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07.02.2006

13:43 Uhr

Allianz

Weltgeist und Familienerbe

VonCaspar Dohmen und Christoph Hardt

Am Mittwoch beschließt die Allianz den grundlegendsten Umbau, den Europas größter Versicherer je erlebt hat. Und das ist erst der Anfang. Michael Diekmanns Pläne gehen noch viel weiter. Ein Baustellenbesuch.

Die Allianz wird nun auch formell europäisch. Fotomontage: Handelsblatt

Die Allianz wird nun auch formell europäisch. Fotomontage: Handelsblatt

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. „Früher“, sagt die freundliche Bedienung am festlich eingedeckten Tisch und wiegt den Kopf, „früher waret die Maultäschle Menü drei, jetzt hän die halt koi Nummer mehr.“ Früher, das war die Zeit, als die Herren aus München es nicht wagten, sich in schwäbische Spezialitäten einzumischen. Heute bekommen die Führungskräfte der Allianz Lebensversicherung in Stuttgart den Reformdruck aus der Zentrale sogar beim Mittagessen in ihrem Allerheiligsten, der Kantine, zu spüren. Keine Menüs mehr und auch keine Flatrate. Mit dem „All you can eat“ zum Niedrigtarif ist es auch in Stuttgart vorbei. „So machen sie es halt in München“, sagt ein Allianzer mit einer Spur Resignation.

Morgen wird die außerordentliche Hauptversammlung der Allianz die Verschmelzung mit der italienischen Tochter RAS und die dazu notwendige Gründung einer Societas Europeana (SE) beschließen. Damit ist das erste Kapitel im wohl grundlegendsten Umbau, den Europas größter Versicherungskonzern je erlebt hat, abgehakt. Denn die SE, das ist der Überbau, der Kopf der Allianz für das 21. Jahrhundert, wenn man so will. Allianz-Chef Michael Diekmann aber hat sich weit mehr vorgenommen, eine Reform an Haupt und Gliedern. Deshalb modelt er seit Monaten auch das Deutschlandgeschäft um – und damit geht es wirklich ans Eingemachte.

Die Allianz und der Umbau, das ist im Jahre 2006 eine sehr deutsche Geschichte. Sie erzählt davon, wie ein international geprägter Versicherungsmanager versucht, aus einem verschachtelten deutschen Traditionskonzern ein windschnittiges Weltunternehmen zu formen, gegen alle bürokratischen Hemmnisse, gegen die Gewerkschaften, gegen Widerstand im eigenen Haus, von ganz oben bis ganz unten.

„Versicherung, das ist im Grunde ein restauratives Geschäft“, sagt der Münchener Betriebswirtschaftsprofessor und Assekuranz-Experte Elmar Helten. Mag die Allianz mit der Reform auch nur das nachholen, was Konkurrenten wie die Axa schon vorexerziert haben, Diekmanns Umbau kommt trotzdem einer Kulturrevolution gleich.

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