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22.01.2013

17:53 Uhr

Agrarspekulationen

Aigner hält Deutsche Bank für verantwortungslos

ExklusivDie Deutsche Bank setzt wieder auf Spekulation mit Lebensmitteln. Das passt Ilse Aigner gar nicht. Die Agrarministerin kritisiert das Geldhaus scharf. Banken hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen.

Agrarministerin Aigner: „Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird“. dapd

Agrarministerin Aigner: „Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird“.

BerlinDie Deutsche Bank hat wieder Ärger. Und wieder ist er hausgemacht. Am Wochenende hatte Co-Chef Jürgen Fitschen den Wiedereinstieg der Bank in den Handel mit Nahrungsmitteln verkündet. Jetzt erntet er Unverständnis. Allen voran von der Bundesagrarministerin. Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Pläne der Deutschen Bank, wieder in den Markt für Agrarspekulationen einzusteigen. „Die Deutsche Bank hat die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt“, sagte Aigner dem Handelsblatt.

„Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen weltweit verstärken können“, sagte Aigner. Diese hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen. „Wer angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, lässt jegliches Gespür vermissen und handelt verantwortungslos“, sagte Aigner.

Agrar-Derivate: Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel

Agrar-Derivate

Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel

Der Handel mit Nahrungsmitteln ist lukrativ, aber umstritten. Verbraucherschützer kritisieren Spekulationen mit diesen Rohstoffen, für Banken sind die Deals aber unverzichtbar. Das erklärte nun auch die Deutsche Bank.

Aigner sagte, die Preise für Agrarrohstoffe stiegen seit Jahren. Dafür seien auch das Bevölkerungswachstum, Unwetter sowie fehlende Investitionen in die Landwirtschaft verantwortlich. Allerdings trage auch die mangelnde Transparenz an den Börsen dazu bei. „Dies kann Spekulationen mit Nahrungsmitteln anheizen und die Preisschwankungen verursachen“, sagte Aigner. Sie kündigte an, die neue EU-Finanzinstrumente-Richtlinie Mifid zu unterstützen. Diese sieht Berichtspflichten der Marktteilnehmer sowie Positionslimits für Finanzinvestoren vor. Aigner rechnet im ersten Halbjahr 2013 mit einer Entscheidung in Brüssel.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch reagierte empört auf die Entscheidung der Deutschen Bank. Foodwatch verlangt genauere Erklärungen für das Festhalten an Finanzanlagen auf Agrarrohstoffe. „Nicht die Hungernden müssen belegen, dass die Finanzprodukte der Deutschen Bank schädlich sind, die Deutsche Bank sollte schon nachweisen können, dass ihre Produkte unschädlich sind“, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode am Dienstag. Das Geldinstitut solle eine in Aussicht gestellte umfassende Studie vorlegen.

Angesichts schwerwiegender Konsequenzen finanzmarktgetriebener Wetten an Terminbörsen sei es „völlig unakzeptabel, dass die Deutsche Bank ihre Entscheidung nicht ausführlich begründet und wissenschaftlich fundiert veröffentlicht“, kritisierte Bode in einem Schreiben an Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen.

Kommentare (38)

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Hardy

22.01.2013, 16:50 Uhr

Frau Aigner sollte sich mal kundig machen bevor Sie etwas sagt, aber dafür ist Sie ja Politikerin und nur dem Populismus verpflichtet!
Wegen Handel mit Agrarprodukten hungert keiner, durch die Erzeugung von "Biodiesel" u.ä. sehr wohl.
Aber vor der eigenen Tür kehren war schon immer mühevoller und kostet am Ende Wählerstimmen

Mazi

22.01.2013, 16:52 Uhr

Bevor Frau Aigner etwas sagt, sollte Sie sich fachkundig machen.

Vielleicht haben wir Bürger in der Tat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Es wird dringend Zeit, dass wir unsere Macht wieder zurück holen.

Die Deutsche Bank ist ein anderes Thema als der Handel in Agrarprodukten. Das hätte sie auch als Laie erkennen können, ja müssen.

Es dürfte ihr nicht entgangen sein, dass der größte Warenterminmarkt in den USA beheimatet ist, in Chicago. Dort gibt es verschiedene Börsen, die den Handel in Waren betreiben. Sie wurden vor über 100 Jahren gegründet. Hier ein Link zur Beschreibung in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Mercantile_Exchange

Das hätte auch ihr vorher einfallen können.

Der Handel dort ist so riesig, dass der Handel der Deutschen Bank oder der Allian oder beide zusammen dort keineswegs auffällt.

Also hier überschätzt die Verbraucherministerin eindeutig die Bedeutung der deutschen Finanzinstitute am Warenterminmarkt und es wirkt anmaßend von den Zeichen der Zeit zu sprechen.

Mazi

22.01.2013, 16:55 Uhr

Sie waren schneller, aber mein Kommentar unterscheidet sich inhaltlich nicht. Es wäre auch ein Wunder, wenn man das Thema sachlich angeht.

Man hätte auch schreiben können:
Frau Aigner, das war fachlich nix!

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