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26.01.2010

11:32 Uhr

Allianz-Vorstand Werner Zedelius

„Osteuropa bleibt eine Wachstumsregion“

VonAxel Höpner, Stefan Menzel

ExklusivDer Allianz-Konzern sieht sich in seinen neuen Märkten wieder auf dem richtigen Weg, bereitet sich jedoch auch auf mögliche Schwächephasen vor. Dies geht aus einem Handelsblatt-Interview mit Vorstandsmitglied Werner Zedelius hervor. Der Konzern müsse kämpfen, allerdings sieht Zedelius in Osteuropa, aber auch Asien großes Potenzial.

Allianz-Vorstandsmitglied Werner Zedelius setzt auf Osteuropa und Asien. ap

Allianz-Vorstandsmitglied Werner Zedelius setzt auf Osteuropa und Asien.

Handelsblatt: Herr Zedelius, noch vor zwei Jahren hat jeder von Osteuropa geschwärmt. Wie geht es jetzt weiter?

Werner Zedelius: Wir - und nicht nur wir - sind davon überzeugt, dass Osteuropa eine Wachstumsregion ist und bleiben wird. Die Krise ist noch nicht vorüber, und in dem einen oder anderen Land kann diese noch länger dauern. Auch die steigende Arbeitslosigkeit sorgt in diesem Jahr in der Region für Probleme. Mittel- bis langfristig werden wir allerdings wieder Wachstumsraten von fünf Prozent und mehr sehen. Unser Anspruch ist, dass unser Geschäft stärker als die Volkswirtschaften der einzelnen Märkte wächst. Das haben wir in der Vergangenheit erreicht, und es bleibt auch unsere Zielsetzung für die Zukunft.

HB: Was bereitet Ihnen denn in diesem Jahr die größten Sorgen im Versicherungsgeschäft?

Zedelius: Die wichtigste Frage wird sein, wie sich die Märkte entwickeln. Man sollte auf jeden Fall vorsichtig bleiben: Wie im Westen kann man auch in Osteuropa nicht mit steten Zuwächsen rechnen. Es wird sicherlich noch die eine oder andere Phase geben, in der die Aufwärtsbewegung stockt. Das Schlimmste sollte allerdings hinter uns liegen. Ich sehe nicht, dass beispielsweise das Bankensystem in Osteuropa wie vor einem Jahr noch einmal unter massiven Druck kommen wird. Und bei aller Vorsicht sehen auch unsere Volkswirte deutliche Zeichen der Erholung. 2010 dürfte das Wachstum in Osteuropa bei 1,8 Prozent liegen.

HB: War Osteuropa nicht ein Schönwetter-Markt, der sich erst jetzt richtig bewähren muss?

Zedelius: Osteuropa war schon vor der Krise kein Schönwetter-Markt, Ihrer Annahme würde ich also eher widersprechen. Wir mussten uns dort dem Wettbewerb von Beginn an kämpferisch stellen. Es gibt genug andere Unternehmen, die ihre Wachstumsziele nicht erreicht haben. 2009 ist ein Jahr, mit dem wir angesichts der Umstände trotzdem mehr als zufrieden sind. Umsatz und Ertrag liegen im Rahmen unserer angepassten Erwartungen.

HB: Und wie sieht es mit den asiatischen Märkten aus?

Zedelius: Um im Bild zu bleiben: Asien, vor allem China, hat sich 2009 als recht stabiles Schiff in stürmischer See gezeigt. Ohne Japan ist die Region um fast fünf Prozent gewachsen, in einer Zeit, in der die globale Wirtschaftsleistung um zwei Prozent gesunken ist! Ich finde das bemerkenswert. 2010 sehen unsere Allianz-Volkswirte beim Wachstum China mit fast neun, Indien mit 6,5 Prozent im Plus. Noch einmal: Die Wachstumsmärkte Asiens waren schon 2009 nicht Ballast, sondern Stütze der Weltwirtschaft. Das ändert sich auch in diesem Jahr nicht.

HB: In welchen Ländern und in welchen Geschäftsbereichen hat es denn im vergangenen Jahr die größten Einschläge gegeben?

Zedelius: Da muss man differenzieren zwischen Umsatz und Profitabilität. Beim Umsatz haben wir die größten Rückgänge bei kapitalmarkt-orientierten Lebensversicherungsprodukten. So etwas war natürlich absehbar angesichts der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Neben Osteuropa waren teilweise auch Märkte in Asien, beispielsweise Indien und China, stärker von dieser Entwicklung betroffen. Polen hat sich im Unterschied dazu fantastisch gehalten. Unsere Gesellschaften in diesen Ländern zeichnet aus, dass sie sich gut und sehr flexibel auf die Marktveränderungen einstellen können und wir uns so den veränderten Kundenwünschen anpassen: das heißt jetzt mehr Produkte mit regelmäßiger Beitragzahlung, mehr das klassische Lebensversicherungsgeschäft. Weiterhin werden verstärkt Produkte mit höherem Risikoschutz nachgefragt.

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