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18.01.2005

09:02 Uhr

Aktionäre setzen Werner Seifert unter Druck – Weitere Fonds wehren sich

Aufsichtsrat gibt Deutscher Börse grünes Licht für LSE-Übernahme

Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat am Montag einem möglichen Barangebot für die London Stock Exchange (LSE) zugestimmt, sollte sich der Vorstand der Deutschen Börse für ein Angebot entscheiden. Der Aufsichtsrat habe außerdem den Vorstand sowie einen Ausschuss des Aufsichtsrates ermächtigt, „weitere Entscheidungen bezüglich eines möglichen Angebotes zu treffen“, teilte die Deutsche Börse am Montagabend in Frankfurt mit.

fs LONDON. Stimmung gegen die Übernahmepläne machen allerdings einige Aktionäre der Deutschen Börse. Ein bislang nur in Großbritannien bekannter Hedge-Fonds namens „The Children’s Investment Fund Management“ (TCI) forderte den Vorstand in einem Brief dazu auf, bis zum 7. Februar eine außerordentliche Hauptversammlung (HV) einzuberufen. Diese soll über die geplante Übernahme der London Stock Exchange entscheiden. Die Deutsche Börse kündigte gestern lediglich an, dass sie zu diesem Antrag Stellung nehmen werde.

TCI schreibt in dem gestern veröffentlichten Brief, schon der bislang gebotene Preis von 5,30 Pfund je Aktie der LSE übersteige „bei Weitem den Nutzen, den diese Akquisition für die Gesellschaft erbringen könnte“. Der Fonds verlangt die Absetzung und Neuberufung des Aufsichtsrates. Diese ist jedoch nur die Rechtfertigung für die Einberufung der HV, nicht der wahre Grund. Auch dass die Aktionäre die Übernahme der LSE wirklich torpedieren können, wird in Finanzkreisen derzeit als eher unwahrscheinlich angesehen. Seifert dürfte den Zuspruch der Großaktionäre hinter sich wissen.

Dennoch kann die Deutsche Börse den Widerstand ihres Aktionärs nicht so einfach wegwischen. Der Markt reagierte mit einem Plus von mehr als 4,4 Prozent für die Aktie positiv auf das Störfeuer. TCI hält nach eigenen Angaben über zwei Fonds mehr als fünf Prozent des Grundkapitals, was ihn zur Einberufung der HV berechtigt. TCI-Chef Chris Hohn deutete gegenüber dem Handelsblatt an, dass sich weitere Investoren der Initiative anschließen könnten. Der US-Fonds Atticus kritisierte gestern ebenfalls die geplante LSE- Übernahme.

In der Londoner City wird die ungewöhnliche Initiative von TCI mit gewisser Sympathie verfolgt. Unter der Hand heißt es, Seifert soll Aktionäre mit dem Wunsch nach mehr Information abschlägig beschieden haben, weil er sie bei einer Bargeld-Offerte nicht einbinden müsse. „Dies ist eine Warnung an die Adresse des Managements, mehr auf die Interessen der Aktionäre zu achten“, sagte ein Experte gestern. Anders als in Deutschland müssen etwa britische Firmen ihre Aktionäre vor einer Übernahme fragen, auch wenn es sich um eine Barofferte handelt.

Nach TCI hat sich auch ein US-Fonds mit Deutsche-Börse-Beteiligung für eine Mitsprache der Aktionäre bei der geplanten Übernahme der London Stock Exchange plc (LSE) ausgesprochen. Die "Financial Times" zitiert David Herro, den Chief Investment Officer des Fonds Harris Associates am Dienstag mit den Worten, bei wichtigen Übernahmen wie dem Kauf der Londoner Börse müssten die Anteilseigner mitentscheiden. Der in Chicago ansässige Fonds ist mit 4,5% an dem Frankfurter Börsenbetreiber beteiligt.

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