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27.06.2017

12:54 Uhr

Allied Irish Banks

Irische Krisenbank feiert erfolgreiche Börsen-Rückkehr

Der drittgrößten Bankenbörsengang seit der Finanzkrise ist geglückt – Irland bringt die Allied Irish Banks erfolgreich zurück aufs Parkett. Etwa die Hälfte der investierten Rettungsgelder nimmt der Staat wieder ein.

Irland kann die mit Steuergeldern gerettete Krisenbank erfolgreich zurück an die Börse bringen. dpa

Allied Irish Banks

Irland kann die mit Steuergeldern gerettete Krisenbank erfolgreich zurück an die Börse bringen.

DublinDie einstige Krisenbank Allied Irish Banks hat eine erfolgreiche Rückkehr an die Börse gefeiert. Kurz nach Handelsstart an den Börsen in Dublin und London notierten die Aktien des irischen Geldhauses am Dienstag mit 4,76 Euro gut acht Prozent über dem Ausgabepreis von 4,40 Euro. Irland hatte für drei Milliarden Euro ein Aktienpaket von 25 Prozent am Markt verkauft.

Damit hat der Staat in etwa die Hälfte der 21 Milliarden Euro wieder herausbekommen, die er für die Rettung des Instituts ausgegeben hatte. AIB ist der drittgrößte Bankbörsengang in Europa seit der weltweiten Finanzkrise 2008 und die größte Emission in London seit sechs Jahren.

Sollte die Nachfrage nach den Papieren hoch bleiben, könnte der Staat in den kommenden Wochen weitere 400 Millionen Euro durch die Platzierung der Mehrzuteilungsoption einnehmen. Weitere Anteilsverkäufe hatte Irland ursprünglich bis Ende 2018 ausgeschlossen. Man könne dies angesichts des Erfolgs des AIB-Börsengangs jedoch überdenken, sagte Finanzminister Paschal Donohoe vergangene Woche.

Die neuen Abwicklungsregeln für Großbanken in Europa

Zuständige Abwicklungsbehörde

Im Fokus stehen die aktuell 125 Großbanken, die unter direkter Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen, sowie grenzüberschreitend aktive Banken. Entscheidungen über deren Restrukturierung oder Abwicklung werden in der Abwicklungsbehörde „Single Resolution Board“ (SRB) getroffen, die auch beim Notverkauf von Banco Popular das Heft in der Hand hatte. In den übrigen Fällen - insbesondere bei kleineren Geldinstituten - bleibt vor allem die nationale Abwicklungsbehörde zuständig.

SRB

Exekutivdirektorin des SRB ist die Deutsche Elke König. Ihr Stellvertreter ist der Finne Timo Löyttyniemi. Stellt die EZB fest, dass eine Bank in Schieflage ist, tritt das SRB zusammen und macht einen Vorschlag für die Abwicklung oder Restrukturierung des Geldhauses.

Fall Banco Popular

Die EU-Kommission muss dem Vorschlag des SRB zustimmen. Genau dies geschah bei Banco Popular, nachdem die EZB das Institut als nicht mehr überlebensfähig eingestuft hatte. Das SRB entschied sich in diesem Fall für einen Verkauf des Instituts an Santander.

Abwicklungsfonds

Um die Abwicklung oder Restrukturierung abzufedern, wird ein Abwicklungsfonds (SRF) aufgebaut. In den Fonds sollen die Banken bis zum 31. Dezember 2023 rund 55 Milliarden Euro einzahlen. Die dazu fälligen Bankenabgaben werden seit 2015 von den Mitgliedstaaten erhoben, ab 2016 auf nationale Kammern des Fonds transferiert und dort schrittweise vergemeinschaftet.

Im Pleitefall

Bevor der SRF angezapft werden kann, ist allerdings eine private Verlustbeteiligung in Höhe von mindestens acht Prozent der Bilanzsumme vorgeschrieben. Dazu wurde eine Haftungskaskade erstellt: Im Pleitefall werden zuerst die Anteilseigner und Gläubiger der Bank zur Kasse gebeten.

Ausnahmen

Für gesetzlich gesicherte Einlagen oder besicherte Verbindlichkeiten gibt es Ausnahmen. Bei Banco Popular tragen Besitzer so genannter AT1- und AT2-Anleihen Verluste von rund zwei Milliarden Euro. Aktionäre verlieren alles. Die Besitzer vorrangiger Titel wurden geschont.

Regeln in Aufbauphase

Während der Aufbauphase des Fonds gibt es verschiedene Möglichkeiten, zusätzlichen Geldbedarf zu decken – etwa über Sonderabgaben der Banken oder Kreditaufnahmen des SRF. Eventuelle Sonderkredite der EU-Staaten an den SRF müssen vom jeweiligen Bankensystem des Landes zurückgezahlt werden.

AIB-Chef Bernard Byrne riet der Regierung, bald weitere Anteile auf den Markt zu werfen. „Wenn es eine Gelegenheit gibt, sollte man sie nicht verpassen“, sagte Byrne der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist ihre Entscheidung, aber es hat sich gezeigt, dass es im Moment eine sehr große Nachfrage gibt.“

Das Geldhaus war während der Finanzkrise in Schieflage geraten, wurde 2009 vom Staat gerettet und anschließend nahezu komplett übernommen. Nach jahrelanger Sanierung war die AIB vor drei Jahren wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Als erste vom Staat aufgefangene irische Bank sieht sich das Institut mittlerweile wieder in der Lage, eine Dividende zu zahlen.

Von

rtr

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