Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2016

13:14 Uhr

Aktie stürzt auf Allzeittief

Deutsche Bank am Boden?

VonMichael Maisch

So wenig war Deutschlands größtes Geldhaus noch nie wert. Die Angst vor einer Kapitalerhöhung verschreckt die Anleger, aber es gibt noch andere Gründe für den tiefen Sturz der mächtigen Bank. Eine Analyse.

Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses hat ein neues Allzeittief erreicht. dpa

Dunkle Wolken über der Deutschen Bank

Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses hat ein neues Allzeittief erreicht.

FrankfurtAngesichts der schier endlosen Liste von Problemen war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Am Montag gleich nach Eröffnung des Handels sackte der Kurs der Deutschen Bank auf ein neues Allzeittief. Die Aktie des größten deutschen Geldhauses brach um 6,5 Prozent auf 10,63 Euro ein. Seit Jahresanfang hat das Geldhaus damit die Hälfte seines Börsenwertes verloren, ein beispielloser Absturz, der die tiefste Krise in der jüngeren Geschichte der noch immer mächtigsten heimischen Bank widerspiegelt.

Quasi kein Tag vergeht ohne neue schlechte Nachrichten. Inzwischen muss sich Vorstandschef John Cryan Fragen gefallen lassen, die noch vor einem Jahr als Majestätsbeleidigung gegolten hätten. Skeptiker wie der britische Finanzprofessor Kevin Dowd fürchten, dass die angeschlagene Deutsche Bank mit ihrem gigantischen Derivatebuch zum Katalysator der nächsten Bankenkrise werden könnte.

An den Märkten wird inzwischen ganz offen darüber spekuliert, ob das Frankfurter Geldhaus nicht vom Staat aufgefangen werden muss. Aber selbst wenn dieser eigentlich kaum vorstellbare Ernstfall eintreten würde, wäre das alles andere als einfach. Denn die neuen Haftungsregeln der EU sehen vor,  dass zuerst Eigentümer und Gläubiger für die Banken haften. Erst wenn acht Prozent der gesamten Verbindlichkeiten einer Bank als Hilfe herangezogen wurden, darf der Staat eingreifen.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Laut einem Bericht des Magazins „Focus“ hat die Bundesregierung Staatshilfen für die Deutsche Bank ohnehin ausgeschlossen. Dies habe Kanzlerin Angela Merkel in einem vertraulichen Treffen mit Bankchef Cryan im Sommer signalisiert. Im Wahljahr 2017 seien Staatshilfen ein Tabu, habe die Kanzlerin klar gemacht. Deshalb geht an den Märkten jetzt wieder die Angst vor einer massiven Kapitalerhöhung um, die die Anteile der Altaktionäre deutlich verwässern würde. Abgesehen davon, dass sich Experten fragen, ob die leidgeplagten Eigentümer überhaupt noch willens wären, der Bank frisches Kapital zur Verfügung zu stellen.

Die Deutsche Bank hat den Bericht am Montag zurückgewiesen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen“, sagte ein Banksprecher am Montag. „John Cryan hat zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin darum gebeten, dass die Regierung im Hypothekenverfahren mit dem amerikanischen Justizministerium interveniert.“

Auch von Seiten der Regierung ließ das Dementi nicht lange auf sich warten. „Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Ein Banksprecher sagte dem Fernsehsender CNBC, dass das Geschäftsmodell der Bank fundamental in Ordnung sei. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema, das Institut erfülle alle Vorgaben der Regulierer und das Liquiditätspolster sei solide.

Alle regulatorischen Vorgaben würden erfüllt. Die Deutsche Bank brauche aber eben Zeit, sich durch ihre Rechtsstreitigkeiten zu arbeiten. „Wir machen unsere Hausaufgaben.“

Kommentare (75)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Vinci Queri

26.09.2016, 12:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Thomas Behrends

26.09.2016, 12:07 Uhr

Das die Deutsche Bank AG eines Tages für das überhebliche Verhalten ihrer Vertreter in der Obersten Heeresleitung (Vorstand) bestraft werden musste, ist und war so logisch wie das Amen in der Kirche.

Das Dilemma fing schon bei der vermurksten Finanzierung der Bagdad-Bahn vor dem 1. Weltkrieg an (völlige Fehleinschätzung der Kräfteverhältnisse in Europa) und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Jahrzehnte.

Die Arroganz mit der Hilmar Kopper die Summe von 50 Mio. DM von ausstehenden Handwerker-Rechnungen gegenüber dem Bauunternehmer Schneider bezeichnete als "Peanuts" bezeichnete über Rolf E. Breuer, der laut Aussagen der Kirch-Gruppe, Diese durch eine kiritische Äußerung gegenüber Bloomberg zum Zusammenbruch gebracht habe zu "Peace-Zeichen" Josef Ackermann (ein Super-Fantast, der unter Umgehung jeglicher Rechtsvorschriften seinen 25% Rendite-Kurs durchsetzen wollte).

Die normalen Mitarbeiter bei der Deutschen Bank tun mir leid. Sie haben mitansehen müssen wie ihre Bank von größenwahnsinnigen Spinnern gegen die Wand gefahren wurde.

Baron v. Fink

26.09.2016, 12:15 Uhr

Der Steuerzahler muss die Bank retten, sonst verlieren die Investoren ihr Vertrauen in die deutsche Regierung. Danach müssen wieder Dividenden ab die Aktionäre
bezahlt werden. Mit drei Prozent Eigenkapital kann keine Bank arbeiten, der Steuerzahler hat im ersten Schritt 100 Milliarden, natürlich ohne Stimmrecht, einzubringen und im zweiten Schritt die Derivate zu sichern. Wo kommen wir hin, wenn der Investor derartige Risiken tragen soll. dass kann nur die Allgemeinheit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×