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18.02.2011

06:54 Uhr

Alasdair Haynes

"Das ist erst der Anfang der Fusionswelle"

VonMichael Maisch

Das Fusionsfieber in der Börsenbranche wird weiter steigen, sagt Alasdair Haynes, Chef der größten europäischen alternativen Handelsplattform Chi-X-Europe, im Handelsblatt-Interview. Auch Chi-X verhandelt über Fusionen.

Der Handelssaal der New Yorker Börse: Die Konkurrenz schläft nicht. Quelle: dpa

Der Handelssaal der New Yorker Börse: Die Konkurrenz schläft nicht.

LondonAuch Chi-X selbst hat das Fusionsfieber gepackt. Derzeit verhandelt Haynes über einen Zusammenschluss mit dem amerikanischen Konkurrenten Bats. Bats und Chi-X sind die beiden erfolgreichsten so genannten Multilateral Trading Facilities (MTFs), die nach der Liberalisierung des Wertpapierhandels in der EU angetreten sind, um den klassischen Börsen Umsätze abzunehmen. Gemessen an den Trades kamen beide MTFs zusammen 2010 auf einen Anteil von 29 Prozent am paneuropäischen Aktienhandel. Die Deutsche Börse erreicht in diesem Segment dagegen nur einen Martkanteil von 8,5 Prozent, die Londoner LSE kommt auf 17,6 Prozent.

Hat Sie die geplante Mega-Fusion zwischen Deutscher Börse und der New Yorker NYSE überrascht?

Nein, wir haben schon immer eine Konsolidierung in unserer Branche vorhergesagt. Es war klar, dass sehr viele Parteien miteinander sprechen. Was wir im Moment erleben, ist erst der Anfang der Fusionswelle. Am Ende werden drei bis vier große Spieler die Börsenwelt dominieren. Jede europäische Börse wird sich internationale Partner suchen müssen.

Sie selbst verhandeln bereits seit Ende des vergangenen Jahres mit dem Konkurrenten Bats über einen Zusammenschluss. Hat sich dadurch der Konsolidierungsdruck auf die etablierten Börsen erhöht?

Ich denke schon. Plattformen wie Chi-X und Bats haben das gesamte Geschäft verändert. Kommt es tatsächlich zur geplanten Fusion zwischen Deutsche Börse und Nyse hätte das neue Unternehmen rund 7000 Mitarbeiter, bei Chi-X arbeiten lediglich 51 Beschäftigte. Das heißt wir sprechen selbst nach einem möglichen Zusammenschluss mit Bats von einer völlig anderen Kostenbasis, und in diesem Geschäft läuft letztlich alles auf Kostensenkungen und Größenvorteile hinaus.

Wird der Mega Merger zwischen der Deutschen Börse und der New Yorker NYSE nicht zur Bedrohung für die alternativen Handelsplattformen?

Nein, das glaube ich nicht. Die Kunden wollen einen wirklichen paneuropäischen Aktienhandel, wie ihn unsere Plattform bietet. Bislang ist das Geschäft noch immer sehr national orientiert. Das heißt die Deutsche Börse dominiert zwar den deutschen Markt, ist im gesamteuropäischen Geschäft aber recht schwach. Durch den geplanten Zusammenschluss mit der New Yorker Börse, zu der ja auch die europäische Mehrländerbörse Euronext gehört, verschieben sich zwar auf dem Papier die Machtverhältnisse, aber auf einigen wichtigen Märkten wie Spanien oder Großbritannien wird auch die neue Großbörse nicht vertreten sein.

Also haben beide Modelle ihre Berechtigung?

Sie müssen sich das ähnlich wie in der Luftfahrtindustrie vorstellen, in der große nationale Fluglinien mit Billigfliegern konkurrieren.

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