß in dem äußerst profitablen Markt zu fassen. Allerdings wacht der für die Bankenaufsicht zuständige Notenbankgouverneur Antonio Fazio nach wie vor penibelst über die „nationalen Interessen“ und bevorzugt klar heimische Aggregationen. Dennoch: Speziell die niederländische Großbank ABN Amro – Großaktionär der Römer Capitalia-Gruppe und der Volksbank Antonveneta – sowie die spanische BBVA, die 15 Prozent an der Römer Banca Nazionale del Lavoro hält, haben zuletzt Fazio aufgefordert, den Weg für vollständige Übernahmen frei zu machen. Notfalls, so die Drohung, könnten sie auch auf europäischer Ebene gegen den italienischen Protektionismus klagen, was Fazio alles andere als recht wäre. So könnte das Jahr 2005 einen Wendepunkt für die Interessen ausländischer Bankkonzerne in Italien markieren.

Bei alledem bleiben Italiens Geldhäuser nicht passiv. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was 2005 auf breiter Front passieren könnte, hat die Turiner Großbank San Paolo im November vorexerziert. Durch eine Fusion „unter Gleichen“ mit dem belgisch-französischen Finanzkonzern Dexia sollte mit einer Bilanzsumme von 580 Mrd. Euro eine der fünf Top-Banken der Euro-Zone entstehen. Das Projekt musste aber auf Grund eines Vetos der belgischen Anteilseigner vom Management zurück gezogen werden. Dennoch zeigt dies, wohin die Reise gehen soll: Italiens Großbanken, zu denen San Paolo als Nummer drei zählt, fühlen sich mittelfristig zu klein, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Daher suchen sie nach Möglichkeiten, durch Übernahmen oder Fusionen zu wachsen.

Als mögliche Initiatoren gelten in Finanzkreisen die Mailänder Banken Intesa und Unicredito Italiano. Das von Alessandro Profumo geleitete Haus hat zuletzt zwar nicht mehr die Dynamik vergangener Zeiten aufgewiesen, zählt aber mit einem Betriebsergebnis von 3,3 Mrd. Euro und einem Nettogewinn von 1,5 Mrd. Euro in den ersten neuen Monaten 2004 zu den profitabelsten Häusern in Europa. Intesa, geführt von Corrado Passera, ist im Laufe des Jahres dank dramatischer Erfolge bei der Restrukturierung wieder zu einer absoluten Großmacht aufgestiegen: Zuletzt hat sie mit einem Quartalsreingewinn von 465 Mill. Euro den lange dominierenden Unicredito erstmals überrundet.

Nach der gescheiterten DexiaOperation erscheint hingegen San Paolo zuletzt geschwächt. Gerüchte, Unicredito könnte durch eine Übernahme des Turiner Konzerns zum großen Schlag ausholen, machen zum Jahreswechsel in Mailand schon wieder die Runde. Auch die Capitalia-Gruppe, bei der CEO Matteo Arpe schöne Sanierungserfolge erzielt hat, erscheint noch zu schwach, um tatsächlich mit den Wölfen heulen zu können. Sollten sich der Großaktionär ABN Amro beim Notenbankgouverneur Fazio Gehör verschaffen, würde einer Fusion mit der nordostitalienischen Antonveneta nichts mehr im Wege stehen. Im gegenteiligen Falle wird derzeit eine Fusion zwischen der Antonveneta mit der Volksbank von Lodi, Banca Popolare di Lodi, diskutiert. Hierdurch würde die sechstgrößte Bank des Landes entstehen.

Experten glauben, dass die M&A’s bei den kleineren Banken in diesem Jahr volle Fahrt aufnehmen werden. Als Vorbilder gelten die gelungenen Verschmelzungen der Volksbanken von Verona und Novara sowie der Banca Popolare Commercio Industria mit der Volksbank von Bergamo zur BPU. Hauptakteure könnte die Volksbanken von Mailand (Banca Popolare di Milano) und Lodi sein.

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