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31.03.2006

10:52 Uhr

Allianz und Dresdner Bank

Vom Tandem zur Tretmühle

VonChristoph Hardt und Michael Maisch

Fünf Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz hakt es noch an vielen Ecken. Am Anfang standen hochfliegende Pläne. Doch die Realität sieht anders aus: Viele gut bezahlte Banker blicken hochnäsig auf die „Versicherungsvertreter“ aus München herab.

So kollegial sollte es zugehen beim Zusammenschluss von Dresdner Bank und Allianz. Doch es kam anders. Montage: Handelsblatt

So kollegial sollte es zugehen beim Zusammenschluss von Dresdner Bank und Allianz. Doch es kam anders. Montage: Handelsblatt

MÜNCHEN/FRANKFURT. Etwas Mühe bereitet es den beiden Herren schon, sich auf dem Tandem zu halten. Aber Bernd Fahrholz und Henning Schulte-Noelle wollen mit den Runden, die sie auf dem Doppelfahrrad vor der Zentrale der Dresdner Bank drehen, auch keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern Partnerschaft demonstrieren.

Im April 2001 verkündet Schulte-Noelle, Chef des mächtigen Versicherers Allianz, dass sein Haus die Dresdner Bank übernehmen wird. Wenige Wochen später schwingt er sich mit Dresdner-Chef Fahrholz auf’s Tandem, um den Mitarbeitern zu demonstrieren wie reibungslos die neue Partnerschaft funktioniert. Und so beginnt die Ehe zwischen Versicherung und Bank etwas unbeholfen, aber harmonisch.

Doch die Flitterwochen sind so schnell vorbei wie die Fahrradvorführung der Vorstandschefs. Es beginnt, was viele in beiden Konzernen noch heute den Kampf der Kulturen nennen. Ein Kampf der tiefe Spuren hinterlässt, nicht nur in den Bilanzen. Ein Kampf, der am Ende Schulte-Noelle und Fahrholz zermürbt und zum Aufgeben zwingt. Fünf Jahre Dresdner Bank-Allianz – ein Beispiel dafür, wie viel Blut, Schweiß und Tränen eine Großfusion kosten kann.

Am Anfang stehen hochfliegende Pläne: „Etwas völlig Neues“, wollen Schulte-Noelle und Fahrholz bauen: Einen Finanzriesen mit 170 000 Mitarbeitern, gut 100 Milliarden Euro Börsenwert über 20 Millionen Privatkunden in Deutschland und zwei Millionen Firmenkunden. Alle reden von der „Allfinanz“ – alle Finanzprodukte aus einer Hand, von der Lebensversicherung bis zur Fusionsberatung.

Doch die Realität sieht anders aus: Viele hoch bezahlte Banker blicken hochnäsig auf die „Versicherungsvertreter“ aus München herab. „Dabei hatten gerade die keinerlei Anlass zur Arroganz“, sagt ein Allianz-Manager, der damals mit dabei war. Im Klartext heißt das, hinter der als Geniestreich gepriesenen Übernahme stand auch nackte Not. „Technisch insolvent“, lautete damals eine der Einschätzungen zur Dresdner Bank, die bereits zu 21 Prozent der Allianz gehörte. 23 Milliarden Euro lässt sich Schulte-Noelle die angeschlagene Bank kosten – viel Geld für ein Institut, das immer tiefer in die Krise rutscht. Schließlich betreibt die Dresdner nicht nur das zur Vision vom Allfinanzkonzern passende Privatkundengeschäft sondern will auch im Investment-Banking und Firmenkundengeschäft in der Weltliga mitspielen. Doch nach dem Platzen der großen Börsenblase rutscht die Dresdner tief in die roten Zahlen. Lange lässt Schulte-Noelle die Frankfurter an der langen Leine laufen – wohl auch weil er fürchtet, dass der Allianz das Fachwissen für die Führung einer Bank fehlt. Doch die Verluste der Dresdner reißen immer tiefere Löcher in die Bilanz der Allianz. Der Aktienkurs des Versicherers, einst ein Witwen- und Waisenpapier, rauscht in den Keller. Schulte-Noelle, der besonnene, stets um einen leisen Auftritt bemühte Vorstandschef, wandelt sich zum Krisenmanager. Auf Geheiß der Münchner muss die Dresdner ihre globalen Ambitionen aufgeben. Dem rigiden Sparkurs fallen viele tausend Stellen zum Opfer.

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