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30.03.2017

13:43 Uhr

Ärger am Automaten

Sparkassen verlangen Gebühren fürs Geldabheben

VonFelix Holtermann

Sparkassen-Kunden sind es gewohnt: Praktisch in ganz Deutschland können sie an Sparkassen-Automaten kostenlos Geld abheben. Doch das ändert sich jetzt. Rund 40 Institute erheben nun – je nach Kontomodell – Gebühren.

Orange by Handelsblatt bei der Sparkasse

So erklärt ein Sparkassen-Boss die Gebühren fürs Geldabheben

Orange by Handelsblatt bei der Sparkasse: So erklärt ein Sparkassen-Boss die Gebühren fürs Geldabheben

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BerlinEinige Sparkassen haben nach einer Untersuchung das kostenlose Geldabheben am Automaten eingeschränkt. Bei rund 40 der knapp 400 Institute fallen je nach Kontomodell Gebühren von bis zu einem Euro an, hat das Internet-Finanzportal biallo.de erhoben.

Die Sparkasse Erding-Dorfen bei München etwa bietet mehrere Kontomodelle. Beim günstigsten dürfen Kunden laut der Erhebung pro Monat nur zweimal am Schalter und viermal am Automaten kostenlos Geld abheben. Jede weitere Verfügung kostet 0,29 Cent. Die Sparkasse Wittgenstein verlangt demnach sogar einen Euro ab der sechsten Abhebung, die Sparkasse Rottal-Inn nimmt 50 Cent ab der dritten Abhebung im Monat. 20 Sparkassen haben laut der Erhebung die Gebührenfreiheit komplett abgeschafft, sowohl am eigenen Automaten wie im Sparkassen-Verbund. Dazu zählen etwa die Sparkassen in Grebenstein und Bad Sachsa: Abhebungen kosten hier 50 Cent.

Sparkassen-Gebühren: Bei diesen Instituten kann es am Automaten teurer werden

Sparkassen-Gebühren

Bei diesen Instituten kann es am Automaten teurer werden

Es ist eine neue Situation für Sparkassen-Kunden: Das Geldabheben am Automaten kostet unter Umständen nun Gebühren. Rund 40 Sparkassen machen bereits mit. Die komplette Liste gibt es hier.

Hintergrund der neuen Gebühren könnte die Ertragsschwäche vieler Sparkassen sein. Viele Institute – vor allem in Westdeutschland – sind durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Druck. Der Präsident des Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon, hatte die EZB im Handelsblatt-Interview zuletzt scharf kritisiert: „Die aktuelle Geldpolitik der EZB führt zu einer Umverteilung von unten nach oben. Heute können nur Anleger mit einer hohen Risikotragfähigkeit positive Nettorenditen erwirtschaften – oder solche mit wenig Verantwortung. Das bedeutet: Kapitalmarktjongleure profitieren, normale Sparer verlieren.“

Gebühren fürs Geldabheben hatte Fahrenschon im vergangenen Herbst gegenüber der „Bild“-Zeitung noch ausgeschlossen: „Wir bieten unseren Kunden in Deutschland das dichteste Netz von Geschäftsstellen, Beratern und Geldautomaten. Dafür muss nicht gesondert bezahlt werden. Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Wie die neue Erhebung zeigt, sind einzelne Sparkassen aus diesem Konsens ausgeschert. Verbraucherschützer kritisieren den Schritt und befürchten, dass weitere Sparkassen Gebühren fürs Geldabheben einführen könnten. Kunden sollten in Erwägung ziehen, ihre Bank nach einer Gebührenerhöhung zu wechseln, so der Rat. Die Sparkassen-Finanzgruppe hält ungefähr 25.000 Geldautomaten vor. In den meisten Fällen fallen für eigene und fremde Sparkassen-Kunden beim Abheben nach wie vor keine Gebühren an.

Kommentare (5)

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G. Nampf

31.03.2017, 13:56 Uhr

"Praktisch in ganz Deutschland können sie an Sparkassen-Automaten kostenlos Geld abheben. Doch das ändert sich jetzt."

Damit ist das Bankenmodell "Sparkasse" erledigt.

Herr Hans-Peter Hammer

31.03.2017, 14:15 Uhr

Wenn wir zahlen sollen um an unser eigenes Geld zu kommen, gibt's von den Sparkassen sicher ein erkleckliches Sümmchen (zusätzlich) pro Einzahlung, oder? So für jede Einzahlung, egal ob Überweisung oder bar, 1 € von der SK dazu!
Nur ein Gutes hat die Sache! Bargeldabschaffung wird sehr schwierig werden! Die Leute werden Sturm laufen!

x y

31.03.2017, 14:50 Uhr

Den heutigen Kapitalismus kann man so beschreiben:

Man kauft Politiker die die Gesetze für Banken, Großkonzerne, Lobbyisten entsprechend gut gestalten und möglichst viel vom Steuerzahler klauen.

Negativzinsen haben im Kapitalismus nichts zu suchen und ebenfalls nicht ständige Gebühren für Sachen die immer gratis waren.

Ich bin der Meinung das wir in einem oligarchischen System leben, das sich Rechtstaat nennt und wo das Recht nichts mit Moral gemeinsam hat.

In der DDR war der Feind zumindest klar. Heute verschachtelt man so viele Konstrukte wie Babuschkas ineinander, dass man nicht einmal mehr eindeutig sagen kann, wer denn wirklich zur Verantwortung gezogen werden muss und in welcher Reihenfolge. Dies ist gewollt. Es lähmt und gibt den meisten Menschen das Gefühl der Ohnmacht, was eigentlich sehr gut ist für die oberen 1%...dann kann man noch mehr melken.

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